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Full text : Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

2.  Ausstellungsobjecte.  417
Von  den  an  der  Donau  und  südlich  derselben  liegenden  Ländern  nennen  wir
zuerst  Niederösterreich  mit  Wien,  das  sich  bei  dem  grossen  Wettkampfe
zwar  nicht  mit  allen  Kräften  betheiligte,  dennoch  aber  eine  dominirende  Stelle
einnimmt.')
Es  haben  die  Staats-Oberrealschulen  Landstrasse  und  Schottenfeld, ­
  wie  auch  die  Communal-Oberrealschule  Rossau  sammt  den  mit
diesen  Anstalten  in  Verbindung  stehenden  gewerblichen  Fortbildungsschulen
Schülerarbeiten  im  Zeichnen  und  Modelliren  und  zwar  in  mustergiltiger  Weise
ausgestellt.
Der  Lehrgang  und  die  Resultate  in  der  unter  Grandauer’s  und  Zeilner’s
Leitung  stehenden  Landstrasser  Zeichenschule  müssen  schon  darum  besonders
hervorgehoben  werden,  weil  daselbst  auf  das  systematische  Conturzeiehnen
jenes  Gewicht  gelegt  wird,  welches  allein  den  einstigen  Erfolg  verbürgen
kann.
Die  Schottenfelder  Ober-Realschule  hat  nicht  nur  im  Freihandzeichnen ­
  unter  Klein’s  bewährter  Führung  tüchtige  Schularbeiten,  sondern  auch
vorzügliche  geometrische  Zeichnungen  wie  auch  eminente  Modellirarbeiten
ausgestellt.  Der  letztgenannte  Gegenstand  ist  in  Cesar’s  bewährten  Händen,
das  geometrische  Zeichnen  wird  von  Professor  Koch  gelehrt.
Die  Schülerarbeiten  der  Rossauer  Communal-Oberrealschule  im  geometrischen ­
  und  Freihandzeichnen,  so  wie  die  Arbeiten  eines  und  desselben  Schülers
durch  alle  VII  Classen  hindurch  geben  ein  klares  und  vollständiges  Bild  des
Zeichenunterrichtes  an  österreichischen  Ober-Realschulen.  Dieselben  sind  sammt
den  betreffenden  Lehrplänen  nach  den  einzelnen  Classen  geordnet,  wodurch  das
Ganze  jene  TJebersichtlicbkeit  ermöglicht,  die  man  bei  den  meisten  Schulausstellungen
  zu  gewinnen  nicht  im  Stande  ist.  Anerkennung  fanden  auch  die
Zeichnungen  und  die  leider  etwas  zu  naturalistisch  gehaltenen  Modellirarbeiten
der  gewerblichen  mit  dieser  Anstalt  verbundenen  Fortbildungsschule.  Der
bildliche  Lehrplan  des  gesammten  Zeichenunterrichtes  an  Ober-Realschulen  ist
gleichfalls  von  dieser  Anstalt  eingesendet  worden.
Von  dem  ehemaligen  Professor  dieser  Schule,  Franz  Smital  (f  1867),
ist  ein  methodischer  Lehrgang  für  den  Zeichenunterricht  ausgestellt,  welcher  für
den  Druck  bestimmt  ist  und  den  Intentionen  des  leider  zu  früh  verstorbenen
Meisters  das  beste  Zeugniss  gibt. 2 )  So  viel  wir  wissen,  war  Smital  der
erste  Lehrer,  der  den  Freihand-Zeichenunterricht  nicht  nur  in  der  I.,  sondern
auch  in  den  hohem  Classen  durch  vor  den  Augen  der  Schüler  gemachte  V  orzeichnungen
  auf  der  Schultafel  methodisch  betrieben  hat.
Vom  k.  k.  Oberbaurath  Bergmann  in  Wien  sind  mehrere  Mappen  mit
1)  Von  den  sieben  älteren  Wiener  Realschulen  haben  bloss  drei,  von  den  Gymnasien  bloss  zwei
die  Vorausstellung  beschickt.
2)  Dieses  Werk  ist  eigentlich  für  Volks-  und  Bürgerschulen  bestimmt,  doch  eignet  es  sich
auch  für  Mittelschulen.
II.

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