2. Ausstellung.
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von Kästchen, Chatouillen und anderen übrigens recht netten Gegenständen
möchten wir für Bazare, aber nicht für eine instructive Ausstellung empfehlen,
da der Laie dadurch nur zu leicht irregeführt wird.
Herr Vittorio Castiglioni aus Triest stellt die ersten sechs Gaben
Fröbel’s (die Bälle sind als Fröbel’sche viel zu gross) und eine ganze B.eihe
von Arbeiten aus. Die Letzteren rühren wohl aus dem Seminar für Kinder
gärtnerinnen her, da z. B. eine sehr schöne, aber sehr schwierige Muster
enthaltende Ausschneideschule aus buntem Papier vorliegt. Besonders hervor
gehoben zu werden verdienen die Faltformen, die in solcher Mannigfaltigkeit
wohl selten zu sehen sind. Aus allen Arten der Grundformen gebildet, sind
sie in den verschiedensten Combinationen in kunstvoller Weise ausgeführt.
Aus dem Kindergarten des Directors H. Stein in Wien liegen Blecht-,
Ausstech- und Näharbeiten — von letzteren Schönheitsformen, Köpfe, Thiere
und Pflanzen — mehrere Kaltformen (Lebensformen), Lesezeichen, Korkarbeiten
u. a., durchgehends Kinderarbeiten, vor. Ausserdem hat Herr Stein in einem
Glaskasten aus Einem Stück geschnittene, ohne jedes Klebmittel zusammen
gefügte Papierarheiten und Verbindungen von Stäbchen durch Ringe (von
beiden Arten meist im Kleinen dargestellte Möbel) zur Ausstellung gebracht.
Der Herr Aussteller will damit eine neue Art von Kormenarbeiten, die zu
gleich als Anschauungsmittel dienen können, in die Schule einführen.
Aus dem ersten Neubauer Kindergarten in Wien ist eine voll
ständige Sammlung der Beschäftigungsmittel und ausgeführter Arbeiten vor
handen. Es ist das Flechten in Papier, mit Band, Wachstuch, Leder, das
freie Flechten, das Falten, Ausstechen, Nähen, Stäbchenverhinden und Thon
modelliren reichlich vertreten, und sämmtliche mit den Namen der Kinder
bezeiehnete Arbeiten sind sehr nett ausgeführt. Auch hier erblicken wir eine
Menge von Gegenständen, als: Kalender, Wandkörbe, Serviettenbänder, Zünd
hölzchen-Etuis u. s. w., wie sie von Kindern als Weihnachts- oder Namenstags-
Geschenke gefertigt und von dem Buchbinder reich ausgestattet werden.
Aus dem Kindergarten des Directors J. Heinrich in Prag liegt eine
prächtig gebundene Mappe vor, welche aut 4 Kartonblättern Flecht- und Näh
arbeiten enthält. Stimmen wir auch mit dem Herrn Einsender vollkommen
darin überein, dass „durch prunkvolle Arbeiten, die den Zöglingen unter
schoben werden, der Kindergartensache ein schlechter Dienst erwiesen wird”,
so bezweifeln wir doch, dass dieselbe dadurch gewinne, wenn der Laie zu
der Meinung gebracht wird, dass sich die Leistungen des Kindergartens auf
einige Flecht- und Nähformen beschränken. — Drei Photographien geben An
sichten des zur Heinrich’schen Anstalt gehörigen Gartens.
Auch der Volkskindergarten in Prag bringt in einer Mappe Flecht-,
Ausstech- und Nähformen, ohne irgend einen Stufengang, zur Anschauung.
Aus dem Kindergarten in Prossnitz (Mähren) sehen wir einzelne aus
gestochene Blätter, eben solche Mappendeckel und einen Lampenschirm (sehr