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Goldstickereien, Stoffen in fünf und neun Farben, Stoffen aus „wilder
Seide“, aus Pflanzenfasern (Baumwolle), aus Asbest und den Fäden der
Byssusmuschel erwähnt. 1
Bei der staatlichen und wirtschaftlichen Feindseligkeit, die zwischen
Persien und Byzanz sich herausgebildet hatte, erschien es zweckmäßig, an
den wenigen Orten, die an der griechischen Grenze persischen Kaufleuten
zugänglich waren, den Ankauf der Seide durch byzantinische Zolleinnehmer
besorgen zu lassen; ein Teil der Ware wurde an die kaiserlichen Werkstätten
(Gynäceen) in Konstantinopel geliefert, wo die Sklaven des Hofes daraus
kostbare Gewänder erzeugten, ein anderer gelangte zum Selbstkostenpreise
an selbständige Unternehmer.
Justinian besonders suchte sich der Vermittlung durch die Perser
zu entledigen. Eine Zeit wurden seine Bemühungen durch jene Umwälzungen
im asiatischen Handel gefördert, die, durch das Vordringen eines Türken
stammes hervorgerufen, die Seide, wie es scheint, vorübergehend den Weg
nördlich um das Schwarze Meer nehmen ließen.
Entscheidend, wenn auch nicht unmittelbar, so doch für die Folgezeit,
wurde aber die Einführung der Seidenzucht selbst im Mittelmeergebiete,
ein Ereignis, das gleichfalls noch in Justinians Regierungszeit fällt. Nach den
Berichten von Prokop und Zonaras waren es griechische Mönche, die in
Stäben Eier der Seidenraupe, wahrscheinlich aus dem Lande Khotan, mit
gebracht hatten.
Trotzdem Justin II., der Nachfolger Justinians, 568 einer türkischen
Gesandtschaft alle Stadien der Seidenerzeugung vorführen konnte, müssen
wir aber wohl annehmen, daß es noch Jahrzehnte brauchte, bis die
Mittelmeererzeugung mit der chinesischen Einfuhr in ernsthaften Wett
bewerb treten konnte.
Die Ungeduld Justinians, der sich wohl in der besten Absicht
bemühte, die Seidenweberei in Byzanz zu monopolisieren, schadete
zunächst nur, da zahlreiche Weber des Reiches es vorzogen, nach Persien
zu wandern, wo ihnen das aus China kommende Rohmaterial anstandslos
zur Verfügung stand.
Andere griechische (oder vielmehr syrische und mesopotamische)
Weber waren auch schon gewaltsam von Schapur II. (um die Mitte des
i Über den Byssus, siehe Hirth, a. a. O., Seite 13 und 14. Die „Kölschen Gewänder“,
die schon Plinius erwähnt, sind nach Hirth aus dichteren, chinesischen Seidenstoffen her
gestellte, gazeartige Gewebe, die anscheinend aus dem Mittelmeergebiete auch wieder nach
China zurückgelangten. — Die Farben der syrischen Stoffe nach chinesischen Quellen,
siehe bei F. Hirth „China an the Roman Orient“ (Leipzig 1885), Seite 255.