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Full text : Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

1.  Gesetzliche  Bestimmungen.

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liehe  Vorbildung  eine  absolvirte  Mittelschule  oder  Lehrer-Bildungsanstalt  und
nebst  der  sachlichen  praktischen  und  theoretischen  Bildung  (über  Zweck,  Geschichte, ­
  Literatur,  Systeme,  Kenntniss  des  Baues  der  Geritthe  und  der  Anlage
von  Turnplätzen)  auch  die  Kenntniss  des  menschlichen  Körpers  in  anatomischphysiologischer ­
  Beziehung  gefordert  wird.
Es  wurden  Prüfungs-Commissionen  für  das  Lehramt  des  Turnens  eingesetzt ­
  in  Wien  (October  1870),  in  Lemberg  und  Graz  1873.
In  folgerichtigem  Zusammenhänge  damit  stand  die  Anordnung  (Ministerial-Erlass
  vom  1.  März  1871,  13.718)  eines  Cyclus  von  Vorträgen  über
Theorie  des  Turnens,  welche  unter  Betheiligung  von  50  Lehrern  und
Lehrerinnen  im  k.  k.  akademischen  Gymnasium  abgehalten  wurden.  Durch  hohen
Ministerial-Erlass  vom  22.  August  1871,  Z.  6705  wurde  ebenfalls  in  Wien  ein
Turn-Curs  für  Candidaten  der  Mittelschule  eingerichtet,  mit  der  Aufgabe,
die  Theilnehmer  in  4  Semestern,  bei  6  wöchentlichen  Stunden,  theoretisch  und
praktisch  für  das  Turn-Lehramt  heranzubilden.  Als  Locale  wurde  der  Turnsaal ­
  des  k.  k.  Realgymnasiums  im  IX.  Bezirke,  ein  Lehrzimmer  daselbst  und
ein  Cabinet  angewiesen,  letzteres  zur  Aufstellung  einer  Bücher-  und  Geräth
modell-Sammlung,  welche  unter  Einem  bewilliget  wurde.
An  der  Spitze  des  citirten  Erlasses  wird  ausgesprochen,  es  sei  künftig
darauf  „hinzuwirken,  dass  an  jeder  Mittelschule  einer  oder  der  andere  der
wirklichen  Lehrer  die  Befähigung  zur  Leitung  oder  Ertheilung  des  Turnunterrichtes ­
  besitze.”
Der  erwähnte  Turncurs  fand  gleich  anfangs  eine  erfreuliche  Beteiligung
von  Seite  der  Elemente,  für  die  er  berechnet  war,  und  erhält  mit  diesem  Schuljahre ­
  seinen  Abschluss.
Die  Errichtung  eines  ähnlichen  Turncurses  steht,  dem  Vernehmen  nach,
für  das  nächste  Schuljahr  in  Graz  bevor.
Eine  Vergleichung  der  erwähnten  Einrichtungen  in  Oesterreich  mit  denen
des  deutschen  Reiches  ergibt,  da  letztere  zumeist  als  Vorbild  gedient  haben,
eben  desshalb  im  Wesen  eine  ziemlich  zutreffende  Analogie.  Nur  für  die.  Bildung ­
  von  Turnlehrern  höherer  Schulen  bestehen  ausser  Oesterreich  grossartigere
Veranstaltungen,  wie  die  Turnlehrer  -  Bildungsanstalten  in  Berlin,  Diesden,
München,  Stuttgart,  Carlsruhe.  Es  muss  aber  hiezu  bemerkt  werden,  dass  der
Werth  dieser  Anstalten,  deren  thatsächliche  Leistungen  allgemeine  Anerkennung
erfahren,  insoferne  nur  als  ein  relativer  angesehen  wird,  als  je  eine  deiselben
für  ein  grösseres  Land  nicht  ausreicht.  Es  haben  in  diesem  Sinne  zwei  auf
einanderfolgende  Turnlehrer-Versammlungen  (Stuttgart  1867,  Görlitz  1869)  Resolutionen ­
  des  Inhaltes  gefasst:  dass  Turnlehrkräfte,  wie  für  die  Volksschule
in  Lehrer-Seminarien,  so  für  höhere  Schulen  in  der  Regel  an  Universitäten  ge
bildet  werden  mögen.
            
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