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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

32 Volks- und Bürgerschulen: III. Unterricht in der deutschen Sprache. 
und das gesammte Fleclitmateriale zu so billigen Preisen zu haben, dass deren 
Anschaffung auch für Volkskindergärten und Bewahranstalten ermöglicht ist. 
Die in der Volksschule fortgeführten Formenarbeiten des Kindergartens 
sind durch eine Sammlung von Plechtarbeiten aus der Volksschule des 9. Be 
zirkes in Wien, die nach den oben erwähnten Fl echt Vorlagen Schellner’s recht 
sauber ausgeführt sind und durch Thonarbeiten von den Schülern der 3. Classe 
der Knaben-Bürgerschule im IV. Bezirke, Pressgasse, vertreten. Diese 
Thonarbeiten, vorzüglich geeignet, die mathematischen Körperformen zur deut 
lichen Anschauung und richtigen Auffassung zu bringen, sind mit ein Beweis 
von den Leistungen der auch sonst rühmlich bekannten Schule. 
Von Professor H. Deinhardt in Wien sind von demselben in Gemein 
schaft mit dem Lehrer Gläsel ausgearbeitete „Vorlagen für das geometri 
sche Ausschneiden in der Volksschule” ausgestellt. Die Verfasser sind 
auf diesem Gebiete schon durch ihre im Jahre 1866 bei C. Gerold’s Sohn er 
schienenen Schrift: „Das Stäbchenlegen und die Erbsenarbeiten im Volks 
schulunterrichte” bekannt, und es wäre zu wünschen, dass auch die „Vorlagen” 
bald veröffentlicht und somit der allgemeinen Benützung zugänglich gemacht 
würden. Wir hegen die innigste Ueberzeugung, dass durch die Einführung 
derselben in die Bürgerschule ein bedeutender Fortschritt in der so wichtigen 
Pflege des ästhetischen Sinnes und der technischen Fertigkeit angebahnt würde. 
III. Unterricht in der deutschen Sprache. 
Bericht von Director Robert Niedergesäss in Wien. 
1. Gesetzliche Bestimmungen. 
In der Literatur der österreichischen Volksschulbücher vor dem Jahre 
1850 ist eine gewisse Erstarrung des Hergebrachten nicht zu verkennen. Das 
A B C-(Kamen-) Büchlein und das erste Lesebuch (kleine Erzählungen), so 
wie die „Sprachlehre” datiren aus den achtziger Jahren des vorigen Jahr 
hunderts. Dass an massgebender Stelle eine Reform-Bedürftigkeit in dieser 
Richtung erkannt wurde, ist daraus abzunehmen, dass die Regierung bereits 
im Jahre 1840 die Verbesserung der Volksschul-Lesebücher anstrebte. Jedoch 
erst im September 1849 konnte das Unterrichts-Ministerium die Herbeischaffung 
der entsprechenden Manuscripte in die eigene Hand nehmen. Dass diese 
Reform auch damals noch ihre grossen Schwierigkeiten bot, ist aus der Polemik 
zu entnehmen, welche durch das Erscheinen der „Fibel” und des „Ersten 
Sprach- und Lesebuchs” in den Tagesblättern hervorgerufen wurde 1 ). 
1) S. „Oesterr. Correspondenz" Dcc. 1851, März 1852, „Volkshalle” Februar 1855 etc. etc.
	        
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