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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

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Mittelschulen: YI. Geschichte. 
nicht bloss als Mittel zur allgemeinen Bildung, sondern auch zur Erwerbung 
bestimmter im Leben verwendbarer Kenntnisse verwerthet wissen will. 
Diese Richtung war auch in der Gymnasial-Enquete, die vom Ministerium 
im Herbst 1870 zur Berathung über Reformen dss Organisations-Entwurfes 
zusammen berufen wurde, vorherrschend. 
Während die ungarischen Länder nach ihrer Loslösung vom Gesammt- 
reiche den Geschichts-Unterricht auf sieben Jahre erweiterten 1 ), beschloss die 
Enquete, für die österreichischen Länder den Lehrstoff zu vermehren, ohne die 
Lehrzeit zu erweitern. Der betreffende Beschluss lautet: Der Unterricht in 
der Geschichte ist bis zur Gegenwart fortzuführen. Eür den Unterricht 
in der Geographie ist ein Lehrplan festzustellen, der 8 Jahre umfasst und für 
dieses Each besondere Lehrstunden — jedoch ohne Yermehrung der 
Gesammtstundenzahl für Geographie und Geschichte festsetzt. 
Mit Berücksichtigung dieses Beschlusses, aber in richtiger Erkenntniss 
der Unmöglichkeit, einen grossem Lehrstoff in gleicher Zeit zu bewältigen, er- 
liess das Ministerium für Cultus-und Unterricht am 12. August 1871, Z. 85G8 eine 
Verordnung, durch welche die bisher geltenden Rönnen für den geographischen 
und geschichtlichen Unterricht abgeändert wurden. 
Hach diesem wird in der I. Classe nur geographischer Unterricht ertheilt. 
In der II. Classe sind zwei Stunden der Geographie, zwei Stunden der 
Geschichte zugewiesen. Letztere besteht in einer Uebersicht der Geschichte des 
Alterthums. 
In der III. Classe hat die Geographie zwei, die Geschichte nur eine 
Stunde wöchentlich. Für diese ist eine Uebersicht der Geschichte des Mittel 
alters, am Schlüsse Recapitulation derselben mit Hervorhebung der charak- 
1) Der Geschichtsunterricht wird in dem ungarischen Lehrplan in 3 Stufen gegliedert. 
In dem Unter-Gymnasium beginnt er mit der Hl. Classe; daselbst wird (in wöchentlich 
2 Stunden) nach Vorausschickung der Hauptmomente aus der Weltgeschichte vor den Zeiten der 
Ungarn (wozu 4- Monate bestimmt sind) die Geschichte der Ungarn bis zum Aussterben der Arpaden 
gelehrt. — 
In der IV. Classe wird in 2 wöchentlichen Stunden die Geschichte der Ungarn mit steter 
Berücksichtigung der gleichzeitigen weltgeschichtlichen Ereignisse fortgesetzt und beendigt. 
Im Ober-Gymnasium wird in wöchentlich 3 Stunden in der V. Classe Alterthum mit 
besonderer Rücksicht auf die griechische und römische Geschichte und Mythologie, in der VI. 
Classe das Mittelalter und die Neuzeit gelehrt. 
An den Lyceen ist für alle Studirenden: 
in VII (I) Classe (in 4 wöchentlichen Stunden) Universalgeschichte des Alterthums und Mittel 
alters bis zur Entdeckung Amerika’s; 
in VIII (11) Classe (in 4 wöchentlichen Stunden) Universalgeschichte der Neuzeit von der 
Entdeckung Amerika’s bis auf unsere Tage; 
in IX (111) Classe pragmatische Geschichte Ungarns vorgeschrieben. Ausserdem haben noch 
Studirende, welche der rec h ts wi sse nscha ftl ich e n Richtung angehören: 
in Vll (1) Classe (in wöchentlich 4 Stunden) römische Geschichte ausführlich mit steter 
Berücksichtigung der Staats- und Rechtsverhältnisse und in VIII (II) Classe (in wöchentlichen 
3 Stunden) Kirchengeschichte mit Bezug auf die entsprechenden Geschichtsereignisse und Berück 
sichtigung des Kirchenrechts zu lernen.
	        
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