148
Volks- und Bürgerschulen.
nissc brauchbaren Plan für Landschulgärten erhalten; eine Monographie über
diesen Gegenstand hat es jedoch nicht geliefert. — In Oesterreich aber er
schienen fast gleichzeitig die zwei ersten Specialschriften über den Schulgarten.
Die „Volksschule auf dem Lande” des Bezirks-Schulinspectors Wranitzky
in Iglau ist bemüht ihrem Titel angemessen die land- und volkswirthschaftliche
Aufgabe der Landschule zu erörtern und enthält einen guten Plan für eine
Anlage zu landwirtschaftlichen Versuchszwecken. — Der „Volksschulgarten”
dos Berichterstatters, [Vien und Olmütz bei Hölzol 1870 mit 3 Plänen von
M. Machanek 1 )] versucht die Idee des Schulgartens nach allen Seiten hin zu
entwickeln. Die „zeitgemässe” Einrichtung wird darin gesucht, dass der
Schulgarten allüberall die Aufgabe habe, die Verwertung des in den Natur
wissenschaften und speciell in der Naturgeschichte enthaltenen, unterrichtenden
und erziehenden Elementes zu Zwecken der allgemeinen Volkserziehung zu er
möglichen, dass der Schulgarten also durch die Einführung der Kinder in das
V issenswürdigste der heimischen Natur, die sinnig’e Preude an der Natur, den
Ordnungs- und Schönheitssinn, wie die Arbeitslust wecke, und veredelnd auf
die Sitte, heilsam auf den Wohlstand des Volkes einwirke. Die „ortsgemässe”
Einrichtung des Schulgartens aber soll durch die sorgfältige Unterscheidung
dessen, was für die Stadt- und was für die Landschule an Bildungsmateriale in
den Garten gehört, was zu sonstigen wichtigen Zwecken in die eine Art des
Gartens besonders passt, und was von ihr auszuschliessen ist, sich ergeben.
Mit Rücksicht auf die zum Theil verschiedenen concreten Ziele lassen sich
demnach 3 Arten des Schulgartens unterscheiden:
1. Der Landschulgarten. Da in diesem der Boden möglichst für land
wirtschaftliche Zwecke ausgenützt werden soll, so hat er am besten die Ge
stalt eines einfachen, in geraden Linien gehaltenen Hausgartens. Er enthält
drei Hauptbestandteile: das „landwirtschaftliche Versuchsfeld,” ein Gemüse
gärtchen und einen Obstgarten mit einer Baumschule. Je nach den örtlichen
Verhältnissen wird dieser oder jener Hauptbestandteil hervor- und ein anderer
zurücktreten, ja unter Umständen aufgelassen werden. Jeder dieser Haupttheile
ist mit Rabatten eingefasst, auf welchen verschiedene Arten von Zwergobst ge
pflanzt sind; die Zwischenräume der Zwergbäumc werden ausgefüllt mit Blumen,
Perennien und einzelnen Exemplaren jener wichtigen ökonomischen und „Handels
pflanzen (Arznei-, Gewürz-, Färb-, Gespinnst-, Oclpflanzen u. s. w.), welche
nicht in das V ersuchsfeld gehören. In wärmeren Gegenden werden die Wände
zu Spalieren ausgenützt. Ist der Garten gi’oss, so lassen sich in einem abge
legenen Thoile Bienenstöcke aufstellen. Abgelegene Winkel werden zum Compost-
und zum Materialplatz verwendet. Der Sommer-Turnplatz möge unmittelbar an
den Garten anstossen, wo diess der Raum nur immer zulässt! Der Brunnen ist
1) Soeben erscheint die zweite Auflage, welche den Normalplan eines Volksschulgartens vom
Obergärtner Heinrich, und den vom Architekten Krumholz entworfenen Plan des Schulgartens enthält,
der bei dem österreichischen Schulhause auf dem Weltausteilungsplatze ausgeführt wurde.