Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

254

Mittelschulen:  I.  Deutsche  Sprache  und  Literatur.

fehlt,  so  bietet  das  Buch  doch  Gelegenheit,  Hauptgrundsätze  der  Metrik,  Poetik
und  Stilistik  in  Beispielen  zu  erläutern.
Der  zweite  Band  bietet  eigentlich  literar-historischen  Lehr-  und  Lesestoff.
Die  ersten  55  Blätter  enthalten  eine  TTebersicht  der  deutschen  Literaturgeschichte
von  den  ältesten  Zeiten  bis  auf  die  Gegenwart,  freilich  in  ziemlich  ungeordneten
bibliographischen  und  biographischen  Notizen  nach  Pischon  und  Hüppe.  Die
Literatur  des  17.,  18.  und  19.  Jahrhunderts  ist  durch  poetische  und  prosaische
Lesestücke  repräsentirt.  Was  vor  dieser  liegt,  blieb  ausgeschlossen,  weil  man  auf  ein
specielles  mittelhochdeutsches  Lesebuch  rechnen  konnte.  —  Goethe’s  „Iphigenie  auf
Tauris”,  welche  schon  vor  1848  eine  Zierde  der  sonst  dürftigen  „Sammlung  deutscher
Beispiele”  bildete,  ist  auch  hier  wieder  vollständig  abgedruckt.  —  Den  Schluss
des  Buches  machen  Anmerkungen,  welche  etwa  6  Bogen  füllen.
Der  dritte  Band  enthält  in  seinem  ersten  Theile  systematisch  geordnete
Abhandlungen  über  poetische  und  prosaische  Darstellungsformen  als  Grundlage
für  ästhetische  Erörterungen,  im  zweiten  Theile  aber  Beispiele  poetischer  und
prosaischer  Darstellung  nach  ästhetischen  Gesichtspuncten  geordnet,  theilweise
mit  theoretischen  Einleitungen.  —  Die  ästhetischen  Abhandlungen  sind  den
Schriften  Lessing’s,  Sulzer’s,  Herder’s,  Goethe’s,  Schiller’s,  J.  P.  Richter’s,  Wilhelm’s
  von  Humboldt  und  Heinrich  Kurz  entnommen.  —  Die  Anmerkungen
sind  hier  nicht  mehr  am  Schlüsse  gesammelt,  sondern  jedem  Lesestücke  beigefügt. ­
  Dieser  dritte  Band  sollte  hinreichenden  Stoff  bieten  zu  einer  „analytischen ­
  Aesthetik”,  welche  der  Lehrplan  für  die  oberste  Classe  vorschreibt.
Alle  drei  Bände  des  Mozart’schen  Lesebuches  lassen  einen  geordneten
Lehrgang  erkennen.  Man  beginnt  mit  den  Grundbegriffen  der  Metrik,  Poetik
und  Stilistik  das  Studium  der  Literatur,  lehrt  sodann  dieselbe  historisch  auffassen, ­
  und  schliesst  die  Literaturkunde  ab  mit  ästhetischen  Erörterungen,  welche
sich  an  gegebene  künstlerische  Objecte  knüpfen  lassen.  —  Als  Aufgabe  des
deutschen  Unterrichtes  erscheint  somit  ausser  der  Stilbildung  auch  die  Einführung ­
  in  die  deutsche  Literatur.
Neben  Mozart  hatte  sieh  von  den  früher  gebrauchten  Büchern  nur  Heinrich ­
  Bone’s  „Handbuch  für  den  deutschen  Unterricht”  an  einigen  Gymnasien ­
  erhalten.  Dieses  ist  seiner  Einrichtung  nach  dem  Mozart’schen  Buche
insofern  verwandt,  als  es  neben  der  Stilbildung  auch  literaturkundliche  Belehrung ­
  anstrebt.  Nur  bietet  es  den  Lehrstoff  der  Rhetorik,  Poetik,  Literaturgeschichte ­
  und  Stilistik  in  besserer  Ordnung  und  in  einem  systematischen  Abrisse ­
  vereinigt.  Der  Lesestoff  repräsentirt  alle  Perioden  der  deutschen  Literaturgeschichte ­
  und  ist  vom  18.  Jahrhundert  an  in  Poesie  und  Prosa  gesondert.  Der
prosaische  Theil  enthält  unter  andern  auch  eine  Auswahl  ästhetischer  Abhandlungen ­
  (wie  Mozart’s  3.  Band)  besonders  in  den  Abschnitten:  „Sprache  und
sprachliche  Darstellung”,  sowie  „Kunst  und  allgemeine  Aesthetik”.  Die  religiöse ­
  Tendenz  des  Bone’schen  Handbuches  aber  verfolgt  das  Mozart’sche  Lesebuch ­
  nicht.  —
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.