2. Ausstellung.
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Aufgabe setzten. Nachdem durch freiwillige Beiträge ein Gründlings - Capital
von ca. 1500 fl. zusammen gebracht war und die Stadtgemcinde zwei schöne
Lehrzimmer in einem Schulhause dem betreffenden Comite zur Verfügung
gestellt hatte, wurde am 4. October 1872 der Kindergarten eröffnet, dessen
Leitung der Instituts-Vorsteherin Frl. Antonie van Crasbeck übertragen wurde
und an welchem zwei in Gotha ausgebildete Kinder - Gärtnerinnen wirken.
Derselbe ist seit 1. März 1873 von 80 Kindern besucht. Jetzt geht man
daran, in Linz einen Verein zur Errichtung von Kindergärten ins Leben zu
rufen, und sobald einmal das Linzer Institut sich bewährt hat, gedenkt man
beim h. Unterrichtsministerium die Bewilligung zur Eröffnung eines Lehrcurses
für Kindergärtnerinnen einzuholen.
2. Ausstellung.
Das wirksamste Mittel zur Verbreitung von Kindergärten kann und wird
sicherlich die Ausstellung bieten, umsomehr, als schon die Vorausstellung die
erfreulichsten Beweise von der Thätigkeit der bisher in Oesterreich noch in
geringer Anzahl vorhandenen Institute liefert.
Wir lassen die Ausstellungs-Objecte in der Ordnung auf einander folgen,
wie sie uns in dem Saale, in dem sie untergebracht waren, entgegentreten.
Es lallt uns da vor Allem ein von Herrn R. Em. Selber in Aussig a/E.
ausgestelltes Modell in die Augen, welches seinen Kindergarten, bestehend
aus einem Bewegungssaale, zwei Beschäftigungssälen und dem Garten, und die
damit verbundene Vermittlungsclasse (Elementarclasse) im verkleinerten Mass-
stabe (1 zu 12) darstellt. In den einzelnen Abtheilungen befindet sich die
vollständige Einrichtung: Tische, Bänke, Tafeln und Schränke; in der letzteren
stehen Spielmittel und fertige Arbeiten. An den Wänden hängen Tafeln, die
einzelnen Beschäftigungen nach der Reihenfolge, aber natürlich ebenfalls in
verkleinertem Massstabe, darstellend. Von grossem Interesse ist der Garten,
worin sämmtliche Gartengeräthe: Karren, Schaufeln, Rechen, die Beete der
Kinder und die Beete mit den Nutzpflanzen auf das Natürlichste nachgeahmt
sind, indem die Form jedes Blattes an Bäumen und Sträuchen genau nach der
Natur copirt ist. Zu dem Ganzen gehöx-t eine Collectiv - Sammlung, die
sämmtliche Beschäftigungen, nach der richtigen Grösse, in den verschiedenen
Abtheilungen geordnet, einschliesst. Herr Selber hat das Verdienst, in dieser
Collectiv-Sammlung die Fortführung der Beschäftigungen des Kindergartens in
der Elementar-Classe zur Darstellung gebracht zu haben.
Ein anderes Modell stellt das Kindergarten - Seminar des Decans Doctor
Mathias Hörfarter in Kufstein dar. Im Erdgeschosse befindet sich der
Kindergarten mit einem Beschäftigungszimmer, dessen Einrichtung aus zwei
quadrirten Arbeitstischen, je für 12 Kinder, und 2 Bänken in entsprechender
Grösse besteht, und einem Spielzimmer, das nur ein Fortepiano und einen