2. Lehr- und Lesebücher.
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graphie-Systeme dazu ausgewählt, mehr wie jede andere Regierung hat sie für
diesen Unterrichtszweig gethan, in Polge dessen hat aber auch die Stenographie
in Oesterreich eine grössere Verbreitung gefunden als irgendwo. Der unaus
bleibliche volkswirtschaftliche Nutzen dieses Voranschreitens Oesterreichs
wird sich allerdings erst geltend machen, wenn die jetzige Schülerwelt heran
gewachsen sein wird; aber schon gegenwärtig hat Oesterreich die Befriedigung,
in seiner Unterrichtsausstellung einen neuen Unterrichtszweig vorführen zu
können, dem eine grosse Zukunft bevorsteht, und welcher auch von anderen
Ländern Beachtung und Nachahmung finden w r ird.
2. Lehr- und Lesebücher.
Gabelsberger veröffentlichte sein System der Stenographie in dem
Werke: Anleitung zur deutschen Redezeichenkunst (München 18u4), einem
Quartbande von mehr als 500 Seiten, der zwar ein ehrendes Zeugniss
deutscher Gründlichkeit ist, aber gerade wegen seines grossen Umfanges und
dem entsprechenden Preise einer schnellen Verbreitung der Stenographie nicht
förderlich war. Auch war mit diesem Buche das System nicht abgeschlossen,
es folgten die „Neuen Vervollkommnungen etc.”, (München 1843), in welchen
Kürzungen der Artikel und Zeitwörter, sowie das Satzkürzungsverfahren ver
öffentlicht wurden.
Unter diesen Umständen machte sich schon früh das Bedürfniss nach kürzeren
Lehrbüchern geltend, und es erschien:
1. Heger: „Praktisches Handbuch der Steno-Tachygraphie.” Wien 1846.
2. „ „Kurze Grammatik der Steno-Tachygraphie als Leitfaden für den
öffentlichen Unterricht.” Wien 1846.
Im Jahre 1848, als das Bedürfniss nach stenographischen Lehrmitteln
besonders lebhaft empfunden wurde, war Gabelsberger s Originalwerk gerade
vergriffen, eine neue Auflage wurde durch äussere Umstände verzögeit, und diess
war die Ursache, dass sowohl in Deutschland wie in Oesterreich eine grosse
Anzahl von Lehrbüchern der Gabelsberger’sche Stenographie auftauchte. In
Oesterreich erschienen:
1. Honig W.: „Kurze Anleitung zur Erlernung der Stenographie etc.”
Wien 1849.
2. Kapretz J.: „Anleitung etc.” Laibach 1849.
3. Riegl J. 0.: „Anleitung etc.” Prag 1850.
4. „Lehrbuch der deutschen Stenographie”, herausgegeben vom I. öster
reichischen Stenographen-Bureau. Wien 1850.
Unter diesen Lehrbüchern hat sich nur das letztere wegen seiner guten
Methode eine grössere Verbreitung erworben, es wurde im Jahre 1854 appro-
birt und bei dem Unterrichte in den Wiener Lehranstalten eingeführt.
In Deutschland erschien nach Gabelsberger’s Tode (1849) von seinen Schülern
herausgegeben die II. Aufl. von Gabelsberger’s Anleitung, (München 1850);