Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

262

Mittelschulen:  II.  Deutsche  Sprache  und  Literatur.

mitgereehnet)  oder  wenigstens  die  Ilerbstmonate  Zeit  Hess,  die  umfangreichen
Themen  auszuarbeiten.  Auch  wurden  die  Schüler  angeleitet,  sich  einen  Zettelkasten ­
  anzulegen  und  verwandten  Stoff  unter  gewisse  Schlagwörter  zu  gruppiren.
Ueber  die  Orthographie  ist  bemerkt,  dass  sie  aus  der  besonnenen  und  vernünftigen ­
  Anwendung  der  durch  die  deutsche  Sprachforschung  und  die  mittelhochdeutsche ­
  Lectüre  erschlossenen  Ergebnisse  hervorgegangen  sei.  „Das  sogenannte ­
  Dehnungs  h  und  Dehnungs  e  und  ähnlicher  Unsinn”  sei  denn  auch  in
örtern,  bei  denen  das  Auge  sie  nicht  mehr  vermisste,  „unter  keiner  Bedingung ­
  geduldet  worden”.  Von  den  Sprachtüchtigsten  wünschte  der  Lehrer
soviel  wie  möglich  die  „aus  der  historisch-organischen  Entwicklung  der  Sprache”
abgeleitete  Orthographie,  die  aber  den  anderen  Schülern  geradezu  verboten
ward.  —
Wer  eine  minder  deutliche  Handschrift  besass,  Hess  seine  Arbeit  abschreiben ­
  und  setzte  nur  seinen  Hamen  bei.  —
Wir  müssen  es  uns  versagen,  hier  sämmtliche  Themen  anzuführen,  welche
von  Schülern  des  Kleinseitner  Gymnasiums  ausgearbeitet  und  zur  Vorausstellung
eingesendet  wurden.  Aber  es  ist  unsre  programmmässige  Aufgabe  über  dieses
Ausstellungsobject  im  Ganzen  ein  Urtheil  abzugeben.
Liest  man  die  Erläuterung,  so  wird  man  gestehen  müssen,  dass  Dr.  Walter
sich  fast  durchweg  zu  gesunden  didaktischen  Principien  bekennt  und  dass  er
sowohl  den  Organisations-Entwurf,  als  die  einschlägige  Literatur  über  deutschen
Unterricht  kennt.  Auch  ist  hervorzuheben,  dass  er  mit  seltenem  Eifer  der  Aufforderung ­
  der  Behörde  nachgekommen  ist,  die  Weltausstellung  zu  beschicken.  —
Hach  F  orschrift  der  amtlichen  Erläuterungen  zum  Special-Programm  für
die  Gruppe  XXVI.  Abth.  B.  sind  nicht  bloss  eigentliche  Stilübungen,  sondern
auch  solche  Arbeiten  vorgelegt  worden,  deren  Zweck  zunächst  die  Aneignung
eines  bestimmten  Unterrichts-Stoffes  gewesen. 1 )
Erstere  zeigen  im  Allgemeinen  eine  löbliche  Gewandtheit  im  Ausdrucke,
sowie  Klarheit  und  Sicherheit  in  der  Anordnung,  wenn  passende  Themen  Vorlagen, ­
  wie:  „Hoth  entwickelt  Kraft”,  „Schwert,  Zunge  und  Feder,  die  mächtigsten ­
  Waffen  u.  a.  Dass  manche  Schüler  des  Kleinseitener  Gvmnasiums
das  Deutsche  unter  dem  hindernden  Einflüsse  des  Cechischen  schreiben,  wird
Hiemand  Wunder  nehmen.  —  Auch  wird  ein  erfahrener  Schulmann  einzelne
stilistische  Mängel  nicht  zu  hoch  anrechnen,  denn  absolute  Vollkommenheit  wird
an  keinem  Gymnasium  der  V  eit  erreicht.  Die  Correctur  des  Lehrers,  welche
an  den  Schularbeiten  ersichtlich  ist,  zeigt  von  Genauigkeit  und  Strenge,  und
die  Reinschriften  beweisen,  dass  sie  auch  erfolgreich  gewesen.
Aus  den  Arbeiten  zweiter  Kategorie  ist  das  Streben  ersichtlich,  über  den
obligaten  Lehrstoff  des  Gymnasiums  hinauszugehen  und  tiefer  in  die  wissen-1)
  Das  Verzeichniss  führt  mehr  Themen  auf,  als  in  den  Heften  vorliegen.  —  Im  Berichte
werden  die  Themen  nach  dem  Verzeichnisse  citirt,  wo  nicht  ausdrücklich  von  der  Arbeit  des  Schülers ­
  die  Rede  ist.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.