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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

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Mittelschulen: II. Deutsche Sprache und Literatur. 
Pädagogische Bedenken erregt übrigens auch das Verfahren des Herrn 
Lehrers bei der Correetur der Aufgaben. — Der Organisation - Entwurf em 
pfiehlt, bei freien Schülervorträgen die Mitschüler zu einer mündlichen Meinungs 
äusserung aufzufordern, um ihre Theilnahme zu wecken; diese Methode hat sich 
als Redeübung vielfach bewährt, wenn der Lehrer es überhaupt verstanden, eine 
Debatte zu leiten. Der Schüler spricht da vor seinen Mitschülern als seinem Pub 
licum, und die Kritik derselben ist durch die Situation motivirt. Anders verhält es 
sich aber, wenn die Schularbeit, deren Beurtheilung nur Aufgabe des Lehrers 
sein kann, der dieselbe in eine übliche Note zusammenfasst, einem Mitschüler 
zur Beurtheilung gegeben wird. — Der Verfasser des Aufsatzes, der auf jeden 
Tadel von Seite des Lehrers gefasst ist, wird leicht verletzt durch eine Bemer 
kung des Mitschülers, dem er eine Berechtigung zu urtheilen in diesem Falle 
nicht zuerkennt. Und es ist immer eine Verkehrung der Schulordnung, wenn eine 
wichtige Arbeit des Lehrers Schülern übertragen wird. — Weit entfernt, die 
Schüler an eine leidenschaftslose Kritik zu gewöhnen, dürfte dieses Verfahren 
eher die persönlichen Hetzereien und Neckereien unter den Schülern fördern. 
Man daif nur einen Blick in die Jahresberichte thun, um sich zu überzeugen, 
dass diese Schülerarbeiten des Kleinseitner Gymnasiums durchaus nicht den 
Zustand des Aufsatzwesens auf österreichischen Mittelschulen repräsentiren. 
Die Mehrzahl der Themen sind in schulmässigen Gränzen gehalten und Ver 
irrungen, wie sie hier vorliegen, finden sich selten. Die Maturitätsarbeiten des 
heurigen Jahres, welche man noch zur Ausstellung erwartet, werden das 
hoffentlich bestätigen. 
C. An der Kealschule. 
Bericht von Professor Dr. A. Thurnwald in Wien. 
1. Gesetzliche Bestimmungen. 
Die Stundenzahl für den deutschen Unterricht wurde für die Unter-Real 
schule und deren Abarten (die unselbstständigen Realschulen mit 2 u. 3 Classen) 
durch den Organisations-Entwurf von 1849 folgendermassen normirt: 
I. II. III. IV. Classe. 
Vollständige Unterrealschule: 4 4 4 5 
Unselbständige Realschulen: 4 5 3 
3 3. 
Als Unterrichtsziel für die vollständige Unterrealschule war gesteckt: 
Richtiges Lesen und Sprechen; Sicherheit im schriftlichen Gebrauche der Sprache 
ohne Fehler gegen Grammatik, Orthographie, Interpunction; Kenntniss der For 
men der gewöhnlichen Geschäftsaufsätze, Anfänge zur Bildung des Geschmackes 
durch Memoriren und Vortrag von Gedichten und prosaischen Aufsätzen blei 
benden Werthes, welche den Schülern erklärt sind. 
Nach den einzelnen Classen vertheilte sich der Lehrstoff folgendermassen:
	        
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