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Full text: Amtlicher Bericht über die Wiener Weltausstellung im Jahre 1873 - Erstes Heft

Section III. Andere Zweige des Hüttenwesens. Silber u. Blei. 91 
Zeichnungen veranschaulicht; der räumliche Inhalt dieser Anlagen um- 
'fasst (ohne die sechs Schwefelsäurefabriken) 16 582 cbm und ihre Er 
bauung hat nicht nur eine sehr wesentliche Verminderung der Entschä 
digungen für die Forst- und Landwirthschaft herbeigeführt, sondern 
gestattet auch die Wiedergewinnung grosser Mengen von werthvollem 
Flugstaub. 
Yon nicht geringerem Interesse war die Ausstellung der hierher 
gehörigen Werke des niederrheinisch-westfälischen Industriegebietes 
die mit umfassenden Zusammenstellungen der Producte ihrer vorzüg 
lichen Aufbereitung verbunden waren. 
Yon diesen Hutter, welche sämmtlich ein Handelsblei von vorzüg 
licher Qualität liefern, ist zunächst die Gesellschaft des Ems er Blei- 
und Silberwerks zu nennen, bei welcher 12förmige Raschetteöfen 
zuerst Anwendung gefunden haben und wo in den letzten Jahren eben 
falls die Zinkentsilberung mit Wasserdampfraffination eingeführt worden 
ist; desgleichen der Mechernicher Bergwerk s- Act ienverein mit sei 
nen armen Erzen und grossartigen Aufbereitungsanstalten; auch hier ist 
Zinkentsilberung mit Wasserdampfraffination eingeführt, sowie auf den 
bei Stolberg gelegenen Hütten der Stolberger und der Rheinisch- 
Nassauischen Gesellschaft. Die Stolberger Actiengesellschaft hat 
die bedeutende Production von über 200 000 Centner jährlich und das 
Silber wird auf ihren Hütten theils durch mechanische Pattinsonirung, 
theils durch Zink aus dem Blei geschieden. Auf der Bleihütte von 
Herbst & Co. zu Call in der Eifel wurde 1867 die Raffination des 
Bleies durch Zusatz von chlorhaltigen Salzen eingeführt. 
Blei von ebenfalls ausgezeichneter Beschaffenheit, welches nament 
lich zur Fabrikation von Mennige, Bleiweiss und Krystallglas Verwen 
dung findet, war von der anonymen Gesellschaft Bleiberg (Montzen) 
in der Provinz Lüttich ausgestellt; die Menge der fremden Bestandtheile 
in diesem Blei schwankt zwischen 0'004 bis 0'006 Proc. und vertheilt 
sich auf Antimon, Kupfer, Eisen und Zink. 
Yon den Silber und Blei producirenden österreichischen Hüt 
ten ist zunächst der reichhaltigen Ausstellung von xlufbereitungs- und 
Hüttenproducten aus Przibram zu gedenken. Die Verhüttung der 
dortigen verhältnissmässig silberreichen Bleierze erfolgt bereits eben 
falls zum Theil in siebenförmigen Hochöfen, die Coneentration des 
Silbers im Werkblei durch Pattinsoniren. Für das Abtreiben desselben 
ist von Czermak ein Treibeherd entworfen und ausgeführt worden, 
dessen Einrichtung durch ein ausgestelltes Modell erläutert war. Der 
Ofen hat drei Düsen und an jeder der beiden kürzeren Seiten zwei 
Feuerungen mit Unterwind, bei denen sowohl Steinkohlen als auch 
Holz verwendet werden können. Der Herd fasst einen Einsatz von 
500 Zollctr. Werkblei und hat eine effective Fläche von 12 qm. Die 
abziehenden Dämpfe münden in einen Canal, welcher auch die Wind-
	        
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