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Full text : Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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bar  schon  lange  in  den  Besitzstand  der  neugriechischen  Kunstsprache  übergegangen. ­
  Besonders  bemerkenswert  ist  das  kühn  geschwungene  Rankenwerk ­
  der  Bäume.  Man  vergleiche  hiemit  den  auf  Tafel  78  b  dargestellten
Stoff,  und  man  wird  den  Eindruck  erhalten,  daß  man  in  ihm  eine  zeitlich
nicht  ferne,  aber  wohl  sarazenische  (sizilische)  Arbeit  vor  sich  hat;  man
braucht  nur  die  Formen  des  Pflanzenwerkes  einander  entgegenzuhalten.  *
Befremdlich  mag  es  zunächst  erscheinen,  daß  hier  zwei  Tierpaare  übereinander ­
  dargestellt  sind;  doch  haben  wir  auch  früher  schon  (Tafel  41  ff.)
bei  Jagddarstellungen  verschiedene  Schichten  von  Gestalten  übereinander
gesehen.  Jetzt  fallen  nur  die  menschlichen  Figuren  der  oberen  Reihe  weg.
Im  13.  Jahrhunderte  werden  solche  Stoffe  mit  verschiedenen  Tieren  in
Kreisen  jedenfalls  schon  angeführt,  und  zwar  in  derselben  handschriftlichen
Quelle,  die  die  „romäischen“  Stoffe  oben  erwähnte.  (Vgl.  Seite  71.)
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Wir  wollen  diese  weitere  Entwicklung  jedoch  erst  später  eingehender
betrachten;  hier  möge  zunächst  das  Bild  der  byzantinischen  Textilkunst
nach  anderer  Seite  hin  ergänzt  werden.
Glücklicherweise  ist  uns  eine  gesicherte  byzantinische  Stickerei
erhalten,  die  zwar  ziemlich  später  Zeit  entstammt,  aber  doch  geeignet  ist,
unsere  Vorstellung  von  byzantinischer  Textilkunst,  wie  wir  sie  aus
Webereien  allein  erhielten,  in  einigen  wesentlichen  Punkten  zu  ergänzen.
Es  ist  dies  die  sogenannte  Dalmatika  Leos  III.,  die  auch  als  Kaiserdalmatika
bezeichnet  wird,  da  sie  lange  als  Krönungsmantel  Karls  des  Großen  galt.
Doch  hat  schon  Bock 2  überzeugend  nachgewiesen,  daß  die  Arbeit  einer
weit  späteren  Zeit  entstammt.
Daß  wir  hier  ein  griechisches  Werk  vor  uns  haben,  wird  nicht  nur
durch  die  griechischen  Inschriften  und  durch  die  Darstellung  der  Abendmahlspendung ­
  in  beiderlei  Gestalt,  sondern  insbesondere  auch  durch  den
Vergleich  mit  nah  verwandten  griechischen  Miniaturen  des  12.  und  13.  Jahrhundertes,
  die  sich  bei  Bock 2  abgebildet  finden,  und  durch  die  ganze  Linienführung ­
  deutlich  gemacht;  auch  über  die  ungefähre  Zeit  —  etwa  das  Ende
des  12.  Jahrhundertes  —  kann  darnach  kaum  ein  Zweifel  bestehen.
In  der  Mitte  der  Vorderseite  ist  als  Hauptszene  in  einem  großen
Kreise  die  Herrlichkeit  Christi  dargestellt:  der  thronende  und  lehrende
Heiland  von  Engeln  und  Heiligen  umgeben  (Tafel  61).  Auf  den  Achsel-1
  Nach  Schlumberger  a.  a.  O.  (1890),  Seite  235,  gehörte  der  Stoff  allerdings  in  das
10.  Jahrhundert.
2  „Kleinodien  des  heiligen  römischen  Reiches“,  Seite  95  ff,  Tafel  18  und  19.
3  A.  a.  O.  Fig.  m  und  n.
            
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