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Full text: Amtlicher Bericht über die Wiener Weltausstellung im Jahre 1873 - Erstes Heft

Roheisendarstellung. 59 
4. Roheisenproducte. 
Die Ausstellung ist reich an den verschiedensten Producten der 
Hochöfen, welche durch blossgelegte Bruehproben die Beschaffenheit des 
verschieden erblasenen Roheisens darthun. Aus Nordamerika liegen 
nur wenige Proben vor, welche ein Urtheil über die Entwickelung der 
Roheisenproduction nicht zulassen. Auch von England ist nur Weni 
ges sichtbar, doch finden sich einige Bruchproben des bewährten, tief 
grauen grobkörnigen Hämatitroheisens von Workington, welches bei 
einer Temperatur des Windes von 750° C. erblasen wird, ein Beweis, 
dass die immer noch nicht weggebannte Ansicht einiger Hüttenmän 
ner von dem schädlichen Einfluss hoher Windtemperaturen auf die Qua- 
tität des Products als Vorurtheil zu bezeichnen ist. Sehr würdig ist 
Schweden mit seinen Roheisenproben vertreten. Die Roheisenpro 
duction ist daselbst von 3702 980 Centner im Jahre 1860 auf 5978360 
Centner im Jahre 1870 gestiegen, und wenn auch noch nicht die neue 
sten Vervollkommnungen des Hochofenprocesses dort eingebürgert sind, 
so macht man doch sehr bedeutende Fortschritte und geht, wie schon in 
der Einleitung bemerkt, dazu über, grosse Oefen mit den vervollkomm- 
neten Einrichtungen und Koksbetrieb zu bauen. Von den Proben sind zu 
erwähnen: weisses Roheisen mit kleinen, graupengrossan, grauen Flecken, 
welches zu dem im District von Dannemora stattfindenden Wallonenfri 
schen verwendet wird, halbirtes gewöhnliches Roheisen zum Herdfri 
schen, halbirtes Bessemerroheisen, aus welchem die vorzüglichen bekann 
ten und ausgestellten Gewehrläufe von Fagersta hergestellt werden, 
während das Roheisen zum Bessemerfrischen im Uebrigen grau erbla 
sen wird; ferner sind zu erwähnen das gewöhnliche Giessereiroheisen 
und solches mit tief grauem, fast schwarzem Bruch von Finspong und 
Ankarsrum, welches bei Holzkohlen und kaltem Winde erblasen und 
zu Kanonen und Projectilen verwendet wird, Roheisen zur Herstellung 
schmiedbaren Gusses von Kihlafors, manganhaltiges vortreffliches Spie 
geleisen von Srhishyttan mit 19 bis 20 Proc. Mangangehalt, ebenso 
von Fimbo, welche beide Werke die Erze von Svartberge verhütten. 
Aus den deutschen Collectiv- und Einzelausstellungen dürften 
unter anderen zu erwähnen sein die verschiedenen Proben vonPuddel- 
roheisen (auchSpiegeleisen),Bessemerroheisen, Giessereiroheisen der ver 
einigten Königshütte und Laurahütte-Actiengesellschaft, von 
dem zur Drahtfabrikation benutzten Feinkorneisen der fiscalischen Eisen- 
giesserei zu Gleiwitz, des grossblätterigen Spiegeleisens und des 
feinkörnigen an den Rändern weissstrahligen Stahlroheisens von Bor- 
sigwerk, des grauen Bessemerroheisens von Vorwärtshütte bei 
Waldenburg, des Weiss- und Spiegeleisens von Ilsede bei Peine in 
Hannover, welches trotz seines Phosphorgehalts durch Zusatz von 1 Proc. 
Flussspath ein vollständig brauchbares Stabeisen liefert, des vorzüg 
lichen Bessemerroheisens der Georg-Marien-Hütte bei Osnabrück,
	        
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