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Full text: Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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über der Seidenweberei selbst zu überwiegen; doch werden auch Taschen 
tücher, Kleider- und bedruckte Stoffe, sowie Crepe angeführt. Basel erzeugt 
besonders geblümte Seidenbänder, St. Gallen Leinen- und leichtere Woll 
stoffe. Genf ist vor allem durch Gold- und Silberposamenterien, aber auch 
durch gute Druckstoffe bekannt. 
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Auch für die englische Industrie hat, wie gesagt, die Aufhebung des 
Edikts von Nantes große Bedeutung erlangt. Die Wollweberei, die mit 
eigenem oder spanischem Rohstoffe arbeitete, blühte zwar schon lange, 
die Seidenindustrie in London und Canterbury ist aber erst weit jüngeren 
Ursprungs und geht hauptsächlich auf französischen Einfluß zurück. 
In den Nachträgen zu Savary, ’ also nach der Mitte des Jahrhunderts, 
findet sich eine sehr bemerkenswerte Stelle über die englische Weberei: 
„In London legen die Frauen mehr Wert auf Reichtum als auf 
Geschmack, mehr auf Kraft als auf Anmut. Man bewahrt in den Stoffen 
das Flache, Massive und Bizarre des Chinesischen. Bisweilen wollen die 
Fabrikanten auch Lyoner Stoffe nachbilden, aber man entstellt sie, indem 
man sie wiederzugeben sucht. So macht man auf diesem Gebiete inEngland 
ununterbrochen Anstrengungen, sich von den fremden Stoffen unabhängig 
zu machen, es gelingt über kaum; auf den ausländischen Märkten ist 
England jedenfalls kein gefährlicher Nebenbuhler für Frankreich.“ 
Zur Beurteilung der englischen Textilindustrie ist es wichtig, sich zu 
erinnern, daß England durch seinen, bereits sehr ausgebreiteten Handel 
indische und ostasiatische Stoffe leichter erlangen konnte, als die anderen 
Länder, etwa mit Ausnahme Hollands, so daß es zu ihrer Nachahmung, 
besonders in Druckstoffen, frühe geführt wurde.- 
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Die habsburgischen Niederlande spielten eine Hauptrolle in der 
Erzeugung von Wollstoffen, Leinen, Gobelins, Spitzen und allerlei Mode 
artikeln, die vor allem in Brüssel von den „faiseuses de Modes“ hergestellt 
wurden; in Seide wurden aber fast nur ungemusterte Stoffe erzeugt. = 
Auch Holland hatte, trotzdem auch hier französische Flüchtlinge die 
Seidenweberei einführten, nur in Tuch und Leinen größere Bedeutung. 4 
1 A. a. O., V., Sp. 767. 
2 Auch aut die Stickerei Englands gewann Ostasien und Indien ziemlich früh Einfluß; 
auch hier war Holland voraufgegangen und auch Portugal. Vgl. Allan-Cole, „Ornament in 
European Silks“, Fig. 150 ff. 
3 Savary a. a. O., V., Seite 291. 
4 Geblümte Samte werden allerdings in Holland hergestellt, nach Mailand gesendet 
und gehen von dort wieder als Mailänder Samte nach Holland zurück.
	        
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