Volks- und Bürgerschulen: II. Kinder-Bewahranstalt und Kindergarten.
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tigungen und Spiele des Kindergartens aufgenommen, einige derselben sich seit
Jahren zu wirklichen Volkskindergärten umgestaltet. Unter den letzteren wären
folgende hervorzuheben.
An der k. k. priv. Baumwollspinnerei und Weberei zu Pettendorf in
Niederösterreich wurde im Jahre 185U durch den damaligen General-Director
Freiherrn v. Popp eine Kinderbewahranstalt ins Leben gerufen, um jene Kinder
aufzunehmen, deren Mütter in der Fabrik beschäftigt sind. Diese Anstalt
wurde unter der gegenwärtigen Direction im Jahre 1860 zu einem Kindergarten
umgestaltet, der so wie früher die Bewahranstalt gänzlich auf Kosten
der Fabrik erhalten wird. Lin geräumiges Locale, sowie für den Sommer ein
angemessener, schöner Gartenplatz, bieten den Kindern einen gesunden und
angenehmen Aufenthalt. Die noch nicht schulpflichtigen Kinder besuchen, vom
zurückgelegten zweiten Lebensjahre angefangen, den Kindergarten täglich während
der ganzen Arbeitszeit, die schulpflichtigen bringen die schulfreie Zeit im
Kindergarten zu. Die Anzahl der Kinder beläuft sich durchschnittlich auf 100,
die von einer Kindergärtnerin und einer Gehilfin beaufsichtigt und beschäftigt
werden. Die innere Einrichtung stimmt, soweit es die Umstände erlauben, mit
dem FröbePschen System überein.
Auch die Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugesellschaft hat in Inzersdort
tiir die Kinder ihrer Arbeiter in ähnlicher Weise gesorgt.
Die israelitische Kinder bewahr anstatt in Wien, im Jahre 1843 von
Herrn Joseph Bitter v. Wertheimer gegründet, ward seit ihrem Bestehen von
gesünderen Principien geleitet, als die meisten Institute dieser Art; jeder eigentliche
Untenicht war strenge ausgeschlossen, und die Entwicklung des Körpers,
des Geistes und Gemüthes wurde in naturgemässer Weise angestrebt. Seit dem
Jahre 1850 besitzt die Anstalt, Dank den Bemühungen des aus dem Gründer,
seiner Gattin und sechs anderen angesehenen Damen zusammengesetzten Vorstandes,
ein Gebäude, das im Erdgeschosse Bcschäftigungs- und Spiolsäle,
Garderobezimmer und Küche, sowie die sonst erforderlichen Bäumlichkeiten,
und im ersten Stocke die Wohnung des Institutsleiters enthält, und zu welchem
ein grosser, mit schattigen Bäumen, Gras- und Sandplätzen versehener
Garten gehört. Die drei- bis sechsjährigen Kinder jener Aeltern, die während
des Tages ihrem Erwerbe nachgehen, werden hier im Sommer von 8 Uhr
Morgens bis 5 Lhr Abends, im Winter von 9 bis 4 Uhr beaufsichtigt und
zweckmässig beschäftigt, indem seit dem Jahre 1863, zu welcher Zeit dem
Beferenten und seiner Gattin die Leitung der Anstalt übertragen wurde, an derselben
alle Beschäftigungen des Kindergartens eingeführt sind. Der weitaus
grösste Theil der Zöglinge, deren Zahl sich unter normalen Verhältnissen auf
ISO beläuft und die von der Leiterin und drei Kindergärtnerinnen beaufsichtigt
weiden, genicsst in der Anstalt gegen sehr geringes Entgelt eine gesunde und
schmackhafte Mittagskost. Die sanitäre Uebcrwachung versieht seit dem Bestehen
der Anstalt der humane, praktische Arzt, Herr Dr. D. Winternitz, der