B. Im Ober-Gymnasium. 3. Schriftliche Aufsätze.
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schaftlichen Gebiete einzudringen, als es in der Lehrstunde möglich. — Es ist
stets ein Beweis gesteigerten geistigen Lebens einer Anstalt, wenn Schüler von
solchem Streben beseelt sind, und es gereicht den Lehrern zur Ehre, wenn die
Anregung von ihnen ausgeht.
So verdienen die Abhandlungen: „Herodot und der persische Hof”, „Das
alte Germanien, vorzugsweise nach Tacitus”, „Klopstock als Dichter und sein
epochemachendes Wirken in der deutschen Literatur”, „Meine Schweizer-Heise”
alle Anerkennung.
Eine sorgfältige Prüfung der Themen und ihrer Ausarbeitung lässt aber
doch manche Erscheinung gewahren, die man als eine Verirrung der Methode
bezeichnen muss. 1 )
In den Schularbeiten ist die Sucht, vom Gegenstände abzuschweifen, auffallend.
Da dieselbe von der Correctur stets gerügt wird, so ist sie nur daraus
zu erklären, dass die Themen zu allgemein gestellt waren. — Ganz merkwürdig
vergriffen wurde von manchem Schüler das an sich nicht schwierige
Thema: „Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken u. s. w.” — Auch das Thema:
„Denrath ist der Weg aus der Tiefe zur Höhe” wurde nicht allgemein verstanden.
Vielseitige Bedenken unter den Eachgenossen erregten besonders die
Themen zu den „freien Arbeiten”. Eine grosse Anzahl gehören offenbar zu
den verstiegenen Themen, welche nun und nimmer in den Bereich des
Gymnasial-Unterrichtes passen 2 ). Entweder sind sie zu abstract, als dass
sie der junge Geist ganz zu fesseln vermöchte, oder sind sie zu umfassend für
eine Schülerarbeit, oder endlich sind sie ihrem Inhalte nach für die Jugend
pädagogisch bedenklich.
So herrscht zum Beispiel in der Ausführung Themen: „Die sittliche
Bildung der Bürger ist die Grundbedingung staatlichen W ohlseins” oder „über
die staatlichen und gesellschaftlichen "V erhältnisse des 18. Jahrhunderts und
ihren Einfluss attf die deutsche Literatur”, „über das Wesen der Satire u. s. w.,
1) Eine abfällige Kritik der schriftlichen Arbeiten des Kleinseitner Gymnasiums, welche die
„Deutsche Zeitung” vom 21. April 1875 brachte, veranlasste Herrn Dr. Walter, eine Verteidigungsschrift
an Se. Excellenz, den Minister, zu richten, welche manche, allerdings unbegründete Vorwürfe
zurückweist, andere zu erklären sucht. — Da mir diese Schrift zur Einsicht vorliegt, werde
ich auf dieselbe gelegentlich hinweisen. •—
2) Herr Dr. Walter versichert freilich, dass er die Themen immer aus der Atmosphäre des
Unterrichtes genommen und beruft sich zur Rechtfertigung mancher, die bedenklich scheinen könnten,
auf Laas, welcher sagt: „Aus den Samenkörnern, die der Unterricht auswarf, springt das Thema
wie von selbst heraus, seltsam und fremdartig nur für den, der seine Genesis nicht kennt. Sehr in
Acht nehmen muss sich daher häufig der Fremde, solche Themata, die ihn frappiren, die er namentlich
zu hoch findet, zu verurteilen. Er weiss nicht, wie vorbereitet es der Schüler getroffen hat.”
(Deutscher Aufsatz, S. 193.) — So richtig das ist, so kann doch Niemand, der Laas’ Bücher kennt,
leugnen, dass seine Methode überhaupt sehr leicht zur Verstiegenheit führt. Und aus der Vertheidigungssehrift
des Dr. Walter geht hervor, dass derselbe das Buch von Laas früher durchstudirt
hat, bevor der Referent der „Deutschen Zeitung” ihm dasselbe als Canon empfehlen konnte.