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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

A. Volksschule. 12. Gesangsunterricht. 13. Turnunterricht. 
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nachgeschrieben ist. In den wenigen dort vorkommenden Gesangsübungen er 
scheint der gegenwärtig an allen Volksschulen gebräuchliche Violinschlüssel 
vollständig ausgeschlossen. 
Seit der Reorganisation der Lehrer-Bildungsanstalten vom Jahre 1870 
macht sich das Bediirfniss nach einer gründlichem musikalischen Schulung 
geltend, als die vorerwähnten, meist für Kinder berechneten Gesangsmethoden 
sie zu bieten vermögen. An den k. k. Bildungsanstalten für Lehrer und 
Lehrerinnen in Trient wurde daher der Gebrauch einer vom dortigen Gesang'- 
lehrer Antonio Micheletti verfassten und 1871 in Bozen herausgegebenen 
Gesangsmethode versuchsweise gestattet. Sie führt den Titel Metodo teorico- 
pratico di canto corale und erhielt vom 8. pädagogischen Congress in Venedig 
im Jahre 1872 die erste Preismedaille. Auch die Umschau unter den im italieni 
schen Ausland gebrauchten Gesanglehrbüchern bietet nicht viel Bemerkenswerthes. 
Am meisten benützt wird für Theorie: Die Methode für Choralgesang von 
Leoni, für G esangsübungen: Canti e melodie popolan für eine und mehrere 
Stimmen mit Clavierbegleitung von Giovanni Varisco. Beide Werke sind im 
Stabilimento musicale Ricordi in Mailand erschienen; das erstere ist zu kurz 
und rein theoretisch gehalten, das zweite enthält wohl reiches und treffliches 
Materiale für den Lehrer, aber die politischen Tendenzen huldigenden Liedertexte 
machen dasselbe ohne strenge Sichtung für österreichische Schulen nicht 
brauchbar. 
Zu bemerken ist, dass an den Lehrer-Bildungsanstalten in der Theorie 
alle 7 Schlüssel gelehrt werden; die Gesangsübungen aber in der Regel aut 
Violin- und Bassschlüssel beschränkt bleiben. 
13. Turnunterricht. 
Der Unterricht im Turnen findet in den Städten und bei grösseren Ge 
meinden lebhaften Anklang, während er sich in den Landschulen nur allmählig 
Bahn bricht. Die ältern Landschullehrer sind zur Ertheilung desselben un 
fähig, und die italienische Landbevölkerung sieht darin meist eine unnütze, zeit 
raubende, ja sogar mitunter gesundheitsschädliche Zerstreuung. 
Auf grosse Schwierigkeiten stösst ferner der obligate Turnunterricht an 
den italienischen Lehrerinnen - Bildungsanstalten (namentlich in Trient, weniger 
in Triest), wo tüchtige weibliche Lehrkräfte nicht verfügbar sind, und die 
Ertheilung des Unterrichtes durch männliche Lehrer mit den herrschenden 
Anschauungen ganz unvereinbar ist. 
Eür den Unterricht an den Volksschulen sind keine bestimmten Lehr 
bücher vorgeschrieben; meist gibt das ziemlich brauchbare Büchlein von Tarsillo 
Barberis: ALctivualß taovßtico-pvatico dt gzivyiastica ßlcnz&yitavG ad uso daTlß 
prirne scuole (Originale, Voghera 1870) den Lehrern die nöthigen Winke an die 
Hand, und werden überdiess benützt: Eraschini: Trattato di ginnastica dßdicata 
ulla gioventü ticviese (Original Belinzona) , und Cuida cti pvimi esevcizi ginnastici
	        
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