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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

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A. Bereich der Volksschule. 1. Das Lesebuch. 
dem morphologischen Principe der leichteren Schreibung der Schriftzeichen 
(Buchstaben) abgeht, und zu dem phonetischen Princip der leichteren Aus 
sprache der Laute wieder zurückkehrt, wobei allerdings, ankniipfend an die bei 
Säuglingen gemachten Erfahrungen über die ersten ausgestossenen Laute: 
mama, papa. . . die Mitlaute m und p die erste Stelle nach den Selbstlauten 
erhalten. Auch wird noch immer mit der stehenden lateinischen Druckschrift 
begonnen, anstatt mit den der Schreib- oder Handschrift so nahe kommenden 
Buchstaben der liegenden lateinischen Cursivschrift den Anfang zu machen, 
■wie es die anderen in cechischer Sprache vor und nach erschienenen Pibeln, 
unter ihnen insbesondere die neueste von Johann Hrdy 1 ) thun. •— Was 
den sachlichen Theil dieser neuen Pibel betrifft, so erscheint in demselben 
den Anforderungen der neueren Didaktik grössere Rechnung getragen; doch 
enthält auch diese Pibel keine Illustrationen, keine Buchstaben - Monogramme, 
keine Grundstriche für das Zeichnen und Schreiben und keine Versinnbildung 
der Grundzahlen. 
Im Jahre 1867 erschien anstatt der früher im Gebrauche gestandenen 
prvni citanka a mluvnice pro katolicke hkoly das neue Schullesebuch für die 
zweite Classe unter dem Titel: Citanka a mluvnice pro druhou tfidu obecnych 
skol (Lesebuch und Grammatik für die II. Classe der Volksschule). Obwohl es 
den Intentionen der neuen Unterrichts-Ordnung insofern Rechnung trägt, als 
es eine reiche und zweckmässige Wahl von Lesestücken aus dem Bereiche der 
Realien in sich aufgenommen hat, so finden wir darin dennoch in einem 
abgesonderten Anhänge eine theoretische Grammatik boigefügt, welche 
beweist, wie schwer es halte, sich von den früheren didaktischen Traditionen, 
nach denen der elementare Sprachunterricht den theoretischen Weg durch die 
Grammatik hindurch ging, zu trennen. 
Abermals zwei Jahre später, nämlich im Jahre 1869 erschien anstatt des 
früheren Leitfadens für die III. Classe das revidirte Lesebuch: Citanka a 
mluvnice pro tfeti tfidu obecnych skol (Lesebuch und Grammatik für die III. Classe 
der Volksschulen), 174 und 120 Seiten stark, Preis 40 kr., geh. 55 kr. mit 
3 Karten: der österreichischen Monarchie, Böhmens und endlich Mährens mit 
Schlesien. Beigefügt ist dem eigentlichen Lesebuche, welches eine hinreichende 
Auswahl entsprechender Lesestücke für den Unterricht in den Realien dar 
bietet, auch hier eine selbstständige theoretische Grammatik, welch 
die Satzlehre und eine kurze Anleitung zu schriftlichen Aufsätzen in sich fasst 
und nicht weniger als 120 Seiten einnimmt. 
Das Lesebuch für die IV. Classe ist mit Ausnahme einzelner zeitgemässer 
Veränderungen aus der früheren Periode herübergekommen, und werden so 
eben von Seite der obersten Unterrichtsbehörde Einleitungen getroffen, um auch 
dieses Lesebuch einer gewiss sehr nothwendigen Umgestaltung zuzufiihren, 
1) Prvni Htanka. Sestavil na zäklade vicelete skusenosti Jan Hrdy, II vyd. 
1873 A. Urbaneh 
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