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Full text : Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

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Mittelschulen:  III.  Moderne  Sprachen.

B.  Französische  und  englische  Sprache.
Bericht  von  den  Professoren  Dr.  Ferdinand  Lotheissen  und  Johann  Högel  in  Wien.

1.  Gesetzliche  Bestimmungen.
Schon  lange  fühlte  man  allseitig  die  Nothwendigkeit,  in  dem  Studienplan
der  Ober-Realschulen  den  humanistischen  Rächern  grösseren  Raum  zu  gewähren,
und  den  Schülern  dieser  Anstalten  wenigstens  einen  Theil  des  grossen  formalen
Rildungsmittels  zu  bieten,  welches  die  Gymnasien  in  dem  Studium  der  classischen
  Sprachen  besitzen.  Konnte  man  auch  nicht  daran  denken,  den  Unterricht
in  den  letzteren  einfach  in  die  Ober-Realschulen  zu  übertragen,  so  bot  sich
doch  ein  gewisser  Ersatz  für  dieselben  in  dem  Studium  der  modernen  Sprachen,
sofern  man  sie  nicht  lediglich  zur  praktischen  Verwerthung  im  Leben  bestimmt
betrachtete,  sondern  sie  als  Mittel  der  geistigen  Gymnastik,  als  treffliche
Hilfe  zur  Förderung  der  allgemeinen  Bildung  der  Schüler  in  dem  Unterrichte
benützen  wollte.
Der  Plan,  eine  solche  immerhin  sehr  eingreifende  Umänderung  des  Lehrplanes ­
  Yorzunehmen,  erheischte  sorgfältige  Ueberlegung.  An  den  Real-Gymnasien ­
  war  allerdings  das  Französische  und  Englische  insoweit  als  obligater
Gegenstand  eingeführt,  dass  die  Schüler  der  oberen  Classen,  die  kein  Griechisch
erlernten,  eine  jener  Sprachen  wählen  mussten,  und  diese  Regel  besteht  auch
heute  noch.  An  den  Realschulen  aber  waren  bis  dahin  die  modernen  Sprachen,
Französisch,  Englisch,  Italienisch,  wie  an  den  Gymnasien,  nur  facultativ  gewesen, ­
  und  hatten  sehr  wenig  Beachtung  gefunden.  Nun  handelte  es  sich  darum,^ ­
  ob  es  möglich  wäre,  in  dem  Lehrplan  einer  jeden  Realclasse  eine  Zahl  von
^  ®  Stunden  wöchentlich  für  das  Studium  derselben  zu  gewinnen.  Sollten  die
Schüler  dabei  nicht  durch  die  Arbeit  erdrückt,  und  somit  der  gehoffte  geistige
Gewinn  von  vornherein  unmöglich  gemacht  werden,  so  musste  ein  Mittel  gefunden ­
  werden,  den  Unterricht  in  manchen  anderen  Fächern,  unbeschadet  des
Resultates,  zu  vereinfachen.
Schon  seit  dem  Jahre  1865  richtete  das  Unterrichts  -  Ministerium  seine
Aufmerksamkeit  auf  diese  Frage.  Es  veranstaltete  vielfache  und  eingehende
Erörterungen,  als  deren  Ergebmss  sich  die  Ueberzeugung  herausstellte,  dass  die
in  Aussicht  genommene  Erweiterung  des  Lehrplanes  der  Ober-Realschulen  unabweislich
  war,  zumal  dieselben  zu  den  technischen  Hochschulen  in  ein  ähnlich
enges  \  orhaltmss  traten,  wie  es  zwischen  den  Gymnasien  und  den  Universitäten
schon  so  lange  besteht,  und  man  demgemäss  an  die  Abiturienten  der  Ober-Realschule
  höhere  Ansprüche  in  Bezug  auf  geistige  Reife  und  Ausbildung
stellen  musste.
            
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