Section III. Andere Zweige des Hüttenwesens. Silber u. Blei. 89
2. Silber und Blei.
Die gleichzeitige Gewinnung von Silber und Blei, wie sie bei der
bei Weitem grössten Mehrzahl der Silber producirenden . Aussteller
stattfindet, mag es gerechtfertigt erscheinen lassen, wenn beide Metalle
hier zusammengefasst werden.
Die Production an Silber hat in den letzten Jahren eine stetige
Zunahme erfahren und zwar sowohl durch die Entdeckung und Aus
beutung bedeutender Lagerstätten reicher Erze in den Vereinigten
Staaten von Nordamerika, als auch durch die gesteigerte Gewinnung
und Ausfuhr mexikanischer und peruanischer Erze nach Europa, zu
welcher nicht unwesentlich die Coalition der Oberharzer, Mausfelder
und Freiberger Hüttenwerke behuf Einkaufs solcher Erze beigetragen
hat. Nur allein bei den Oberharzer und Freiberger Hütten ist der
Einkauf und die Verarbeitung derartiger fremder Erze im Jahre 1872
bis auf circa 60 000 Centner mit einem Werthe von 1880 000 Thlr.
gestiegen und wird voraussichtlich im Jahre 1873 noch weit beträcht
licher werden. Auch die Friedrichshütte bei Tarnowitz, sowie rheini
sche und westfälische Hüttenwerke haben sich in neuerer Zeit hieran
betheiligt. Inwieweit auf die Silberproduction der Rückgang des Silber
preises (bereits l 1 /* Thlr. pr. Pfd.) von nachtheiligem Einfluss sein
wird, lässt sich für den Augenblick noch nicht übersehen, so viel dürfte
aber feststehen, dass ein nicht geringer Theil der deutschen Silbergruben,
deren Betriebskosten in den letzten Jahren wesentlich in Folge Er
höhung der Löhne und Preise der Betriebsmaterialien gestiegen sind,
durch jene Entwerthung des Silbers bereits nicht unerheblich benach
teiligt wird.
Proben dieser mexikanischen Erze, welche in der Hauptsache reine
Silbererze mit Gangarten, weniger Blei- und Kupfererze, sind, waren
seitens des königl. preuss. Oberbergamts zu Clausthal ausgestellt.
Wie bereits oben bemerkt, hat die Entsilberung des Werkbleies
durch Zink mehr und mehr den Pattinsonprocess verdrängt.
Neuere Verfahrungsarten der Silbergewinnung auf nassem Wege
waren in der Ausstellung leider nicht vertreten und es ist hier nur
noch einer eigentümlichen Scheklungsmethode des Silbers vom Kupfer
im Grossen zu gedenken, von welcher Proben der dabei erhaltenen
Producte durch das königl. ungarische Münzamt zu Kremnitz ausgestellt
waren. Es sind daselbst im Jahre 1872 durch den Münzwardein
C imeg aus 140 000 Pfd. Silberscheidemünzen mit circa 43 Proc. Silber,
durch'wiederholtes Zusammenschmelzen der resultirenden Legirungcn
mit Schwefel in Tiegeln, 77'22Proc. von dem in den Münzen enthalten