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Volks- und Bürgerschulen. XI. Unterricht im Turnen.
XL Unterricht im Turnen.
Bericht von Joh. Hoffer, Turnlehrer am k. k. Theresianum in Wien.
Der Turnunterricht vor 1850 trägt entweder rein privaten Charakter oder
tritt, soweit er in öffentlichen Anstalten vorkömmt, vereinzelt und wie zufällig auf.
So findet sich schon in den ersten Zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts
ein schulmässiges Turnen in dom k. k. Militärerziehungs-Institute in Mailand.
Ein Buch, welches aus dieser Anstalt hervorging, bearbeitet von dem
Oberst - Commandanten 1 ) derselben, gibt Zeugniss von den reichen auf den
Gegenstand verwendeten Mitteln, wie von der begeisterten Liebe der Unterrichtsleiter
für den Gegenstand und die Jugend, aber auch, und das lag wohl
zumeist in der Zeit, von einer mehr einseitigen Auffassung, einer nicht streng
erzieherischen Behandlung und von wenig entwickelter Methode. Ueber die
Dauer der turnerischen Thätigkeit des Institutes fehlen Angaben.
Im Jahre 1839 wurde durch den damaligen Curator Grafen Taaffe das
Turnen in der k. k. Theresianischen Akademie eingeführt 2 ) und anfangs mehr
facultativ, später aber für die Gymnasial - Zöglinge thatsächlich (wenn
auch nicht formell gesetzlich ausgesprochen), obligat betrieben. Die Ausstattung
der Turnerräume daselbst war von Anfang an eine würdige und vollständige,
die Stellung des betreffenden Lehrers seit 1845 eine systemisirte.
Ebenfalls im Jahre 1839 wurde von Sr. k. Hoheit, dem Erzherzog Johann,
als damaligen General-Geniedirector der Turnunterricht in der k. k. Ingenieur-Akademie
in Wien eingeführt.
Den ersten officiellen Halt gewann das Schulturnen aber eigentlich erst
mit der Ernennung eines Universitäts - Turnlehrers in Wien, welche am
18. Octoher 1848 durch hohen Ministerial-Erlass provisorisch, am 30. Juli 1850
durch Allerhöchste Verfügung Sr. Majestät definitiv erfolgte.
Wenn anch zuerst die Studirenden an die Privat - Turnanstalt des damaligen
Universitäts-Turnlehrers Stephany gewiesen waren, so lag doch in
der Bestellung eines Lehrers folgerichtig die Anbahnung zur Errichtung einer
U niversitäts-Turnanstalt.
Thatsächlich wurde auch mit 10. Juni 1851 ein prächtig gelegener
Sommer - Turnplatz im Obstgarten des Theresianums und mit 1. October 1854
ein Winterlocale, mit zwei grossen Sälen, im alten akademischen Schulgebäude,
beide mit reichlicher und vorzüglicher Ausstattung, eröffnet. Im Jahre 1866
ging der Sommer-Turnplatz, 1867 auch das Winterlocale für die Universitäts-1)
Young „Elementargymnastik nach Gutsmuths und Klias”, italiänisch 1825, deutsch 1827,
Mailand, k. k. Buchdruckerei.
2) Albert von Stephany „gymnastisches Merkbüchlein”, Wien. Gerold 1813.