ABTEILUNG IX
Volkswohnungen in England
Eine Reihe von Photographien über die Zeit von 1265 bis 1945
Dieser Teil der Ausstellung soll eine Bilderübersicht über die ersten Anfänge
des Volkswohnungsbaues in England bis zur Jetztzeit geben. Volkswohnungsbau
bedeutet die Schaffung von Wohnmöglichkeiten für Menschen, die ohne fremde
Hufe keine entsprechenden Unterkünfte hätten. Es ist eine langjährige Tradition
der vom Schicksal Begünstigteren, die Wohnverhältnisse der weniger Begünstigten
zu verbessern.
Einige der ältesten Formen der Volkswohnungsbeschaffung sind die alten
Armenhäuser und Spitäler, die aus privater Initiative oder von wohltätigen oder
religiösen Körperschaften erbaut wurden. Hunderte solcher Beispiele, zurückreichend
bis ins Mittelalter, finden sich über ganz England verstreut. Die einzige
andere Form der Volkswohnungsbeschaffung, die es bis zur Mitte des vorigen
Jahrhunderts gab, waren die Häuser, welche die Gutsbesitzer auf ihren Gütern
rür ihre Angestellten und deren Familien und für die in der örtlichen Industrie
Beschäftigten erbauten.
Von ungefähr 1840 an wurden Gesellschaften zur Verbesserung der Lebensverhältnisse
der Arbeiterschaft gegründet und gleichzeitig begannen verschiedene
größere Städte, Projekte zur Beseitigung der Elendsviertel auszuarbeiten. In den
meisten Städten war der Bau von Mietkasernen damals das Übliche, und obwohl
die meisten frühen Projekte weit hinter unseren gegenwärtigen Maßstäben zurückbheben,
sind sie insofern interessant, als sie uns die damals in Großbritannien
herrschenden Wohnbegriffe zeigen. Der Prinzgemahl ging tonangebend
voran, als er 1851 in der großen Ausstellung im Hyde Park zwei Häuser mit
vier Arbeiterwohnungen für die Vorstadt oder das Land zeigte. Die Folge davon
war die Durchführung eines der ersten Projekte zur Abschaffung der Elendsviertel
im Osten Londons und der Bau einer ganzen Straße nach dem Ausstellungsentwurf
durch einen privaten Gönner. Ähnliche Häuser entstanden in
Windsor an der Themse und in anderen Bezirken.
In vielen Städten wurden Treuhändergesellschaften zur Verwaltung der Geldbeträge
gegründet, die zur Verbesserung der Wohnungslage gespendet wurden
und auch heute noch bestehen. Zu diesen Spendern gehören unter anderen die
Kirche, die Krone sowie die Verwalter der großen an den Staat gefallenen
Ländereien, wie beispielsweise des Herzogtums Cornwall. Einige der großen
Handelsunternehmungen haben in letzter Zeit an der Lösung der Wohnbaufrage
mitgearbeitet, indem sie Wohnungen auf gemeinnütziger Grundlage erbauten.
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