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Nichtdeutsches Schulwesen: II. Cechisches Schulwesen.
stand von Seite des gewohnheitsmässigen Schlendrians, allmählig ins Lehen
geführt. 1 ) Allein der Titel Slabikdf (Syllabirbuch) wurde auch in dieser neuen
Schulfibel 2 ) beibehalten. Mit Rücksicht auf die Schreiblesemethode wurde,
bei der Reihenfolge der Laute das morphologische Princip der Buchstaben
zeichen zu Grunde gelegt und daher nach den Yocalen der am leichtesten
darzustellenden Consonant j zuerst vorgeführt.
Gleichzeitig wurde von Vinaficky der Plan für die Schullesebücher der
II. und III. Classe entworfen und einer Commission Prager Schulmänner unter
dem Vorsitze des k. k. Schulrathes Wenzig vorgelegt. Nachdem dieser Plan
die Approbation des k. k. Unterrichts - Ministeriums gefunden hatte, wurde
Yinaficky mit der Redaction dieser Schullesebücher betraut. Die Bearbeitung
der einzelnen Abtheilungen derselben wurde durchgehends bewährten Fach
männern anheimgegeben, so dass ausser dem Redacteur selbst noch die
Schriftsteller: Domherr Y. Stule, Dr. Y. Stanek, Professor Krejßi, dann
Ministerial-Secretär (später Minister) Josef Jirecek und Seeretär Spatny als
Verfasser dieser Lesebücher erscheinen.
Nach zwölf Jahren unveränderten Bestandes wurde über Anregung der
Prager Lehrer-Versammlung eine Revision dieser Schullesebücher ver
anlasst, welche im Jahre 1865 auf Anordnung des k. k. Ministeriums einer
eigenen Revisions-Commission übertragen wurde. Diese Commission bestand
aus dem k. k. Schulrathe Johann Pätek als Vorsitzenden und aus den
Herren: Director Dr. K. Amerling, Oberlehrer St. Backora, Lehrerbildner
Y. Biba, Director P. Frost, Dompfarrer P. Kratochwil, Director J. Reh&k,
Lehrerbildner J. Walter und Canonicus K Yinaficky als Mitgliedern. Aus
dem Elaborate dieser Commission, welches beim k. k. Unterrichts-Ministerium
einer Superrevision unterzogen wurde, sind die gegenwärtigen im Schul
gebrauche befindlichen Lesebücher des k. k. Schulbücher-Verlages für die L, II.
und III. Classe hervor gegangen.
Die Fibel, welche erst jetzt den ominösen Namen Slabikdf ablegte, erschien
im Jahre 1865 unter dem Titel: Citanka pro prvni tfidu katolicktfch skol v
cisarstvi rakouskem (Lesebuch für die erste Classe der katholischen Schulen im
Kaiserthume Oesterreich) officiell auch Prvni citanka (erstes Lesebuch) genannt,
68 Seiten stark, Preis 8 kr., geb. 14 kr. Von dem früheren Slabikdf unterscheidet
sich dieses „erste Lesebuch” dadurch, dass es, abgesehen von dem Erfordernisse der
heutzutage immer mehr zur Geltung kommenden „Schreiblesemethode”, die schon
die frühere Slabikdf berücksichtigte, in der Aneinanderreihung der Laute von
1) Im Allgemeinen ist die ältere Generation noch im Systeme des Syllabirens ins Lesen ein
geführt worden, obschon einzelne, strebsame Lehrer schon früher der Methode des Lautirens
folgten. ,Jeh bin”, sagt ein Lehrer in Skola a zivot 1857 — 15 Jahre bei der Schule; die ersten ^
hielt ich mich getreu an das Syllabiren, die letzten 8 und gegenwärtig halte ich mich an die
Lautirmethode . . ." Darnach wäre das Lautiren um das Jahr 1850 herum in der Praxis aufgetreten.
2) Slabikdf a prvni citanka pro katolicke skoly v cisarstvi Rakouskem.