106
Volks- und Bürgerschulen: VIII. Unterricht in der Naturkunde.
2. Lehrmittel.
Was die Lesebücher für Volksschulen anbelangt, welche auch Lese
stücke aus dem Gebiete der Naturgeschichte und Landwirthschafts-Lehre ent
halten, so stehen in dieser Beziehung unter den uns bekannten die von B,. Nieder-
gesäss durch zweckmässige Auswahl und correcte Behandlung oben an. Auch
die Lesebücher des k. k. Schulbücher - Verlags und von Br. Mair ent
halten ganz gute und geeignete Lesestücke in dieser Richtung. Für die
Bürgerschule, an welcher schon ein mehr geordnetes und übersichtlich begrün
detes Wissen verlangt wird, müssen bereits eigene Lesebücher in gedräng
tester Kürze verwendet werden, was durchaus nicht verschlägt, dass auch diese
zunächst als Lesebücher benützt werden, an welche sich die Erklärung oder
Demonstration anknüpft. In dieser Richtung ist bisher nur der „Leitfaden
der Naturgeschichte für Bürgerschulen” von Professor K. B. Heller, ein
in seiner Gesammtanlage recht brauchbares Büchlein, approbirt.
Bezüglich des naturgeschichtlichen und landwirthschaftlichen (sowie auch
des chemisch - physikalischen und geographischen) Unterrichtes kann man den
Satz aufstellen: „Zeige mir deine Lehrmittel und ich werde dir sagen, auf
welcher Stufe deine Schule in dieser Beziehung steht.” Ohne Lehrmittel lassen
sich diese Wissenszweige nicht lehren und wenn man keine hat, so unterlasse
man lieber diesen Unterricht. Bei dem grossen Aufschwünge, den die Methode
des naturwissenschaftlichen Unterrichtes in dem letzten Decennium an Mittel
schulen genommen hat, ist das von allen Seiten immer lauter werdende Be
gehren nach Lehrmitteln nur ein sehr zu lobendes Zeichen des Fortschrittes
auf pädagogischem Gebiete. Dieser Fortschritt zeigt sich im unvergleichlichen
Masse, wenn man die jetzige Vorausstellung des k. k. Unterrichts-Ministeriums
mit jener der Pariser Ausstellung vergleicht.
Was die naturgeschichtlichen und landwirthschaftlichen Lehrmittel der
jetzigen Ausstellung anbelangt, so können wir hier, schon des Raumes wegen,
nicht auf die vollständige Aufzählung derselben eingehen. Wir beschränken
uns hier nur auf das Wichtigste.
Hiebei folgen wir meist der Reihenfolge der ausgestellt gewesenen
Objecte, welche des beschränkten Raumes wegen keine Stufenfolge innerhalb
der Gränzen des Gegenstandes einhalten konnte; auch gehen die Objecte kein
ganzes einheitliches Bild, da sie nach der einen Richtung mehr, nach der
andern weniger vertreten waren, wie diess eine Beschickung von vielen An
stalten mit sich bringt; typische Sammlungen aller drei Reiche für Landschulen,
Bürgerschulen, Lehrer-Bildungsanstalten vermissten wir sehr ungern.
I. Unter den Lehrmitteln in natura für Volks- und Bürgerschulen
wären besondern hervorzuheben:
J. Grimme in Baden: Versinnlichung zu den Lesestücken: das Schaf,
die Baumwolle, der Lein, die Seidenraupe, die Biene; dieselben sind mit Ver-