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Full text : Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

B.  Im  Ober-Gymnasium.  3.  Schriftliche  Aufsätze.

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schaftlichen  Gebiete  einzudringen,  als  es  in  der  Lehrstunde  möglich.  —  Es  ist
stets  ein  Beweis  gesteigerten  geistigen  Lebens  einer  Anstalt,  wenn  Schüler  von
solchem  Streben  beseelt  sind,  und  es  gereicht  den  Lehrern  zur  Ehre,  wenn  die
Anregung  von  ihnen  ausgeht.
So  verdienen  die  Abhandlungen:  „Herodot  und  der  persische  Hof”,  „Das
alte  Germanien,  vorzugsweise  nach  Tacitus”,  „Klopstock  als  Dichter  und  sein
epochemachendes  Wirken  in  der  deutschen  Literatur”,  „Meine  Schweizer-Heise”
alle  Anerkennung.
Eine  sorgfältige  Prüfung  der  Themen  und  ihrer  Ausarbeitung  lässt  aber
doch  manche  Erscheinung  gewahren,  die  man  als  eine  Verirrung  der  Methode
bezeichnen  muss. 1 )
In  den  Schularbeiten  ist  die  Sucht,  vom  Gegenstände  abzuschweifen,  auffallend. ­
  Da  dieselbe  von  der  Correctur  stets  gerügt  wird,  so  ist  sie  nur  daraus
zu  erklären,  dass  die  Themen  zu  allgemein  gestellt  waren.  —  Ganz  merkwürdig ­
  vergriffen  wurde  von  manchem  Schüler  das  an  sich  nicht  schwierige
Thema:  „Gefährlich  ist’s,  den  Leu  zu  wecken  u.  s.  w.”  —  Auch  das  Thema:
„Denrath  ist  der  Weg  aus  der  Tiefe  zur  Höhe”  wurde  nicht  allgemein  verstanden. ­

Vielseitige  Bedenken  unter  den  Eachgenossen  erregten  besonders  die
Themen  zu  den  „freien  Arbeiten”.  Eine  grosse  Anzahl  gehören  offenbar  zu
den  verstiegenen  Themen,  welche  nun  und  nimmer  in  den  Bereich  des
Gymnasial-Unterrichtes  passen 2 ).  Entweder  sind  sie  zu  abstract,  als  dass
sie  der  junge  Geist  ganz  zu  fesseln  vermöchte,  oder  sind  sie  zu  umfassend  für
eine  Schülerarbeit,  oder  endlich  sind  sie  ihrem  Inhalte  nach  für  die  Jugend
pädagogisch  bedenklich.
So  herrscht  zum  Beispiel  in  der  Ausführung  Themen:  „Die  sittliche
Bildung  der  Bürger  ist  die  Grundbedingung  staatlichen  W  ohlseins”  oder  „über
die  staatlichen  und  gesellschaftlichen  "V  erhältnisse  des  18.  Jahrhunderts  und
ihren  Einfluss  attf  die  deutsche  Literatur”,  „über  das  Wesen  der  Satire  u.  s.  w.,

1)  Eine  abfällige  Kritik  der  schriftlichen  Arbeiten  des  Kleinseitner  Gymnasiums,  welche  die
„Deutsche  Zeitung”  vom  21.  April  1875  brachte,  veranlasste  Herrn  Dr.  Walter,  eine  Verteidigungsschrift ­
  an  Se.  Excellenz,  den  Minister,  zu  richten,  welche  manche,  allerdings  unbegründete  Vorwürfe ­
  zurückweist,  andere  zu  erklären  sucht.  —  Da  mir  diese  Schrift  zur  Einsicht  vorliegt,  werde
ich  auf  dieselbe  gelegentlich  hinweisen.  •—
2)  Herr  Dr.  Walter  versichert  freilich,  dass  er  die  Themen  immer  aus  der  Atmosphäre  des
Unterrichtes  genommen  und  beruft  sich  zur  Rechtfertigung  mancher,  die  bedenklich  scheinen  könnten, ­
  auf  Laas,  welcher  sagt:  „Aus  den  Samenkörnern,  die  der  Unterricht  auswarf,  springt  das  Thema
wie  von  selbst  heraus,  seltsam  und  fremdartig  nur  für  den,  der  seine  Genesis  nicht  kennt.  Sehr  in
Acht  nehmen  muss  sich  daher  häufig  der  Fremde,  solche  Themata,  die  ihn  frappiren,  die  er  namentlich ­
  zu  hoch  findet,  zu  verurteilen.  Er  weiss  nicht,  wie  vorbereitet  es  der  Schüler  getroffen  hat.”
(Deutscher  Aufsatz,  S.  193.)  —  So  richtig  das  ist,  so  kann  doch  Niemand,  der  Laas’  Bücher  kennt,
leugnen,  dass  seine  Methode  überhaupt  sehr  leicht  zur  Verstiegenheit  führt.  Und  aus  der  Vertheidigungssehrift
  des  Dr.  Walter  geht  hervor,  dass  derselbe  das  Buch  von  Laas  früher  durchstudirt
hat,  bevor  der  Referent  der  „Deutschen  Zeitung”  ihm  dasselbe  als  Canon  empfehlen  konnte.
            
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