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Mittelschulen: III. Moderne Sprachen.
B. Französische und englische Sprache.
Bericht von den Professoren Dr. Ferdinand Lotheissen und Johann Högel in Wien.
1. Gesetzliche Bestimmungen.
Schon lange fühlte man allseitig die Nothwendigkeit, in dem Studienplan
der Ober-Realschulen den humanistischen Rächern grösseren Raum zu gewähren,
und den Schülern dieser Anstalten wenigstens einen Theil des grossen formalen
Rildungsmittels zu bieten, welches die Gymnasien in dem Studium der classischen
Sprachen besitzen. Konnte man auch nicht daran denken, den Unterricht
in den letzteren einfach in die Ober-Realschulen zu übertragen, so bot sich
doch ein gewisser Ersatz für dieselben in dem Studium der modernen Sprachen,
sofern man sie nicht lediglich zur praktischen Verwerthung im Leben bestimmt
betrachtete, sondern sie als Mittel der geistigen Gymnastik, als treffliche
Hilfe zur Förderung der allgemeinen Bildung der Schüler in dem Unterrichte
benützen wollte.
Der Plan, eine solche immerhin sehr eingreifende Umänderung des Lehrplanes
Yorzunehmen, erheischte sorgfältige Ueberlegung. An den Real-Gymnasien
war allerdings das Französische und Englische insoweit als obligater
Gegenstand eingeführt, dass die Schüler der oberen Classen, die kein Griechisch
erlernten, eine jener Sprachen wählen mussten, und diese Regel besteht auch
heute noch. An den Realschulen aber waren bis dahin die modernen Sprachen,
Französisch, Englisch, Italienisch, wie an den Gymnasien, nur facultativ gewesen,
und hatten sehr wenig Beachtung gefunden. Nun handelte es sich darum,^
ob es möglich wäre, in dem Lehrplan einer jeden Realclasse eine Zahl von
^ ® Stunden wöchentlich für das Studium derselben zu gewinnen. Sollten die
Schüler dabei nicht durch die Arbeit erdrückt, und somit der gehoffte geistige
Gewinn von vornherein unmöglich gemacht werden, so musste ein Mittel gefunden
werden, den Unterricht in manchen anderen Fächern, unbeschadet des
Resultates, zu vereinfachen.
Schon seit dem Jahre 1865 richtete das Unterrichts - Ministerium seine
Aufmerksamkeit auf diese Frage. Es veranstaltete vielfache und eingehende
Erörterungen, als deren Ergebmss sich die Ueberzeugung herausstellte, dass die
in Aussicht genommene Erweiterung des Lehrplanes der Ober-Realschulen unabweislich
war, zumal dieselben zu den technischen Hochschulen in ein ähnlich
enges \ orhaltmss traten, wie es zwischen den Gymnasien und den Universitäten
schon so lange besteht, und man demgemäss an die Abiturienten der Ober-Realschule
höhere Ansprüche in Bezug auf geistige Reife und Ausbildung
stellen musste.