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Mittelschulen: IV. Religions-Unterricht.
aber die Cultusgemeinden autonom sind und eine religiöse Centralbehörde bei
uns in Oesterreich nicht existirt, so ist es selbstverständlich, dass die Lehr
pläne für den Religions - Unterricht an den einzelnen Gymnasien mehr oder
minder von einander abweichen. Rur so viel lässt sich doch im Allgemeinen
behaupten, dass Bibel im Urtexte, biblische und jüdische Geschichte und syste
matische Religionslehre wohl überall das Unterrichts-Materiale bilden; aber das
Ausmass der einzelnen Fächer und ihr Yerhältniss zu einander ist je nach der
Zeit, die dem Gegenstände zugewendet wird, und nach den Yorkenntnissen
der Schüler sehr verschieden.
Für den Unterricht der Bibel in der Ursprache und für die Gebetiiber-
setzung werden, wie in der Volksschule, die verschiedensten Ausgaben der
heiligen Schrift und des Gebetbuches übersetzt. Als grammatische Hilfsbücher
stehen vorzugsweise in Verwendung:
1. Stern M. E.: „Leitfaden der hebräischen Sprache.” Wien 1871. 6. Auf
lage.
2. Bondi E.: „Theoretisch-praktisches Lehrbuch der hebräischen Sprache.”
Prag 1856. 3. Auflage.
3. Goldmann Moses: „Praktischer Unterricht der hebräischen Sprache.”
Prag 1863. 2. Auflage.
Die Laut- und Formenlehre der hebräischen Sprache wird (am
ausführlichsten in 3, am kürzesten in 1) mit weitgehender Anlehnung
an die deutsche Grammatik und Nomenclatur dem Schüler (und zwar
in 1) in katechetischer Form vorgeführt. Zur Erlernung der Paradig
mata sind Tabellen und zur Einübung der Hegeln in 1 und 3
Uebungsbeispiele beigegeben. Als Anhang enthält noch 3 ein Wurzel-
vocabularium, 2 eine neuhebräische Chrestomathie.
4. Mährisch-schlesischer israelitischer Lehrerverein: „Praktischer
Lehrgang zur Erlernung der hebräischen Sprache für die Unterclasse der
israelitischen Religionssehulen.” Prag 1873.
Rach der Ahn-Ollendorfsehen Methode werden hier die elemen
tarsten Formen der hebräischen Nominal- und Verbal-Flexion dem
Schüler in systematisch geordneter Reihenfolge vorgeführt und durch
passende kurze Sätze, die zur praktischen Einübung beigegeben sind,
erläutert.
Bei dem Unterrichte in der biblischen Geschichte und in der Geschichte
des Judenthums werden vorzugsweise folgende Werke benützt:
1. Stössel Moritz: „Biblische Geschichte zum Gebrauche für den israe
litischen Religionsunterricht an Gymnasien und Realschulen.” Brünn 1858.
II. Heft.
Die Geschichte von der Entstehung der Weit bis zum Ende der Richter
zeit (weiter reicht die Arbeit des inzwischen dahingeschiedenen Verfassers
nicht) ist so erzählt, dass dabei immer die Verwerthung des Stoffes
für die religiöse Belehrung und Anregung das Hauptaugenmerk bildet.