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Umrandungen aber noch kreisrund, bei Freudeberg sind es lang
gestreckte und spitz endende Formen, wie sie sich eben durch Kreuzen
langgestreckter Kurven ergeben.
Man fühlt auch, wie das alles zusammenpaßt: die Geraden am Kamin,
am Spiegel, am Wandleuchter, an den Sesselbeinen, in der Wandbespannung,
und daß damit nur langgestreckte Kurven, Ellipsen oder linsenartige Formen
übereinstimmen, nicht aber wirkliche Kreise.
Selbst die Uhr, deren Zifferblatt man, wohl oder übel, kreisrund lassen
mußte, ist durch den herumgelegten Kranz in die Form eines Spitzovales
gebracht worden.
Anders ist es auch nicht mit den Köpfen der Frauen, auch da ist das
Oval des Gesichtes noch besonders gehoben durch die Haartracht und
Haube. Und das Elegante, das der Dame und ihrer Bedienung anhaftet,
die Anmut, die nicht ganz natürlich ist, aber natürlich sein möchte, sie
erfüllt den Raum bis ins Kleinste.
Wir wollen nun noch einen flüchtigen Blick auf den Teppich dieses
Raumes werfen. Wir sehen das Muster nicht deutlich, aber wir ahnen es;
es ist ganz naturalistisches Ranken- und Blütenwerk.
Die Kurven, die wir in der Rokokozeit noch meist in kräftiger Rundung
und mächtiger Wirkung fanden, zum Beispiel auf Tafel 311a und c, werden
jetzt allgemein mehr gestreckt, vor allen Dingen aber weiter auseinander
gerückt und häufig zwischen ganz gerade Linien gesetzt; man vergleiche
Tafel 334 c und Tafel 331, wo die Abbildung a noch eine Nachwirkung der
Vorliebe für das Chinesische, Abbildung b aber ein recht ausgesprochenes
Louis XVI-Muster zeigt. Man beachte hier auch die einfache und feine
Behandlung des Grundes und vergleiche in dieser Beziehung Tafel 333 b und d.
Es sei hier auf die Darstellung eines Lyoner Seidenstoffes (Tafel 330 d)
hingewiesen, der den Typus der versetzten Abteilungen mit Mittelstücken
in ungemein reicher Ausführung zeigt. Besonders zu beachten ist auch die
reiche und vielartige Grundmusterung, die aus der Spätbarocke und dem
Rokoko herstammt, aber mit äußerster Verfeinerung durchgeführt ist. Es
sind nur Striche und Punkte; die abwechslungsreichen Muster der früheren
Zeit sind dahin. Häufig findet sich bei klassizistischen Musterungen auch
einfache Moirierung des Grundes.
Wir verweisen hier auch auf Tafel 334 b und c, wo bloße Streifen und
Streifenkreuzungen sich als Grundmuster zeigen. Der späte Rokoko- oder
frühe Louis XVI-Stoff auf Tafel 309 a kann als Beispiel des Überganges
dienen. Allmählich werden aber, besonders bei Kleiderstoffen, diese
Wellenlinien, Streifen, Punkte und kleinen Streublümchen der einzige
Schmuck. Auch in der Näh- und Klöppelspitze dieser Zeit kann man ja