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Full text: Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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Umrandungen aber noch kreisrund, bei Freudeberg sind es lang 
gestreckte und spitz endende Formen, wie sie sich eben durch Kreuzen 
langgestreckter Kurven ergeben. 
Man fühlt auch, wie das alles zusammenpaßt: die Geraden am Kamin, 
am Spiegel, am Wandleuchter, an den Sesselbeinen, in der Wandbespannung, 
und daß damit nur langgestreckte Kurven, Ellipsen oder linsenartige Formen 
übereinstimmen, nicht aber wirkliche Kreise. 
Selbst die Uhr, deren Zifferblatt man, wohl oder übel, kreisrund lassen 
mußte, ist durch den herumgelegten Kranz in die Form eines Spitzovales 
gebracht worden. 
Anders ist es auch nicht mit den Köpfen der Frauen, auch da ist das 
Oval des Gesichtes noch besonders gehoben durch die Haartracht und 
Haube. Und das Elegante, das der Dame und ihrer Bedienung anhaftet, 
die Anmut, die nicht ganz natürlich ist, aber natürlich sein möchte, sie 
erfüllt den Raum bis ins Kleinste. 
Wir wollen nun noch einen flüchtigen Blick auf den Teppich dieses 
Raumes werfen. Wir sehen das Muster nicht deutlich, aber wir ahnen es; 
es ist ganz naturalistisches Ranken- und Blütenwerk. 
Die Kurven, die wir in der Rokokozeit noch meist in kräftiger Rundung 
und mächtiger Wirkung fanden, zum Beispiel auf Tafel 311a und c, werden 
jetzt allgemein mehr gestreckt, vor allen Dingen aber weiter auseinander 
gerückt und häufig zwischen ganz gerade Linien gesetzt; man vergleiche 
Tafel 334 c und Tafel 331, wo die Abbildung a noch eine Nachwirkung der 
Vorliebe für das Chinesische, Abbildung b aber ein recht ausgesprochenes 
Louis XVI-Muster zeigt. Man beachte hier auch die einfache und feine 
Behandlung des Grundes und vergleiche in dieser Beziehung Tafel 333 b und d. 
Es sei hier auf die Darstellung eines Lyoner Seidenstoffes (Tafel 330 d) 
hingewiesen, der den Typus der versetzten Abteilungen mit Mittelstücken 
in ungemein reicher Ausführung zeigt. Besonders zu beachten ist auch die 
reiche und vielartige Grundmusterung, die aus der Spätbarocke und dem 
Rokoko herstammt, aber mit äußerster Verfeinerung durchgeführt ist. Es 
sind nur Striche und Punkte; die abwechslungsreichen Muster der früheren 
Zeit sind dahin. Häufig findet sich bei klassizistischen Musterungen auch 
einfache Moirierung des Grundes. 
Wir verweisen hier auch auf Tafel 334 b und c, wo bloße Streifen und 
Streifenkreuzungen sich als Grundmuster zeigen. Der späte Rokoko- oder 
frühe Louis XVI-Stoff auf Tafel 309 a kann als Beispiel des Überganges 
dienen. Allmählich werden aber, besonders bei Kleiderstoffen, diese 
Wellenlinien, Streifen, Punkte und kleinen Streublümchen der einzige 
Schmuck. Auch in der Näh- und Klöppelspitze dieser Zeit kann man ja
	        
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