II. Öechisches Schulwesen. A. Bereich der Volksschule. 1. Das Lesebuch. 489
II. Cechisclies Schulwesen.
A. Bereich der Volksschule.
Bericht von Director Dr. G. A. Lindner in Kuttenberg.
1. Das Lesebuch.
„Der Sprachunterricht fällt mit dem Anschauungs-Unterrichte zusammen.”
„Der Unterricht in der Sprachlehre tritt nicht als theoretischer Unterrichts-Gegen
stand auf.”
„Der Unterricht in den Realien schliesst sich auf den unteren und mittleren Stufen
an die Fibel und die Schullesebücher an.”
Durch diese klaren und bündigen Weisungen der Schul- und Unterrichts-
Ordnung vom 20. August 1870 wurde dem elementaren Unterrichte eine neue
Richtung gegeben, welche das Lesebuch (Citanka) in den Mittelpunct desselben
stellt.
Dadurch wird das Lesebuch zum ersten, ausgezeichnetsten Lehrmittel.
Alle Fortschritte der Lehrkunst spiegeln sich in der Verfassung dieses Lehr
mittels ab, ihm muss vor Allem unsere Aufmerksamkeit zugekehrt sein.
Obwohl das Monopol des k. k. Schulbücher-Verlages auf die alleinige
Herausgabe der in der Volksschule zulässigen Schulbücher durch die neuere
Gesetzgebung erloschen ist, so finden wir den Unterricht in der cechischen
Volksschule gegenwärtig dennoch beinahe ausschliesslich an die im k. k. Schul-
bücher-Verlage erschienenen Lesebücher angelehnt.
Als Verfasser dieser Schullesebücher kann der um die Hebung des
cechischen Volksschul-Unterrichtes hochverdiente Domherr des Prager-Capitels
am VygehradKarl Vinaricky (f im Jahre 1869) angesehen werden. Im Jahre 1839
erschien von ihm die erste, auf Grundlage eingehender Sprachstudien verfasste
cechische Fibel:
Ceskd abeceda, aneb maleho Stendre knizka prvni. (Öechisches Alphabet
oder des kleinen Lesers erstes Buch.)
Dieses, mit vielem Beifalle aufgenommene und zunächst für den häuslichen
Vorbereitungs-Unterricht bestimmte Büchlein ist fast durchgehends in gebun-
dener Bede verfasst und wurde im Jahre 1850 unter dem Titel: Citanka
malickych (das Lesebuch der Kleinen) mit Illustrationen versehen wieder auf
gelegt. In Folge dessen erging im Jahre 1851 von Seite des k. k. Unterrichts-
Ministeriums an Karl Vinaricky der ehrenvolle Auftrag, eine cechische Fibel
für den Unterrichtsgebrauch in der Volksschule nach dem Muster der deutschen
und unter Berücksichtigung der „Schreiblesemethode” zu verfassen, welchem
Aufträge sich Vinaricky auch sofort unterzog. Sogleich wurde nach hundert
jährigem Bestände das System des Syllabirens mit dem naturgemässen Vorgänge
des Lautirens vertauscht, und der letztere, nicht ohne Misstrauen und Wider-