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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

XII. Der Volksschulgarten. 
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mit einem Wasserbecken zn versehen, damit die Kinder den Werth des abge 
standenen und lanen Wassers für das Pflanzenleben kennen lernen. Das land 
wirtschaftliche Versuchsfeld wird zunächst, so wie die Baumschule, von den 
Knaben besorgt, der Gemüsegarten von den Mädchen. Die Pflege der Blumen 
fällt den Mädchen zu. Wenn möglich, ist jedem Schulmädchen sein eigenes 
Blumenbeetchen einzuräumen. 
2. Der Schulgarten der grösseren Stadt. Dieser gleicht mit seinen 
breiten, schön geschwungenen Wegen einem modernen Ziergarten. Hier ent 
fällt das charakterische des Landschulgartens (Versuchsfeld, Gemüsegarten, 
Baumschule, beziehungsweise Bienenstand). Dagegen hat dieser Garten ganz 
vorzüglich dem Anschauungs-Unterrichte bezüglich der wichtigem ökonomischen 
und Handelspflanzen, der wichtigen einheimischen Obst- und Waldbäume und 
Waldsträucher zir dienen und darf der Blumen nicht ermangeln. — Ein Haupt 
gewicht muss dabei auf die Beschaffung eines geräumigen, luftigen von Bäumen 
beschatteten Spiel-, Tummel- und Sommer-Turnplatzes gelegt werden. 
3. Der Schulgarten der kleinen Stadt. Dieser berührt sich inhalt 
lich mit beiden Arten von Gärten. Die Gestalt ist die eines Ziergartens, 
welcher in der Mitte oder in einem Seitentheile das in geraden Linien gehaltene, 
aber durch Dickpflanzungen abgetrennte und maskirte Grabeland enthält. 
In allen drei Arten von Gärten lassen sich die für die Gesundheit der 
Kinder so wichtigen leichten Gartenarbeiten ausführen, welche iiberdiess der 
Schule die Möglichkeit bieten den bisher von ihr so arg vernachlässigten 
stärksten Trieb des Kindes, den Thätigkeitstrieb, zu erfassen und so die 
öffentliche Erziehung naturgemäss zu machen. 
Die Schrift des Berichterstatters hat bei den höchsten Behörden Oesterreich- 
Ungarns und in der Eachkritik wie in der Oeffentlichkeit freundliche Aufnahme 
gefunden und trägt schon Prüchte. (Der Landessehulrath Schlesiens hat bereits 
die Anlegung von Schulgärten bei jeder Landschule angeordnet.) 
Zur Ausstellung brachte der Berichterstatter 7 Pläne von Schulgärten. 
Von diesen waren drei die der ersten Ausgabe seines „Volksschulgarten” ent 
lehnten Pläne; zwei derselben stellen städtische Schulgärten mit stattlichen 
Turn- und Spielplätzen vor, der dritte ist der Plan des Dorfschul-Gartens in 
Nedweis bei Olmütz, welcher allerdings nicht in geraden Linien ausgeführt ist. 
Ein vierter Plan ist der des Dorfgartens in Barzdorf (Schlesien), welcher 
ein ganz gutes Beispiel dafür gibt, wie man eine unregelmässige Figur und 
einen unebenen Boden ausnutzen kann. Ein fünfter Plan wurde vom Gartenbau- 
Director Hüttig aus Gothenburg in Koch’s Wochenschrift für Garten- und 
Pflanzenkunde veröffentlicht und stellt den Schulgarten in Kilanda (Schweden) 
vor, welcher sich inhaltlich mit den Ideen des Berichterstatters berührt und 
einen Theil des Gartens in freien Linien behandelt. Der sechste Plan gibt ein Bild 
jenes prachtvollen Schulgartens, welchen der Bankerfinder Kunze mit einer an 
einem europäischen Bürger beispiellosen Munificenz in Chemnitz (Sachsen) aus-
	        
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