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Lehrer-Bildungsanstalten.
vor Augen zu halten und die Lehramtszöglinge zunächst in dem zu unterrichten
und zu üben hatte, was sie künftig als Volksschullehrer zu lehren und zu
leisten haben wurden,” werden im Jahre 1851 die Vaterlandskunde, die Erd
kunde, populäre Denklehre, Körper- und Seelenlehre aus der Reihe besonderer
Unterrichts-Gegenstände, „als was sie vordem häufig behandelt wurden,” ge
strichen; nur gelegentlich, aus dem Borne des Schullesebuches sollten die
Candidaten „andere nützliche Kenntnisse sich einsammeln”. Wo sich Gelegen
heit darbot, konnten die Lehramtszöglinge mit der Einrichtung des Unterrichtes
nicht vollsinniger Kinder und mit den Kleinkinder-Bewahranstalten bekannt ge
macht werden. Gymnastik war als ein freier Gegenstand zu behandeln. Die
praktische Ausbildung sollte durch Hospitiren, schriftliche Ausarbeitungen und
mündliche „Vorträge” erzielt werden.
Bei der Auswahl des Lehrstoffes in den einzelnen Disciplinen hatte der
Lehrer nur auf das Nothwendigste und Naheliegende, mit Auschluss alles über
flüssigen Wissens, zu achten. Der Unterricht war auf die vorgeschriebenen
Schul- und Lehrbücher zu gründen. Die Methode war vorherrschend die „ein
pragende”. Trotz wohlgemeinter Concessionen, wie beispielsweise jener einer
beschränkten Methodenfreiheit waren und blieben die Aussprüche der politischen
Schulverfassung von den „schulgerechten Subjecten” und „wohl abgerichteten
Schulgehilfen ’ die Signaturen für die Lehrerbildung jener Zeit.
Und e s ward Tag. Aus den neuen Stundenplänen und Unterrichtszielen
der Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungsanstalten der Gegenwart leuchtet das
Licht gar hell und wohlthuend.*)
Eigentliche Uebungsschulen kannte das frühere System der Lehrer
bildung nicht; die „Hauptschulen”, an denen Präparanden- Curse abgehalten
wurden, waren zumeist nur Anschauungs - Objecte, weniger Uebungsfelder für
die Candidaten. Vom Sehen allein oder durch sporadische Uebung lernt aber
Niemand unterrichten.
Es ist ein wesentliches Verdienst der neuen österr. Schul - Gesetzgebung,
dass sie eigene Uebungsschulen und dadurch die Möglichkeit schuf, hin
reichend zahlreiche praktische Uebungen in systematischem Zusammenhänge an
stellen zu können.
Die Schulpraxis tritt im vorletzten Jahrgange in der Form des Hospi-
tiums auf, das durch Vor- und Nachbesprechungen für die Zöglinge möglichst
fruchtbar zu machen ist. Inwieweit die Zuhörer mit den Uebungsschülern in
unterrichtlichen Contact zu treten haben, hängt von der pädagogischen Ein
sicht der betreffenden Lehrer ab.
Die Zöglinge der letzten Classe sind sodann möglichst viel in der Uebungs-
schule praktisch zu beschäftigen. Muster-Lectionen dienen als Vorbilder für
die Unterrichtsjünger; in besonderen Stunden sind die einzelnen Disciplinen
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