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Volltext: Officieller General-Catalog Welt-Ausstellung 1873 in Wien

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Erasmus von Laiming selbst -- wie aus den Wappen der Aribo-Tumba 
anzunehmen ist, für diese eine Beisteuer lieferten und daß sie dann ebenso 
wie Abt Farcher sich die Dienste des Meisters für ihre eigenen Zwecke 
sicherten. 
Unweit von Seeon liegt das ehemalige Augustinerkloster Baumburg, 
das eine alte Sepultur der Törring war. Dort erbaute Oswald I. von Törring 
zu Stein im Jahre 3383 über der Gruft seiner Väter die heute noch beste- 
hende Korpus-Christi-Kapelle, die zugleich den Kapitelsaal des Klosters 
bildete. Darinnen steht, jetzt an einer Wand befestigt, der Grabstein des 
Erbauers, der aber ursprünglich als Deckplatte eines Hochgrabes oder doch 
als ein das Paviment überragender Gruftstein diente (Abb. 14 und 15). Dafür 
spricht die nach außen fußende Umschrift der Schräge und I-Iunds Bezeich- 
nung „erhebter Stein"."' 
Die Umschrift lautet: „anno dEi m0 cccc" xviijo B Oswaldus dictus 
Törring capitanws ecclesie Salczburgen' fundator huig capelle x vxores 
Dyburg d'tächingin Dorothea pyenczenawärin vrsula laymingarin". Über 
dem letzten Namen steht in kleineren Typen jedenfalls später beigesetzt: 
„ob. a. d. m" cccc" xx viiij". Die Einheitlichkeit der Schrift beweist, daß 
Ursula von Laiming ihrem Gatten und dessen beiden ersten Frauen das 
Grabdenkmal errichtete, und wir erinnern uns dabei, daß die Beziehungen 
der Laiminger zu Hans Heider ziemlich rege waren, so daß es also nahe 
lag, wenn sich Frau Ursula mit ihrem Auftrag an unseren Meister wandte. 
Die Entstehungszeit der Platte fällt also zwischen die Jahre r4x8 und 142g." 
Der Meister faßte seine Aufgabe wieder rein heraldisch auf und löste 
sie mit einer für ihre Zeit hervorragenden Geschicklichkeit und gutem 
Geschmack. Zwei zusammengekauerte Löwen stützen unten den Wappen- 
schild, während zwei wilde Männer mit lang wallendem I-Iaupt- und Bart- 
haar und prächtig herausgearbeiteten Gesichtern die mächtige Helmzier und 
die üppige Helmdecke halten. Die stilistischen Eigentümlichkeiten springen 
auch hier wieder deutlich in die Augen, so die sorgfältig gesträhnten und 
gelockten Haare der Männer und Löwen, die scharfe Artikulierung der 
Glieder an Händen und Pranken, die menschlichen Züge in den Löwen- 
köpfen und die alle Einzelheiten gleich wertende, peinlich genaue und saubere 
Meißelführung, die besonders stark an die Deckplatte des Seeoner Stifter- 
grabes erinnert. Auch dieses Werk war mit jenem eigenartigen Schmuck 
eingesetzter Augen an den Männern sowohl wie bei den Löwen aus- 
gestattet, wie noch deutlich an den Bohrlöchern zu erkennen ist. Aber auch 
hier hat Habgier die leuchtenden Steine aus der Fassung gebrochen und 
dabei, so namentlich an dem linken Wappenhalter, Stücke des Marmors 
weggesprengt. Es darf nicht wundernehmen, daß ein so glänzendes heral- 
disches Werk ungefähr dreißig Jahre später noch als direktes Vorbild für 
" Die Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, I, x736, und Tafel 22g; - Clm. rggg, S. en-Wiguleus 
Hund, Bayerisches Stammenbuch 1598, ll, 313. 
""" Die Dntierung Leonhardxs, a. a. 0. S. m, der den Stein in die letzten Jahre des ersten Jahrzehnts des 
XV. Jahrhunderts setzen will, halte ich mit Rücksicht auf obige Gründe für unzulässig.
	            		
einen andern Törringer Grabstein gedient hat. Diese Kopie, die nur die Stellung der Löwen variierte, im übrigen aber von dem Reiz und der Kraft des Originals nichts übrig ließ, bildete früher die Deckplatte einer Tumba oder Gruft für einen 1453 verstorbenen Gillhalm Törringer in der Kirche in I-Ieiligenstadt bei Altötting. Heute steht sie dort aufrecht an der Nord- wand der Kirche. Schließlich reiht sich den Werken des Seeoner Meisters noch der Grabstein des Thomas Trenbeck in der Vorhalle der Pfarrkirche zu Haslach bei Traun- stein an? (Abb. I6). Auch bei diesem Werk bleibt I-Ieider wieder ganz heraldisch und gibt nach dieser Seite hin sein Bestes. Das Wappen ist mit einem wunderbaren Linienempßnden in den Raum gestellt und zeugt von einer in der Grabplastik jener Zeit kaum wieder erreichten Groß- zügigkeit. Die Hand des Meisters ist unverkennbar. Der Drachen- kopf, ein prächtiges Scheusal mit muskulösen Kinnbacken, der knor- peligen Gurgel und der eleganten Mähne hebt sich scharf vom Grunde ab und ist ganz im Sinne des Metallstils herausgetrieben; auch die krabbenartigen Blätter der Helmkrone tragen diese Art und erscheinen, den Kriechblumen an den Reliquienschreinen gleich, wie aus Blech gewellt, gebuckelt und gebogen. DerSchnitt derI-Ielm- decke kommt ungefähr jenen an _ _ _ _ denschmalseiten derAdboxl-rumba Abb. 13. Grabstein des 13:33:15 von Lairnmg im Kloster gleich. Daß auch diesem prunk- vollsten Wappen Heiders der Schmuck der aus edlerem Material ein- gesetzten Augen - an dem Kleinod und an dem kleinen Löwen H nicht fehlte, darf uns nicht wundern. Noch sind Spuren des Kitts vorhanden und nicht minder der rohen Hände, die die Steine beim Ausbrechen beschädigt haben. Im übrigen ist auch hier deutlich der Ring um die Pupille gezogen. " Die Kunstdenlxmale des Königreichs Bayern, I, 1783, und Tafel 22g.
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