30
Volks- und Bürgerschulen: II. Kinder-Bewahraustalt und Kindergarten.
schön, aber auf Kosten der jugendlichen Augen gearbeitet), Nähblätter mit
Sach- und Zierformen (von ersteren z. B. Kugel, Walze und Würfel, die, mit
richtigem Verständnisse, von den Wiener Kindergärten plastisch in Thon dar
gestellt sind), Flechtblätter und geflochtene Lesezeichen, Faltformen, Ver
schränkformen und einige durch die Verbindung von Erbsen und Draht geformte
Gegenstände. Das Ganze verräth Fleiss und Eifer, aber nicht viel Geschmack.
Der Verein für Kindergärten in Gratz hat durch die eingesendeten
Kinderarbeiten (in kleinen Heften zusammengcstellten Reihenfolgen des Aus
stechens und Nähens, des Faltens und Zeichnens), sowie durch grössere mit
dem Namen „Emma Kubin” bezeichneto Arbeitsschulen und einige Ausstattungs
stücke neue Beweise seiner schon früher anerkannten Bestrebungen für die
Kindergartensache geliefert.
Von Frau Louise Opitz in Brüx: Flecht-, Ausstech- und Näharbeiten,
sowie gefaltete Sachformen, in richtiger Reihenfolge, aber nicht gefällig.
Von Marie Pederzolli, Hilfslehrerin an der Mädchenschule in Rove-
redo, liegen Reihenfolgen des Flechtens, Faltcns, Ausschneidens, Verschnürcns
und Ausstechens vor. Es fehlt jede genauere Angabe, von wem die Arbeiten
ausgeführt sind; dass dieselben nicht in einem Kindergarten entstanden sein
können, sehen wir an den sehr gelungenen, aber auch sehr schwierigen Aus
stecharbeiten.
Der vom Prager Frauen-Erwerbverein errichtete Curs für Kinder-
gäi tnerinnen hat schon nach der kurzen Zeit seines Bestehens schöne Resul
tate aufzuweisen. Es war ein glücklicher Gedanke des Vorstandes, nebst den
Flocht-, Ausstech- und Näharbeiten und den Zeichnungen auch schiüftliche
Arbeiten der Schülerinnen auszustellen. Denselben geht ein kurzer Bericht
der Section für den Curs der Kindergärtnerinnen voraus. Die Aufsätze der
Candidatinnen bringen sowohl Ausarbeitungen theoretischer, den Kindergarten
betreffende Themen, wie: Gedanken über Zweck und Einfluss des Kindergartens,
über den Zweck der dritten Gabe, als auch Besprechungen, wie sie mit den
kleinen Zöglingen gehalten werden, und die Behandlung von Bewegungsspielen.
Damit wäre die Aufzählung der im engsten Sinne auf den Kindergarten
Bezug habenden Ausstellungsobjecte erschöpft, da wir die übrigen diesen sich
anschliessenden Spiel- und Lehrmittel als nicht hioher gehörig bezeichnen
müssen.
Die von der israelitischen deutschen Volksschule in Pilsen ausge
stellten Zahlenbilder mögen sich für den ersten Unterricht im Zählen ganz
brauchbar erweisen; gegen die Bezeichnung „für den Kindergarten” müssten
wir jedoch protestiren, nachdem dem Kindergarten in den Bausteinen, den
Flcchtstreifen, besonders aber in den Legestäbchen die geeignetsten Mittel zur
Weckung des Zahlensinnes und zur Uebung der Zahlenanschauung geboten sind.
Ebenso liegt das Metathesenspiel der Clementine Schosserer
ausserhalb des Bereiches des Kindergartens. Auch dem Punct- und Linienspiel