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Full text : Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

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Volks-  und  Bürgerschulen.  XI.  Unterricht  im  Turnen.

XL  Unterricht  im  Turnen.
Bericht  von  Joh.  Hoffer,  Turnlehrer  am  k.  k.  Theresianum  in  Wien.

Der  Turnunterricht  vor  1850  trägt  entweder  rein  privaten  Charakter  oder
tritt,  soweit  er  in  öffentlichen  Anstalten  vorkömmt,  vereinzelt  und  wie  zufällig  auf.
So  findet  sich  schon  in  den  ersten  Zwanziger  Jahren  dieses  Jahrhunderts
ein  schulmässiges  Turnen  in  dom  k.  k.  Militärerziehungs-Institute  in  Mailand.
Ein  Buch,  welches  aus  dieser  Anstalt  hervorging,  bearbeitet  von  dem
Oberst  -  Commandanten 1 )  derselben,  gibt  Zeugniss  von  den  reichen  auf  den
Gegenstand  verwendeten  Mitteln,  wie  von  der  begeisterten  Liebe  der  Unterrichtsleiter ­
  für  den  Gegenstand  und  die  Jugend,  aber  auch,  und  das  lag  wohl
zumeist  in  der  Zeit,  von  einer  mehr  einseitigen  Auffassung,  einer  nicht  streng
erzieherischen  Behandlung  und  von  wenig  entwickelter  Methode.  Ueber  die
Dauer  der  turnerischen  Thätigkeit  des  Institutes  fehlen  Angaben.
Im  Jahre  1839  wurde  durch  den  damaligen  Curator  Grafen  Taaffe  das
Turnen  in  der  k.  k.  Theresianischen  Akademie  eingeführt 2 )  und  anfangs  mehr
facultativ,  später  aber  für  die  Gymnasial  -  Zöglinge  thatsächlich  (wenn
auch  nicht  formell  gesetzlich  ausgesprochen),  obligat  betrieben.  Die  Ausstattung
der  Turnerräume  daselbst  war  von  Anfang  an  eine  würdige  und  vollständige,
die  Stellung  des  betreffenden  Lehrers  seit  1845  eine  systemisirte.
Ebenfalls  im  Jahre  1839  wurde  von  Sr.  k.  Hoheit,  dem  Erzherzog  Johann,
als  damaligen  General-Geniedirector  der  Turnunterricht  in  der  k.  k.  Ingenieur-Akademie
  in  Wien  eingeführt.
Den  ersten  officiellen  Halt  gewann  das  Schulturnen  aber  eigentlich  erst
mit  der  Ernennung  eines  Universitäts  -  Turnlehrers  in  Wien,  welche  am
18.  Octoher  1848  durch  hohen  Ministerial-Erlass  provisorisch,  am  30.  Juli  1850
durch  Allerhöchste  Verfügung  Sr.  Majestät  definitiv  erfolgte.
Wenn  anch  zuerst  die  Studirenden  an  die  Privat  -  Turnanstalt  des  damaligen ­
  Universitäts-Turnlehrers  Stephany  gewiesen  waren,  so  lag  doch  in
der  Bestellung  eines  Lehrers  folgerichtig  die  Anbahnung  zur  Errichtung  einer
U  niversitäts-Turnanstalt.
Thatsächlich  wurde  auch  mit  10.  Juni  1851  ein  prächtig  gelegener
Sommer  -  Turnplatz  im  Obstgarten  des  Theresianums  und  mit  1.  October  1854
ein  Winterlocale,  mit  zwei  grossen  Sälen,  im  alten  akademischen  Schulgebäude,
beide  mit  reichlicher  und  vorzüglicher  Ausstattung,  eröffnet.  Im  Jahre  1866
ging  der  Sommer-Turnplatz,  1867  auch  das  Winterlocale  für  die  Universitäts-1)

  Young  „Elementargymnastik  nach  Gutsmuths  und  Klias”,  italiänisch  1825,  deutsch  1827,
Mailand,  k.  k.  Buchdruckerei.
2)  Albert  von  Stephany  „gymnastisches  Merkbüchlein”,  Wien.  Gerold  1813.
            
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