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Full text: Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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Goldstickereien, Stoffen in fünf und neun Farben, Stoffen aus „wilder 
Seide“, aus Pflanzenfasern (Baumwolle), aus Asbest und den Fäden der 
Byssusmuschel erwähnt. 1 
Bei der staatlichen und wirtschaftlichen Feindseligkeit, die zwischen 
Persien und Byzanz sich herausgebildet hatte, erschien es zweckmäßig, an 
den wenigen Orten, die an der griechischen Grenze persischen Kaufleuten 
zugänglich waren, den Ankauf der Seide durch byzantinische Zolleinnehmer 
besorgen zu lassen; ein Teil der Ware wurde an die kaiserlichen Werkstätten 
(Gynäceen) in Konstantinopel geliefert, wo die Sklaven des Hofes daraus 
kostbare Gewänder erzeugten, ein anderer gelangte zum Selbstkostenpreise 
an selbständige Unternehmer. 
Justinian besonders suchte sich der Vermittlung durch die Perser 
zu entledigen. Eine Zeit wurden seine Bemühungen durch jene Umwälzungen 
im asiatischen Handel gefördert, die, durch das Vordringen eines Türken 
stammes hervorgerufen, die Seide, wie es scheint, vorübergehend den Weg 
nördlich um das Schwarze Meer nehmen ließen. 
Entscheidend, wenn auch nicht unmittelbar, so doch für die Folgezeit, 
wurde aber die Einführung der Seidenzucht selbst im Mittelmeergebiete, 
ein Ereignis, das gleichfalls noch in Justinians Regierungszeit fällt. Nach den 
Berichten von Prokop und Zonaras waren es griechische Mönche, die in 
Stäben Eier der Seidenraupe, wahrscheinlich aus dem Lande Khotan, mit 
gebracht hatten. 
Trotzdem Justin II., der Nachfolger Justinians, 568 einer türkischen 
Gesandtschaft alle Stadien der Seidenerzeugung vorführen konnte, müssen 
wir aber wohl annehmen, daß es noch Jahrzehnte brauchte, bis die 
Mittelmeererzeugung mit der chinesischen Einfuhr in ernsthaften Wett 
bewerb treten konnte. 
Die Ungeduld Justinians, der sich wohl in der besten Absicht 
bemühte, die Seidenweberei in Byzanz zu monopolisieren, schadete 
zunächst nur, da zahlreiche Weber des Reiches es vorzogen, nach Persien 
zu wandern, wo ihnen das aus China kommende Rohmaterial anstandslos 
zur Verfügung stand. 
Andere griechische (oder vielmehr syrische und mesopotamische) 
Weber waren auch schon gewaltsam von Schapur II. (um die Mitte des 
i Über den Byssus, siehe Hirth, a. a. O., Seite 13 und 14. Die „Kölschen Gewänder“, 
die schon Plinius erwähnt, sind nach Hirth aus dichteren, chinesischen Seidenstoffen her 
gestellte, gazeartige Gewebe, die anscheinend aus dem Mittelmeergebiete auch wieder nach 
China zurückgelangten. — Die Farben der syrischen Stoffe nach chinesischen Quellen, 
siehe bei F. Hirth „China an the Roman Orient“ (Leipzig 1885), Seite 255.
	        
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