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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

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Lehrer-Bildungsanstalten. 
vor Augen zu halten und die Lehramtszöglinge zunächst in dem zu unterrichten 
und zu üben hatte, was sie künftig als Volksschullehrer zu lehren und zu 
leisten haben wurden,” werden im Jahre 1851 die Vaterlandskunde, die Erd 
kunde, populäre Denklehre, Körper- und Seelenlehre aus der Reihe besonderer 
Unterrichts-Gegenstände, „als was sie vordem häufig behandelt wurden,” ge 
strichen; nur gelegentlich, aus dem Borne des Schullesebuches sollten die 
Candidaten „andere nützliche Kenntnisse sich einsammeln”. Wo sich Gelegen 
heit darbot, konnten die Lehramtszöglinge mit der Einrichtung des Unterrichtes 
nicht vollsinniger Kinder und mit den Kleinkinder-Bewahranstalten bekannt ge 
macht werden. Gymnastik war als ein freier Gegenstand zu behandeln. Die 
praktische Ausbildung sollte durch Hospitiren, schriftliche Ausarbeitungen und 
mündliche „Vorträge” erzielt werden. 
Bei der Auswahl des Lehrstoffes in den einzelnen Disciplinen hatte der 
Lehrer nur auf das Nothwendigste und Naheliegende, mit Auschluss alles über 
flüssigen Wissens, zu achten. Der Unterricht war auf die vorgeschriebenen 
Schul- und Lehrbücher zu gründen. Die Methode war vorherrschend die „ein 
pragende”. Trotz wohlgemeinter Concessionen, wie beispielsweise jener einer 
beschränkten Methodenfreiheit waren und blieben die Aussprüche der politischen 
Schulverfassung von den „schulgerechten Subjecten” und „wohl abgerichteten 
Schulgehilfen ’ die Signaturen für die Lehrerbildung jener Zeit. 
Und e s ward Tag. Aus den neuen Stundenplänen und Unterrichtszielen 
der Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungsanstalten der Gegenwart leuchtet das 
Licht gar hell und wohlthuend.*) 
Eigentliche Uebungsschulen kannte das frühere System der Lehrer 
bildung nicht; die „Hauptschulen”, an denen Präparanden- Curse abgehalten 
wurden, waren zumeist nur Anschauungs - Objecte, weniger Uebungsfelder für 
die Candidaten. Vom Sehen allein oder durch sporadische Uebung lernt aber 
Niemand unterrichten. 
Es ist ein wesentliches Verdienst der neuen österr. Schul - Gesetzgebung, 
dass sie eigene Uebungsschulen und dadurch die Möglichkeit schuf, hin 
reichend zahlreiche praktische Uebungen in systematischem Zusammenhänge an 
stellen zu können. 
Die Schulpraxis tritt im vorletzten Jahrgange in der Form des Hospi- 
tiums auf, das durch Vor- und Nachbesprechungen für die Zöglinge möglichst 
fruchtbar zu machen ist. Inwieweit die Zuhörer mit den Uebungsschülern in 
unterrichtlichen Contact zu treten haben, hängt von der pädagogischen Ein 
sicht der betreffenden Lehrer ab. 
Die Zöglinge der letzten Classe sind sodann möglichst viel in der Uebungs- 
schule praktisch zu beschäftigen. Muster-Lectionen dienen als Vorbilder für 
die Unterrichtsjünger; in besonderen Stunden sind die einzelnen Disciplinen 
Seite 7 J ) _ S 8 t " ndenplan ’ Lehrziel und Prüfungen im I. Theile: Geschichte, Organisation und Statistik,
	        
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