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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

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Volks- und Bürgerschulen. VIII. Unterricht in der Naturkunde. 
a) für Knaben. 
§. 5. Naturlehre. (Physik und Chemie). Ziel: Auf Beobachtung und Versuche 
gegründete Kenntniss der wichtigeren Naturkräfte, Naturerscheinungen und Naturgesetze- 
Kenntniss der wichtigsten Grundstoffe und der häufiger vorkommenden (unorganischen und 
organischen) Verbindungen. Stete Berücksichtigung der Bedürfnisse des praktischen Lebens. 
I. Classe 2 Stunden. Molokularerscheinungen. Wärmelehre. 
II. Classe 2 Stunden. Magnetismus, Elektricität, Schall, Licht. 
III. Classe 2 Stunden. Die für das praktische Leben wichtigsten Erscheinungen aus 
der Statik und Mechanik der festen und flüssigen Körper (die daraus resultirenden Gesetze 
und die darauf begründeten Maschinen). 
Die wichtigsten Elemente aus der Reihe der Metalloide und Metalle, die bekanntesten 
unorganischen und organischen Verbindungen. Hinweisung auf die einschlägigen chemisch 
technologischen Operationen. 
b) für Mädchen. 
§. 5. Naturlehre. (Physik und Chemie). Ziel: Auf Beobachtung und Versuche 
gegründete Kenntniss der wichtigeren Naturkräfte, Naturerscheinungen und Naturgesetze. 
Kenntniss der wichtigsten Grundstoffe und der häufiger vorkommenden (unorganischen und 
organischen) Verbindungen. Stete Berücksichtigung der Bedürfnisse des praktischen Lebens. 
I. Classe 2 Stunden. Molekularerscheinungen, Wärmelehre. 
II. Classe 2 Stunden. Magnetismus, Elektricität, Schall, Licht. 
III. Classe 2 Stunden. Die für das praktische Leben wichtigsten Erscheinungen aus 
der Statik und Mechanik der festen und flüssigen Körper (die daraus resultirenden Gesetze 
und die wichtigsten Maschinen). 
Die wichtigsten Elemente aus der Reihe der Metalloide und Metalle, die bekanntesten 
unorganischen und organischen Verbindungen. Hinweisung auf die einschlägigen chemisch 
technologischen Operationen mit besonderer Berücksichtigung des Hauswesens. 
2. Lehrbücher. 
Dem früheren Schulbücherzwange in Oesterreich ist hauptsächlich die 
Schuld beizumessen, dass für den physikalischen Unterricht an den vierten 
Classen bis zum Jahre 1850 kein anderes in Oesterreich verfasstes Lehrbuch 
erschien, als die anfangs dieses Jahrhundertes verfasste „Naturlehre für die 
Jugend”, an der während eines Zeitraumes von 50 Jahren nur schüchterne 
Vex-suche zur Verbesserung gemacht wurden. Freilich wurden von strebsamen Leh 
rern auswärtige Lehx-büchei-, namentlich „Hellmuth’s Naturlehre” verwendet. 
Das erste für die Unter-Realschulen bestimmte Natur-Lehrbuch, welches 
ausser der früher genannten „Natuidehre für die Jugend”, einen Oesterreicher 
zum Verfasser hatte, erschien im Jahre 1850. Es war dieses die „populäre 
Physik” (in 2 Bänden) von Jos. Hofer, technischem Lehrer an der k. k. Unter- 
Realschule zu St. Leopold in Wien, das der Verfasser auf seine Kosten heraus 
zugeben wagte. Dieses Buch war auch das erste in Oestei’reieh erschienene 
Volksschulbuch, das in den Text eingedruckte Holzschnitte hatte 1 ). Später 
erst folgten die Lehi'bücher der Physik von Kunzek, Weiser, Schabus, Pisko, 
Ullrich, Krist u. a.; der Chemie von Hornig, Hinterberger u. a. Diese sowohl 
für die selbstständigen als auch unselbstständigen Unter-Rcalschulcn bestimmten 
Bücher sind jedoch für die heutigen Volks- und Bürgerschulen zu weitgehend 
und von zu wissenschaftlicher Fassung. 
1) Schon eine 1737 in Linz gedruckte Fibel enthält solche Holzschnitte. 
A. d. R.
	        
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