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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

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Volks- und Bürgerschulen. XIV. Taubstummen-Uuterricht. 
2. Lehrmittel und Fachliteratur. 
Der Mangel eines gleichmässigen Unterrichts-Systems und die Sprachver- 
schiedenheit in den ohnehin nicht zahlreichen Instituten verhinderten die Ent 
wicklung der Fach-Literatur. 
Daher waren die österreichischen Taubstummen-Institute grösstentheils auf 
die Literatur Deutschlands angewiesen. Dass es aber den österreichischen 
Fachmännern weder an Lust und Liebe zu literarischen Arbeiten, noch an der 
erforderlichen Befähigung dazu fehlt, beweisen die mannigfachen Manuscripte, 
die in einigen Instituten Jahr aus Jahr ein als Leitfaden für einzelne Lehr 
gegenstände dienen, ohne dein Taubstummen-Unterrichte im Grossen nützen 
zu können. 
Das Institut in Prag hat unter den in Verwendung stehenden Lehrmitteln 
allein folgende Manuscripte: 
1. Einleitung zu Rösler’s Lesebuch von Director Kotatko. 
2. Biblische Bilder vom Instituts-Katecheten P. Kmoch. 
3. Heimatskunde vom Lehrer Rygavy. 
4. B eligionslehre von P. Kmoch. 
5. Naturgeschichte von P. W. Frost. 
6. Seelenlehre von P. Kmoch. 
7. Sprach- und Aufsatzlehre von RySavy. 
8. Geographie 1 
9. Vaterländische Geschichte : von RySavy. 
10. Technologie 
V ohl participiren die Taubstummen-Anstalten mehr und mehr an dem reichen 
Schatze von Unterrichtsmitteln, welchen das rege Streben auf dem Gebiete der 
A olks- und Bürgerschule in den letzten Jahren schuf; denn alle Anschauungs 
mittel derselben sind auch für die Taubstummen-Schulen ang'emessen, und selbst 
in Betreff der Lehrbücher, namentlich der Lese-, Sprach- und Rechenbücher, 
der Leitfaden für Geographie und Geschichte, für Naturgeschichte und Natur 
lehre sehliessen sich vorgeschrittene Taubstummen-Anstalten der Volks- und 
Bürgerschule an, weil ja das Ziel das gleiche sein soll; allein für die unteren 
Stufen derselben werden doch immer solche Lehrmittel und Uebungsstoffe, welche 
die Eigenart dieses Unterrichtszweiges berücksichtig'en, nöthig sein, und selbst 
für die Oberstufen wird es bei der beschränkten Ausbildungszeit noch lange 
ein Bedürfniss sein, den Lehrstoff in gedrängter Kürze, und mit Berück 
sichtigung des geringen Sprachverständnisses zu bewältigen. 
Lnter den literarischen Erzeugnissen der letzten beiden Jahrzehnte auf 
dem Gebiete des Taubstummen-Unterrichtes sind zu nennen: 
1. Schwarzmaier M.: „Vereinigung des elementaren Taubstummen-Unter 
richtes mit dem Elementar-Unterrichte vollsinniger Kinder.” Bayreuth 1850, 
Buchner’sche Buchhandlung.
	        
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