In diesem Sinn mögen die nachfolgenden Bilder
aus der Ausstellung „Soziale Wohnkultur“ betrachtet
werden.
Wer seine Wohnung in der althergebrachten
Weise eingerichtet hat, wird sich nicht so leicht
zu ihrer künstlerischen, sozialen und menschlichen
Art, die Dinge und Wohnprobleme zu sehen, be
kennen können. Er möge diese Bestrebungen aber
deshalb achten, weil ihre Veranstalter mit großem
Ernst und Verantwortungsgefühl damitdie schwierige
und dringende Aufgabe zu lösen begonnen haben,
weiten Kreisen der Bevölkerung die Anschaffung
nicht nur eines formschönen und kulturell wert
vollen, sondern auch eines preiswerten Hausrates
möglich zu machen. Preiswert heißt allerdings nicht
immer so billig wie die minderwertigen Dinge,
mit denen manche sich ihre Wohnung vollstellen.
Diejenigen aber, die ein neues Heim gründen
und sich neu einrichten, mögen bedenken, daß sie
dies für ein langes Leben tun. Je edler in der Form,
je werk- und materialgerechter und zweckvoller
der Hausrat ist, den sie sich anschaffen, je freier
er von zeit- oder stilbedingtem Ornament und
sonstigem Zierat ist, desto sicherer wird er vor
den kommenden Zeiten bestehen können. Auch
für sie gilt das gleiche wie das oben über die
Einrichtung der Räume und die Möbel Gesagte.
Je klarer, einfacher und überschaubarer diese Welt
wird, die jetzt in Verwirrung und Widerstreit ist,
eine um so bessere, schönere und glücklichere Heim
stätte wird sie für die Menschen sein. Die Formen
der Dinge, mit denen wir uns umgeben, sind nur
der äußere Ausdruck für unser inneres Verhalten
zu ihnen, zu den Menschen und zur Welt.
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Wien, im Dezember 1952
FRANZ SCHUSTER