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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

A. Naturgeschichte und Landwirtschaft. 
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auf, und wollen beobachtet sein. Sie umgeben uns, beschäftigen, nützen und ergötzen uns. 
Sie können verarbeitet, verbessert, veredelt werden. Sie können verkannt, gemissbrauchet, 
schädlich gemacht werden, auch ihrer Natur nach schaden. Wer soll sich demnach nicht 
bestreben, sie recht kennen zu lernen? 
Sie führen auch am sichersten zur Kenntniss Gottes, des Schöpfers aller Dinge, und 
ermuntern zum Lobe und Danke gegen ihn. Sie sind für jeden Menschen anziehend; wenig 
stens sollen alle Menschen Gefühl dafür bekommen, damit sie nicht so gedanken- und 
gefühllos in Gottes schöner und reicher Schöpfung wandeln, oder arbeiten. Wie so 
Manchem ist die Natur so fremd, als hätten sie kein Auge und kein Ohr. 
Euch Lehrer und Lehrerinnen kommt es zu, die euch anvertraute Jugend mit nütz 
lichen Kenntnissen zu bereichern, wenigstens ihr Auge zu gewöhnen, auf Alles, was sie 
umgibt, zu achten, und derselben Herz dafür einzunehmen, damit sie ein weites Feld der 
reinsten Freude habe, und den Yater preise, der im Himmel ist. 
Euch Lehrern kommt es zu, den Schülern der IV. Classe an Normal-Hauptschulen, 
vorzüglich jene Naturgegenstände bekannt zu machen, üie in ihrem Vaterlande sich befinden; 
die in anderen Ländern gefunden werden; die Gegenstände der gewöhnlichen Feldarbeiten, 
der Gewerbe, der Künste und Fabriken, des Handels, der Nahrung, Gesundheit und des 
Vergnügens sind. 
Zu dem Ende nehmet für die Schüler aus dem weiten Gebiete der Natur dasjenige 
heraus, was ihnen in einem Jahre, nach ihrer Fassungskraft, nach ihrem Bedürfnisse bei 
gebracht werden kann. Nehmt aus dem Mineralreiche keine zu fremden Steinarten; sondern 
lehret sie vorzüglich die vaterländischen kennen; zeiget ihren Nutzen, ihren Gebrauch 
u. s. w. Lehret sie die vorzüglichsten Arten der Erde, die zur Verbesserung des Bodens 
oder für Töpfer, Walker, Maurer nöthig sind, kennen. Habet den Grundsatz immer vor 
Augen, nur das zu lehren, was im bürgerlichen Leben sehr nothwendig oder nützlich ist. 
Nach diesem Grundsätze treffet die Wahl von Salzen, brennbaren Materialien und Metallen. 
So machet es auch bei dem Pflanzenreiche in Ansehung der vaterländischen Getreide- 
und Grasarten, und alles desjenigen, was zur Nahrung und Kleidung der Menschen, zur 
Arznei, zum Futter für das Vieh, zum Fabriks- und Commerzwesen gehört; desgleichen in 
Anwendung der Waldbäume, Stauden und Sträucher. Ermuntert zur fleissigen Anpflanzung 
des Brauchbaren und Nützlichen. Erinnert an die desswegen bestehenden politischen An 
ordnungen und Ermunterungen. Warnet vor giftigen Pflanzen, Schwämmen; warnet auch 
vor Beschädigung der Pflanzungen, vor Uebertretung der Waldordnung u. s. w. Ermuntert 
besonders zur Obstbaumzucht und zu mancherlei Versuchen in der Feldwirthschaft, dem 
Weinbau und der Küchengärtnerei. Dies ist weit nützlicher, als wenn ihr euch mit den 
Merkmalen der Pflanzen und derselben Eintheilungen abgeben wolltet. 
Aus dem Thierreiche wählet vorzüglich die einheimischen vierfüssigen Thiere, die 
Vögel, vorzüglich das Hausgeflügel, von den Insecten die Bienen, und zuletzt die Fische. 
Saget davon das Nothwendigste, Brauchbarste und Nützlichste, doch mit mancher 
Vorsicht und Bescheidenheit. Erwähnet auch hierbei der ihretwegen bestehenden Verord 
nungen und Aufmunterungen. Lehret die Pflichten gegen die Thiere, und warnet vor dem 
Missbrauche der den Menschen über dieselben eingeräumten Gewalt. Saget endlich von dem 
Menschen so viel, als nöthig ist, um von dem Zwecke und Gebrauche, der Verbindung 
und dom Wirkungskreise der vornehmsten Glieder des Leibes Kenntniss beizubringen. Zeiget 
wie man den Körper gesund, stark, im Ebenmasse seiner Glieder erhalte, vor welchen 
Fehlern und Ausschweifungen sich die Jugend zu bewahren habe. u. s. w. i 
Ueberhaupt muss der Unterricht praktisch sein; indem man die Eigenschaften, Kunst 
triebe und Wirkungen der Naturproducte, den Gebrauch, den Nutzen, die Cultur davon 
ze jg{. — p; g leuchtet von selbst ein, dass man bei dem Vortrage der Naturgeschichte die 
Gegenstände derselben, von welchen man redet, entweder in der Natur, oder in getreuer, 
und wo möglich illuminirter Abbildung vor sich haben müsse, oder dass man sich auf die 
selben als solche, die der Jugend schon bekannt sind, berufen könne, wie es bei vielen 
Mineralien, Pflanzen und vielen vierfüssigen Thieren der Fall ist. 
Zeiget vor, was vorzuzeigen ist; gebet dabei die leichtesten und sichersten Kenn-
	        
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