Als Britannien nach der Eroberung durch die Normannen im Jahre 1066 eine fest
gefügte politische Einheit geworden war, war es gegen Einfälle gesichert und konnte
seine Städte ungehindert durch die Notwendigkeit von Verteidigungsmaßnahmen
ausbauen. Die Kerne britischer Städte, wenn auch nach unserer heutigen Meinung
dichtgebaut, sind trotzdem viel weniger eng als die meisten Städte des Kontinents.
Das zeigt sich sehr auffällig an dem unverbauten, weitläufigen englischen “cathedral
close” mit seinen weiten Rasenflächen und seiner offenen Anlage im Gegensatz zu
den Kathedralen des Kontinents, deren große Bauten mitten aus den engverbauten
Straßen und Häusern der Stadt herauswachsen.
In vielen Städten sind die alten Straßenzüge erhalten geblieben und zeigen mit großer
Eindringlichkeit den Ursprung des Ortes, etwa als eines Treffpunktes römischer
Straßen, wie z. B. Chichester, oder als das grofiangelegte und ehrgeizige Unternehmen
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eines großen Königs, wie z. B. Winchelsea, Sussex, das zu Ende des 13. Jahr
hunderts von Edward I. als der größte Hafen seines Königreiches geplant und er
baut wurde. Aber zumeist sehen wir das planlose Gewirr mittelalterlicher Straßen,
die für Fußgänger und Packpferde bestimmt waren und jetzt durch die Flut des
modernen Verkehrs überlastet und von großen, dichtbewohnten Gebäuden eingefaßt
sind.
Wo im 17., 18. und 19. Jahrhundert außerhalb der alten Stadtzentren gebaut
wurde, wie im Westende von London, Edinburgh New Town, Bath und vielen
anderen Orten, waren die Entwürfe von einer Anmut und Gefälligkeit, die kaum
ihresgleichen haben. Der charakteristische Zug sind die Plätze und Straßen, die
sich in großen und kleinen Städten über ganz England verstreut finden. In diesen
einfachen, zweckdienlichen Anlagen findet der britische Bürgerstolz seinen vollkom
mensten Ausdruck. Wir haben wenige großartige Boulevards oder vornehme „Ring
straßen oder grofiangelegte Ausblicke. Der Charakter britischer Städte scheint
mehr durch die Alltagsbedürfnisse des Durchschnittsbürgers als durch großartige
Aufmärsche oder Zurschaustellungen der Größe des Reiches bestimmt.
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