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Volks- und Bürgerschulen: VI. Unterricht in der Geographie.
energisch betheiligte, obwohl das Ministerium für Cultus und Unterricht mit
den Scheda’schen Wandkarten im Jahre 1852 die Initiative ergriffen hatte.
C. Gerold debutirte zuerst mit einem kleinen Atlas (1854), den Prof. Simony
einhegleitete. Hofrath M. A. von Becker (damals Schulrath) mit einer Hand
karte von Mederösterreich und später (1858) mit einer Wandkarte des Kaiser
staates.
Erst im Jahre 1861 begannen die grösseren kartographischen Unter
nehmungen von E. Holzel mit dem Kozenn’schen Atlas, im Jahre 1867 die
Puhlicationen aus dem Verlage von A. Artaria & Comp.; in demselben Jahre
erschienen die ersten Hefte der vom Ministerium herausgegebenen Streffleur’-
schen Schichtenkarten der Kronländor, und von da ab mehren sich die Ver
öffentlichungen von Wandkarten, Schulatlanten, plastischen, physikalischen,
geologischen, ethnographischen etc. Karten, so dass in der Gegenwart viele
Bedürfnisse durch inländische, gut verwendbare Erzeugnisse gedeckt erscheinen
und man die Hoffnung hegen kann, dass auch die noch vorhandenen Lücken
mit der Zeit werden ausgefüllt werden. Auch in der Eabrication von Globen,
Tellurien, Armillarsphären sind seit 1850 Portschritte zir bezeichnen.
Leibenfrost, der Astronom Böhm, Er. Schöninger in Wien, zuletzt
Eelkel in Prag betheiligten sich in diesem Zweige nicht ohne Auszeichnung,
und auch in andern Richtungen des wissenschaftlichen Kunstfleisses hat Oester
reich Producte aufzuweisen, mit denen es fast ohne Concurrenz dasteht, z. B.
Prof. Simony’s Physiognomischer Atlas der Alpenwelt, Keil’s Alpenreliefs,
Prof. Unger’s Landschafts - Ideale aus den geologischen Hauptperioden (1850)
u. a. Selbst in die letzten Kategorien des Lehrstandes ist durch die Lehrer-
Bildungsanstalten das Verständniss für den Werth der geographischen Wissen
schaft gedrungen, und allgemach beginnt in Eolge davon die Heimatkunde
sich zu entwickeln, und hoffentlich werden den häufig auftauchenden Heimatkunden
mit der Zeit auch die nöthigen graphischen Illustrationen folgen.
Eine strenge Scheidung der Lehrmittel in solche für die Volksschule
und solche für die Mittel- und Special-Schulen ist nicht durchführbar, weil die
elementaren Karten der Atlanten nicht immer in separaten Ausgaben zusammen
gestellt erscheinen, und weil die Mittelschule noch genöthigt ist, die Anfangs
gründe der Geographie zu wiederholen, und weil gar manche, für höhere
Classen und gereifte Schüler bestimmte Darstellungen, namentlich bildliche als
anregende Schaustücke sich auch beim Elementar-Unterrichte verwenden
lassen.
So weit es aber thunlich ist, werden in der folgenden, möglichst objectiv
gehaltenen Aufzählung die für Anfänger bestimmten oder tauglichen Lehrmittel
von jenen mehr für die vorgerückteren Schüler der Mittelschulen sich eignen
den gesondert erscheinen, und wird in Collisionsfällen zur Vermeidung von
Wiederholungen auf Vorausgegangenes sich bezogen werden.