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Mittelschulen: I. Deutsche Sprache und Literatur.
fehlt, so bietet das Buch doch Gelegenheit, Hauptgrundsätze der Metrik, Poetik
und Stilistik in Beispielen zu erläutern.
Der zweite Band bietet eigentlich literar-historischen Lehr- und Lesestoff.
Die ersten 55 Blätter enthalten eine TTebersicht der deutschen Literaturgeschichte
von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, freilich in ziemlich ungeordneten
bibliographischen und biographischen Notizen nach Pischon und Hüppe. Die
Literatur des 17., 18. und 19. Jahrhunderts ist durch poetische und prosaische
Lesestücke repräsentirt. Was vor dieser liegt, blieb ausgeschlossen, weil man auf ein
specielles mittelhochdeutsches Lesebuch rechnen konnte. — Goethe’s „Iphigenie auf
Tauris”, welche schon vor 1848 eine Zierde der sonst dürftigen „Sammlung deutscher
Beispiele” bildete, ist auch hier wieder vollständig abgedruckt. — Den Schluss
des Buches machen Anmerkungen, welche etwa 6 Bogen füllen.
Der dritte Band enthält in seinem ersten Theile systematisch geordnete
Abhandlungen über poetische und prosaische Darstellungsformen als Grundlage
für ästhetische Erörterungen, im zweiten Theile aber Beispiele poetischer und
prosaischer Darstellung nach ästhetischen Gesichtspuncten geordnet, theilweise
mit theoretischen Einleitungen. — Die ästhetischen Abhandlungen sind den
Schriften Lessing’s, Sulzer’s, Herder’s, Goethe’s, Schiller’s, J. P. Richter’s, Wilhelm’s
von Humboldt und Heinrich Kurz entnommen. — Die Anmerkungen
sind hier nicht mehr am Schlüsse gesammelt, sondern jedem Lesestücke beigefügt.
Dieser dritte Band sollte hinreichenden Stoff bieten zu einer „analytischen
Aesthetik”, welche der Lehrplan für die oberste Classe vorschreibt.
Alle drei Bände des Mozart’schen Lesebuches lassen einen geordneten
Lehrgang erkennen. Man beginnt mit den Grundbegriffen der Metrik, Poetik
und Stilistik das Studium der Literatur, lehrt sodann dieselbe historisch auffassen,
und schliesst die Literaturkunde ab mit ästhetischen Erörterungen, welche
sich an gegebene künstlerische Objecte knüpfen lassen. — Als Aufgabe des
deutschen Unterrichtes erscheint somit ausser der Stilbildung auch die Einführung
in die deutsche Literatur.
Neben Mozart hatte sieh von den früher gebrauchten Büchern nur Heinrich
Bone’s „Handbuch für den deutschen Unterricht” an einigen Gymnasien
erhalten. Dieses ist seiner Einrichtung nach dem Mozart’schen Buche
insofern verwandt, als es neben der Stilbildung auch literaturkundliche Belehrung
anstrebt. Nur bietet es den Lehrstoff der Rhetorik, Poetik, Literaturgeschichte
und Stilistik in besserer Ordnung und in einem systematischen Abrisse
vereinigt. Der Lesestoff repräsentirt alle Perioden der deutschen Literaturgeschichte
und ist vom 18. Jahrhundert an in Poesie und Prosa gesondert. Der
prosaische Theil enthält unter andern auch eine Auswahl ästhetischer Abhandlungen
(wie Mozart’s 3. Band) besonders in den Abschnitten: „Sprache und
sprachliche Darstellung”, sowie „Kunst und allgemeine Aesthetik”. Die religiöse
Tendenz des Bone’schen Handbuches aber verfolgt das Mozart’sche Lesebuch
nicht. —