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Mittelschulen: XIII. Stenographie.
Machen wir nun, am Ende unserer Besprechungen angelangt, einen ku rzen
Rückblick auf das ganze Gebiet der Ausstellungs-Objecte, so können wir die
Thatsache constatiren, dass im Grossen und Ganzen ein erfreulicher Fortschritt
bemerkbar ist, in so ferne die letzte Pariser Weltausstellung zum Massstab
genommen wird. Unser „Können” ist ausser allen Zweifel gestellt, und ist
auch der Weg, der zum Ziele führt, ein besserer geworden. Damit sagen wir
aber auch, was wir für verbesserungsfiihig halten.
In den ganzen Zeichenunterricht soll durch möglichste Conformität der
Lehrpläne siiinmtlicher Kronländer volle Uebereinstimmung gelangen; die aus
dem Kreise strebenden oder in excentrischen Bahnen sich bewegenden müssen
in den vorgeschriebenen Planlinien erhalten, andere — zum Glücke wenige
auf den richtigen Weg geleitet und mit den nöthigen Unterrichtsmitteln ver
sehen werden. Die grossen Divergenzen in den gebrauchten Lehrmitteln sollen
durch die Intervention der Regierung und gesetzliche Approbation des in dieser
Richtung Brauchbaren verschwinden, die richtige Lehrmethode den Lehramts-
Candidaten durch praktische Anleitungen beigebracht werden.
1 üi gewerbliche und andere Specialzwecke wären eigene in allen Tages
und Abendstunden offen gehaltene Zeichenschulen (Permanenz-Zeichenschulen)
zu errichten und durch tüchtige Fachmänner in ihrer Richtung zu erhalten.
Ferner wollen wir freimüthig gestehen, dass, wenn Ausstellungen von
Unterrichts-Objecten, insbesondere von Schülerarbeiten im Allgemeinen schon
grosse Schwierigkeiten bieten, diess ganz vorzüglich vom Zeichnen gilt, da aus
gestellte Proben nicht viel beweisen, alle Schülerzeichnungen einer Classe aber
mit Rücksicht auf den verfügbaren Raum doch nicht auf Weltausstellungen exponirt
werden können.
XIII. Stenographie.
Bericht von Professor Karl Faulmann in Wien.
1. Geschichte des Unterrichts in Oesterreich.
Die Einführung der Stenographie als Unterrichts-Gegenstand in die Mittel
schulen beruht auf der Erwägung, dass es Angesichts der Fortschritte auf dem
Gebiete der W issenschaft, welche die Anforderungen an die geistige Thätigkeit
der Schüler steigern mussten, nur billig sei, den Schülern auch jene Erfindung
dci Keuzeit zugänglich zu machen, welche das Schreibgeschäft sehr erleichtert
und den Schülern die Möglichkeit gewährt, den gesteigerten Anforderungen der
Gegenwart ohne Ueberanstrengung ihrer physischen Kräfte zu genügen.
Die Stenographie fand in Oesterreich schon frühzeitig Würdigung und
Verbreitung. Drei Jahre, nachdem das erste stenographische Werk (von Mosen
geil 1797) in Deutschland erschienen war, veröffentlichte der k. k. Oberlieutenant