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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

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Volks- und Bürgerschulen. VIII. Unterricht in der Naturkunde. 
In den vierten Classen nahm die Naturlehre einen der ersten Plätze 
ein. Nebstdem, dass ihr im zweiten Jahrgange wöchentlich 2 Stunden eingeräumt 
waren, kamen im 2. Semester dieses Jahrganges zu diesen 2 Stunden noch 
3 Stunden für die Mechanik der festen Körper und die praktische Maschinen 
lehre hinzu. 
Als der Untorrichtsininister mit Allerhöchster Entschliessung vom 16. 
September 1849 auf Grund des neuen „Entwurfes der Organisation der Gym 
nasien und Realschulen zur Einleitung der nöthigsten Reformen ermächtiget 
wurde, erkannte derselbe als eine der dringendsten „die Umgestaltung der 
vierten Classen der Volksschulen in Unter-Realschulen.” Zu den meisten dieser 
Unter-Realschulen kam auch eine dritte Classe hinzu. 
An die Stelle des im Organisations-Entwürfe v. J. 1849 enthaltenen Real- 
schul-Patentes trat im Jahre 1851 der mit M. E. vom 13. August Z. 7953 kund 
gemachte neue Plan, welcher, insoweit er sich auf die Unter-Realschulen bezog, 
sofort in den betreffenden Classen der mit der Volksschule verbun 
denen, sogenannten unselbstständigen Unter-Realschulen Anwendung 
fand. Dieser Plan enthält bezüglich des Unterrichtes in der Naturlehre folgende 
Bestimmungen: 
a) Physik. 
„Ziel. Kennhüss der wichtigsten Naturgesetze, soweit dieselben durch Anschauung 
der Grunderscheinungen ermittelbar sind. Erklärung der wichtigsten Naturerscheinungen 
und der verständlicheren unter ihren technischen Anwendungen. 
I. Classe, wöchentlich 2 Stunden. 
11- i) i) 2 „ im 1. Semester 
j) „ 4 „ „ 2. „ 
Bei der Physik erscheint eine vorgeschriebene scharfe Abgränzung der Lehren nach 
Semestern nicht angezeigt. Der Unterricht in diesem Fache soll umfassen: die Lehre von 
den allgemeinen Eigenschaften der Körper, ihre Verschiedenheit rücksichtlich des Aggre 
gationszustandes, die Lehre von der Wärme und Verdunstung, Bildung der Wassermeteore, 
Wärmeverhältnisse auf der Erdoberfläche, vom Gleichgewichte und der Bewegung der festen^ 
tropfbaren und ausdehnsamen Körper mit vorzüglicher Kücksicht auf die Maschinen. Das 
Wichtigste aus der Lehre vom Schalle, vom Lichte, vom Magnetismus und der Elek- 
tricität mit Erklärung der in dieses Gebiet gehörigen Naturerscheinungen und der tech 
nischen Anwendung.” 
b) Chemie. 
„Ziel. Kenntniss der wichtigsten Lehren der Chemie, auf Versuche gegründet und 
mit steter Anwendung auf die verschiedenen Erwerbszweige. Durch selbe soll der Schüler 
über Physik, später auch von Professor Schrötter über Chemie gehalten, welche so zahlreich 
besucht waren, dass die grossen Lehrsäle nicht alle Wissbegierigen zu fassen vermochten. Ein 
grosser Theil dieser Zuhörer bestand aus Lehrern, welche sich auch am Schlüsse eines solchen 
Curses einer Prüfung unterzogen und sich hierbei der Mehrzahl nach ein ehrenvolles Zeugniss 
erwarben. In den Sechziger Jahren hielt auch Professor Kletzinsky von der Ober-Realschule auf 
der Wieden Vorträge über Chemie, welche zahlreichen Zuspruch hatten. Auch Verfasser dieser 
Zeden wollte sein Schärflein zur Verbreitung physikalischer Kenntnisse beitragen und hielt schon in 
den Jahren von 1849 bis 1853, dann im Jahre 1863 an der k. k. Unter-Realschule in der Leopoldstadt 
und im Jahre 1868 an der k. k. Unter-Realschule zu St. Anna Vorträge über Experimental-Physik 
und Mathematik, welche jedesmal von Lehrern fleissig besucht wurden.
	        
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