B. Mittelschule. 4. Deutsche Sprache. 475
dass die erworbene Note auf die allgemeine Zeugnissclasse nur nach der
günstigen Seite Einfluss zu nehmen hahe. Aehnliches geschah am k. k. Ober-
Gymnasium in Capo d’Istria, während an den italienischen Mittelschulen und
an der k. k. Handels- und nautischen Akademie in Triest die deutsche Sprache
nach wie vor ein obligater Unterrichts-Gegenstand verblieb. Aber auch an den
italienischen Gymnasien Tirols war durch freiwillige Betheiligung fast aller
Schüler die Nothwendigkcit hervorgerufen, den Unterricht wie früher, wenn
auch mit geringerem Erfolge gleichmässig durch alle Classen fortzuführen, so
dass über wiederholten Antrag der betreffenden Lehrkörper durch den Ministerial-
Erlass vom 5. Februar 1873 Z. 14475 auf Grund des §. 21 des Organisations-
Entwurfes die deutsche Sprache vom Schuljahre 1873/74 angefangen neuerdings
für die Gymnasien in Trient und Rovereto als obligater Unterrichts-Gegenstand
erklärt wurde. Da ferner an den italienischen Realschulen Tirols (durch
das Landesgesetz vom 30. April 1869) an jenen Istriens (durch das Landes
gesetz vom 19. December 1872) die deutsche Sprache als obligates Fach ge
lehrt wird, so kann vom künftigen Schuljahre an dieselbe abermals als Obligat-
Gegenstand an fast allen italienischen Mittelschulen (die dalmatinischen mit in
begriffen) bezeichnet werden.
Am Gymnasium sind denselben 2 — 3 Stunden, an den Realschulen in
den untern Classen meist 4 — 5, in den oberen 3 Stunden wöchentlich zu
gemessen.
Auf den oberen Stufen soll der Lehrer sich beim Unterrichte möglichst
der deutschen Sprache bedienen. Wo ferner die deutsche Sprache ein obligates
Lehrfach ist, bildet sie auch einen Gegenstand der Maturitäts-Prüfung.
a) Sprach- und Lesebücher.
Derselben gibt es eine grosse Anzahl theils approbirter, theils in Gebrauch
stehender. Mit wenigen Unterrichts-Gegenständen ist so vielfach expeiimentiit
worden, wie mit der deutschen Sprache an den italienischen Lehranstalten, und
gibt es wenige Lehrer dieses Sprachfaches in Italien, die nicht nach „eigenem
Lehrhuch” beim Unterrichte vorgehen. Dessen ungeachtet aher ist eine wirklich
gute deutsche Sprachlehre für Italiener noch heut zu Tage ein Schmerzensruf
der meisten Lehrer.
Unter den vielen Lehrbüchern sind ganz oder theilweise wieder ausser
Gebrauch gekommen: Manuale della lingua tedesca ad uso degh Italiani di
M. Debellak (Mailand 1857); Grammatica tedesca di Maschka (Mailand 1856);
Corso teoretico -pratico della lingua tedesca proposto dal D. G. Mühlberg
(Mailand 1858, wird nur noch in Rovereto gebraucht); C. Flügel Propedeutica
allo studio della lingua tedesca secondo i principi della linguistica universale
(Wien 1859); ferner die vielen Auflagen der deutschen Grammatik von
Dr. A. Filippi theils in den Originalausgaben, theils in den Umarbeitungen
von D. Bolza, sowie später von C. Flügel (Wien, Gerold), welche für die
lombardisch-venetianischen Gymnasien vorgeschrieben waren, und schliesslich