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daß man selbst dem Heidentume wieder bedenklich nahe gekommen war.
Der Kampf gegen die Bilderverehrung, der mit dem 8. Jahrhunderte anhebt,
war für Griechenland eine Art Reformation der abstrakten Gottesidee. Man
konnte durch sie hoffen, den Islam mit seinen eigenen Waffen zu schlagen.
Dazu kamen in Konstantinopel selbst allerdings noch Motive rein ört
lichen Ursprunges.
Ähnlich wie die muhammedanischen Moscheen wurden auch die
christlichen Kirchen des Ostens eine Zeitlang nur mit Mosaikdarstellungen
von Pflanzen und Tieren geschmückt.
Jedenfalls wurden jetzt auch bei den Textilarbeiten die religiös-figür
lichen Darstellungen vermieden; die geometrischen und die, überdies
strengstilisierten, Pflanzen- oder Tierornamente konnten dagegen keinen
Anstoß erregen. Auch wurden von der byzantinischen Auffassung, die sich
ja nur im Religiösen, nicht als allgemeine Geistesrichtung, geltend machte,
sicher nicht die weltlichen Figurendarstellungen getroffen. Ebenso ist es
sehr wahrscheinlich, daß die wechselnden, einander oft widersprechenden
Gebote der Kaiser die Darstellung religiöser Stoffe, selbst in den kaiserlichen
Werkstätten, nicht unbedingt zu unterdrücken vermochten.
Wir dürfen anderseits aber auch annehmen, daß in dieser Zeit der
Beschränkung die Abstraktion der Formen sich rascher entwickelte, und
daß die, in dieser Hinsicht bereits weiter vorgeschrittenen, Formen
der muhammedanischen Welt nun bereitwilliger aufgenommen wurden.
Niemals standen der Muhammedanismus und die griechische Welt einander
so nahe, als zur Zeit dieses äußeren Kampfes.
Überhaupt läuft das Griechentum Gefahr, von den aufgeregten Fluten
des Orientes verschlungen zu werden. Besonders stark ist der Einfluß der
christlichen Armenier, die ja heute noch fast ein Drittel der Bevölkerung
Konstantinopels ausmachen. Die griechischen Kaiser stammen der Reihe
nach, väterlicher- oder mütterlicherseits, aus fast allen orientalischen und
slavischen Völkerschaften des Reiches und seiner Umgebung. Arabische
Worte dringen in das Griechische ein; das Kalifenschloß zu Bagdad dient
dem Kaiser Theophilos als Muster zu seinem Sommerpalaste. Ja man hat
darauf hingewiesen, daß byzantinische Geographen von China beinahe
Genaueres zu berichten wissen als von Westeuropa: so stark war der
Schwerpunkt des Interesses nach dem Osten verschoben.
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Im Westen des Mittelmeergebietes drangen dagegen die Bilder
feinde nie durch, und so wurde der Bilderstreit auch die äußerliche Ursache
zur Trennung der östlichen und westlichen Kulturwelt. In Wirklichkeit