Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Amtlicher Bericht über die Wiener Weltausstellung im Jahre 1873 - Erstes Heft

58

Gruppe  I.  Section  II.  Eisenhüttenwesen.
Der  Röhrenapparat  der  Ge  org-M  arien-Hütte  ist  dadurch
besonders  zu  empfehlen,  dass  die  einzelnen  Rohre  nicht  durch  Flanschen
mit  einander  verbunden  sind,  sondern  jedes  für  sich  mittelst  Muffenverbindung ­
  an  einem  über  das  Mauerwerk  gelegten  Kasten  hängt;
unterhalb  der  Muffe  ist  der  Apparat  mit  gusseisernen  Platten  abgedeckt,
welche  lose  auf  den  an  die  Rohre  angegossenen  Muffen  liegen,  der  Kasten ­
  selbst  ist  mit  Blechplatten  abgedeckt.  Auf  solche  Weise  liegen  die
Muffenverbindungen  ausserhalb  des  Feuerraums,  der  Kasten  wird  nicht
beschädigt  und  gleichzeitig  wird  durch  die  zwischen  den  beiden  Abdeckungen ­
  liegende  Luftschicht  die  Wärmeausstrahlung  vermindert;
das  Auswechseln  eines  etwa  gesprungenen  Rohres  kann  leicht  geschehen, ­
  indem  nur  die  Muffe  gelöst  zu  werden  braucht.
Der  Apparat  von  Whitwell  ist  durch  Zeichnungen  und  sehr
sauber  ausgeführte  Modelle  anschaulich  gemacht.  Derselbe  basirt  auf
die  frühere  im  Jahre  1860  gemachte  Angabe  von  W.  A.  Cowper,
dessen  Apparat  sich  aber  wegen  vieler  Unvollkommenheiten  und  namentlich ­
  wegen  der  schwierigen  Reinigung  wenig  Eingang  verschaffte.
Whitwell  suchte  die  Mängel  zu  beseitigen,  indem  er  die  engen  Zwischenräume ­
  des  Cowper’schen  Apparats  durch  geräumige  Flugstaubkammern
mit  Zwischenwänden,  welche-  durch  oben  und  unten  in  diese  angebrachten ­
  Oeffnungen  mit  einander  communiciren,  ersetzte  und  den  Apparat
zur  Feuerung  mit  Hochofengasen  einrichtete,  wodurch  die  Uebelstände
der  Kohlenheizung  fortfielen.  Die  Ventile  in  den  Gaszuführungscanälen ­
  und  in  den  Leitungen  für  den  heissen  Wind  werden  durch  Wasser
gekühlt  und  so  dicht  erhalten.  Zum  Betriebe  eines  grossem  Hochofens ­
  sind  vier  einzelne  Apparate  erforderlich,  von  denen  abwechselnd
zwei  gleichzeitig  im  Betriebe  sind;  jedes  Paar  reicht  hin,  um  100  Cubikmeter
  Luft  in  der  Minute  unter  sonst  normalen  Verhältnissen  auf  760°  C.
zu  erhitzen,  während  mit  Apparaten  aus  gusseisernen  Röhren,  ohne  die
Dauer  derselben  zu  beschränken,  höchstens  500°  C.  erreicht  werden.
Obwohl  der  Apparat  sehr  theuer  ist,  soll  er  sieh  doch  durch  regelmässigen ­
  Gang  des  Hochofens,  Brennmaterialersparniss  und  erhöhete  Production ­
  bald  bezahlt  machen.  Bei  Hochöfen,  deren  Gase  viel  Gichtund
  Zinkstaub  mit  sich  führen,  also  bei  der  Verhüttung  von  mulmigen
und  zinkischen  Erzen,  dürfte  es  nicht  genügen,  wie'  in  dem  Modell  von
Whitwell,  die  Gase  direct  von  dem  Hochofen  nach  dem  Apparat  zu
führen  und  nur  einen  Staubsack  einzufügen,  sondern  man  wird  die
Gase  auf  Umwegen  und  mit  Einschaltung  mehrerer  Staubsammler,  auch
Wasserkästen  einleiten  müssen,  damit  sie  möglichst  rein  in  die  Apparate ­
  gelangen,  denn  eine  beträchtliche  Ansammlung  von  Staub  in  denselben ­
  würde  dahin  führen,  dass  dieser  einerseits  den  Apparat  bald
verstopfte,  andererseits  mit  in  die  Hochofen  gerissen  und  dort  erhebliche
Abkühlung  des  Ofens  herbeiführen  würde.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.