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Mittelschulen: VI. Geschichte.
auf wenige Individuen beschränkt, können sie mit einigem Erfolge benützt
werden.
Diesem Mangel sucht theilweise das mit Ministerial-Erlass vom 27. März
1869 empfohlene, im Verlage von C. Hoffmann in Stuttgart erschienene „Album
des classischen Alterthums” und die hauptsächlich für akademische Vor
träge berechneten „Wandtafeln zur Veranschaulichung antiken Lebens
und antiker Kunst von Ed. von der Launitz” abzuhelfen. Aber auch in
diesem sind die einzelnen Bilder entweder nicht gross genug, um zu gleicher
Zeit von allen Schülern einer zahlreichen Classe gesehen werden zu können,
oder doch nicht mit Rücksicht auf die besonderen Bedürfnisse des Gymnasiums
ausgewählt.
Oesterreich blieb es Vorbehalten, diesem langgefühlten Mangel in den
erst jüngst erschienenen „Denkmälern der Kunst,” Bilder zur Geschichte
für Mittelschulen und verwandte Lehranstalten von Jos. Langl (Wien
1872 Holzel) abzuhelfen. Mit Ministerial-Erlass vom 27. September 1872
wurden dieselben für die genannten Anstalten empfohlen.
Langl’s Denkmäler sind naturgetreue Darstellungen der uns erhaltenen Ueber-
reste des Alterthums. Grundsätzlich vermied es dieser Künstler, an den erhal
tenen Trümmern Restaurationen vorzunehmen. Hur bei dem Tempel von Aegina
ist diess der Eall, da sich derselbe durch das vorhandene Materiale ohne grosse
Beihilfe der Phantasie reconstruiren lässt. Dass er die Tempel auf der Insel
Philae nicht in dem jetzigen, sondern in dem weniger trümmerhaften Zustande,
wie sie in den Zeichnungen der Description de l’Egypte erhalten sind, abbildete,
wird ihm Niemand als Abweichung von seinem Grundsätze anrechnen. Die einzelnen
Bilder sollen in erster Reihe die Kunstentwicklung in ihren charakteristischen
Formen zur Anschauung bringen und so diesen Theil der Culturgeschichte ver
ständlich machen. Sie bieten aber ausserdem zahlreiche Anknüpfungspuncte an
die Geschichte selbst und an andere Zweigen der Culturgeschichte. So z. B.
kann bei den ägyptischen Bauten durch Hinweisung auf die auf denselben
vorkommenden und von Langl mit grosser Sorgfalt copirten Reliefs die
Schrift, Kleidung, Kriegführung, Religion etc. der Aegypter besprochen wer
den. Und welcher Lehrer könnte bei Hinweisung auf die grossartigen Trüm
mer der Akropolis des Perikies und der Blüthezeit hellenischen Cnlturlebens
vergessen?
Die Auswahl der zur Behandlung gelangten Objecte entspricht dem vor
gezeichneten Zwecke.
Von Indien sind dargestellt: der unterirdische Grottentempel von Ele-
phanta mit seinen gewaltigen Pfeilern, dem Brustbilde des Trimurti und an
deren phantastischen Sculpturen, die Kailasa von Ellora in ihren zierlichen,
in dem Felsen sorgfältig ausgearbeiteten Bauten mit mannigfachen Sculptur-
werken und einem reichen architektonischen und figuralischen Schmucke und die
Grottentempel von Mahamalaipur an der Ostküste Koromandels.