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Full text: Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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Wir sind nun auch in der glücklichen Lage, einige solche Stoffe zu 
besitzen, die sich mit Beschreibungen des Papstbuches wohl vereinen 
lassen und, auch nach den sonstigen Merkmalen, dieser Zeit anzugehören 
scheinen. 
Im „Liber pontificalis“ finden wir im Leben Gregors IV. (f 844) die 
Erwähnung: 
„ Velum oloverum Habens histo- „Ein ganzseidener Vorhang mit 
riam imperatoris.“ der Darstellung des Kaisers 
Wir dürfen dabei wohl an Stücke, wie die bereits früher erwähnten, 
auf Tafel 45 und 46 a, denken. 1 
Im Leben des Papstes Gregor IV. heißt es auch: 
„fecit vestem de tyrio habentem „Er ließ einen Altarbehang aus 
histo riam Danielis.“ j ty rischem Stoffe mit der Darstellung 
Daniels anfertigen.“ 
Man vergleiche Tafel 46 b und 47; das Stück auf Tafel 47 stammt 
aus dem Grabe der heil. Walpurgis, das wahrscheinlich seit dem 9. Jahr 
hunderte nie geöffnet wurde. Man beachte auch besonders das Ornament, 
das die Herkunft aus der Antike noch deutlich zeigt, zugleich aber auf 
die weitere Entwicklung hinweist (Tafel 44 b). 
Von den übrigen religiösen Gegenständen, die im Papstbuche als 
Stoffschmuck erwähnt werden, seien folgende hervorgehoben: die Geburt 
Mariä, die Verkündigung, Christi Geburt, der Tod der unschuldigen 
Kinder, Christi Taufe, die Brotvermehrung, der Einzug in Jerusalem, das 
Abendmahl, die Kreuzigung, die Auferstehung, die Himmelfahrt Mariä, 
zahlreiche Szenen aus der Apostelgeschichte, die Martyrien und Glorien 
der Heiligen. 
Auch Stoffe dieser Art sind uns erhalten. 
Sehr wichtig ist das auf Tafel 48 b abgebildete Stück, das in Sens als 
Reliquienhülle gefunden wurde und jetzt im Schatze der Kathedrale daselbst 
verwahrt wird. E. Chartraire hat es in der „Revue de l’art chretien“ 1897 
(Spalte 227 ff.) eingehend behandelt. 
Das Gewebe besteht aus einfarbigem Leinen; der Grund ist glatt, das 
Muster ist aus lose gelegtem und welligem Faden gearbeitet und springt 
daher ziemlich weit aus dem Grunde hervor. 
In den Hauptrunden, die etwas unregelmäßig (48 cm breit und 38 cm 
hoch) sind, ist offenbar die Himmelfahrt Mariä dargestellt, nach Chartraire 
die älteste erhaltene Darstellung dieses Gegenstandes. 
1 Bei den bereits hervorgehobenen Steinböcken des Stoffes auf Tafel 45 hat man 
jedenfalls vorderasiatische (persische) Einflüsse anzunehmen; doch sind sie natürlich nicht 
erst bei diesem Stücke hervorgetreten.
	        
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