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den übrigen Stoff; im Inneren der Runde sehen wir prachtvolle, in zwei
Formen wechselnde Rosetten. Für diese Art Bandverschlingungen mit ein
gesetzten Rosetten finden wir verwandte Beispiele, zum Beispiel aut
byzantinischen Marmorplatten des Klosters Vatopedi auf dem Berge Athos,
die wahrscheinlich dem 11. Jahrhunderte entstammen.'
Palmetten, die aus den mehr oder weniger geschlossenen Runden
nach innen wachsen, haben wir bereits unter den ägyptischen Funden
kennen gelernt (Tafel 16); in dieser Zeit finden sie sich aber doch schon
häufiger und folgerichtiger durchgebildet; so in einer Psalmenhandschritt
des 10. Jahrhundertes- (Nr.21 der Pariser National-Bibliothek), oder einer
byzantinischen Schmelztafel, vermutlich aus dem 11. Jahrhunderte, die bei
Schlumberger abgebildet ist. 3
Wir sehen auf dem Stoffe Günthers verschiedene Typen nebenein
ander laufen: die ganz freien Rosetten in den Runden, die Herzblätter mit
hart an die Runde stoßenden Stielen und die aus den Runden heraus
wachsenden Palmetten. Anderseits sind wir auch bloß aneinander gescho
bene und ineinander verschlungene Kreise.
Das Streben nach organischer Verbindung der Hauptteilung und der
Füllmotive ist also offenbar noch nicht zum Abschlüsse gekommen, doch
ihm bereits sehr nahe.
® ® ®
Klarer lernen wir den Stand der Flächendekoration, besonders der
Textilkunst, aus einer für den Kaiser Nikephoros Botaniates (1078 — 1081)
ausgeführten Handschrift der Werke des Johannes Chrysostomus in der
Pariser National-Bibliothek kennen."
Betrachten wir zum Beispiele das erste, auf Tafel 60 abgebildete Blatt
des Werkes. Zunächst fällt uns der außerordentliche Gegensatz zwischen
den, zeitgemäß gekleideten, fünf geschichtlichen Gestalten auf, deren
ungleiche Größe allein schon ganz unklassisch ist, und den, halb klassisch
anmutenden, allegorischen Figuren zur Seite des Thrones. Beiläufig sei auf
das vollständige Fehlen architektonischer Profilierungen, auf die eigen
tümlich geschwungene Linie des Thronunterbaues, die einem gedrückten
Kielbogen gleicht, und die ganz unstruktiv wirkende Querstreifung der
Seitenlehnen des Thrones verwiesen. Auch die Lilien, eigentlich stilisierten
' Abbildung bei Schlumberger a. a. O. II., Seite 425 und 436.
a Siehe Bordier, „Description ... de ms. grecs de la bibl. nat.“ (Paris 1833)
Seite 102.
s A. a. O. I., Seite 353.
" Bordier,Seite 128,XXX. —HenriOmont „Fac-Similes desminiatures deplusanciens
manuscrits grecs de la Bibliotheque nationale“ (Paris, 1902), Tafel LXIII ff.