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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

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242 Mittelschulen: II. Deutsche Sprache und Literatur. 
während das der Muttersprache und dem Deutschen zusammen zuzugestehende 
Maximum von wöchentlichen Stunden die Zahl 6 kaum in irgend einem Falle 
zweckmässig überschreiten dürfte. 
Die praktische Durchführung dieser allgemeinen Bestimmungen mag bei 
spielsweise an dem Lehrplane für Gymnasien cechischer Muttersprache veran 
schaulicht werden. 
I. Classe 3 Stunden. 
Formenlehre. Einüben der Formen durch Uebersetzen in das Cechische und um 
gekehrt; orthographische Uebungen; Lesen, Sprechen, Vorträgen memorirter kleiner Aufsätze. 
Alle 14 Tage eine schriftliche Hausarbeit. Ausarbeitung von Sätzen, Uebersetzungen 
aus dem Cechischen, später kleine Erzählungen und Beschreibungen. 
II. Classe, 3 Stunden. 
Fortsetzung und Ergänzung der Formenlehre. Mündliche grammatische Uebungen 
in der Schule. Orthographie, Lesen, Sprechen, Memoriren, schriftliche Hausarbeiten wie 
in I, jedoch mit besonderer Berücksichtigung der Lehre vom zusammengesetzten Satz, der 
Wörterfamilie und der Wortbildung. 
III. Classe, 2 Stunden. 
Lehre von den Satzverbindungen und Perioden mit besonderer Bedachtnahme auf 
Tempus und Modus. Fortgesetzte Wortbildung. Sammeln und Einprägen von Phrasen mit 
Entgegenstellung der cechischen Ausdrucksweise. Lesen und Vortragen. Alle 14 Tage ein 
Hauspensum. Uebersetzungen schwierigerer Erzählungen und Schilderungen aus dem Ce 
chischen, Erklärungen von Sprichwörtern, Versuche von Aufsätzen eigener Erfindung, als: 
Beschreibungen, Erzählungen, die vom Lehrer vorher in der Schule besprochen worden sind- 
IV. Classe, 2 Stunden. 
Wie in III. Die Hauptpuncte der deutschen Verskunst. 
Ziel des Unterrichtes in der deutschen Sprache als Muttersprache. 
Richtiges Lesen und Sprechen, Sicherheit im schriftlichen Gebrauche der Sprache, 
ohne Fehler gegen Grammatik und Orthographie; nebstbei Kenntniss der Formen der ge 
wöhnlichen Geschäftsaufsätze. Anfänge zur Bildung des Geschmackes durch Auswendig 
lernen von prosaischen und poetischen Stücken bleibenden Werthes, welche dem Schüler 
erklärt worden sind. 
An fremdsprachigen Gymnasien soll sich da, wo den Schülern die deutsche 
Spräche nicht ganz fremd ist, das Unterrichtsziel dem für die deutsche Sprache 
als Muttersprache gesteckten nähern; ausserdem hat es sich zu beschränken 
auf die Fähigkeit des Sprechens und Verstehens. 
Für die Auffassung und Behandlung des deutschen Unterrichtes seihst 
sind im Allgemeinen und in den einzelnen Zweigen folgende Gesichtspuncte 
zur strengen Einhaltung vorgeschrieben: 
1. Der deutsche Unterricht bezweckt keineswegs bloss eine sprachliche Aus 
bildung, sondern er soll eine Fülle geist- und charakterbildenden Stoffes in 
classischer oder mindestens tadelloser Form darbieten und auf den Unterricht 
in sämmtlichen anderen Lehrgegenständen belebend, anknüpfend und theilweise 
ergänzend wirken. 
2. Der grammatische Unterricht hat den Zweck, dass an der bereits 
bekannten Sprache das Sprachbewusstsein gebildet werde; er soll also gewisser- 
massen die Stelle einer allgemeinen Grammatik vertreten und dadurch zugleich 
die nothwendige Grundlage geben, auf welcher der Unterricht in den fremden
	        
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