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Nichtdeutsches Schulwesen: II. öechisches Schulwesen.
Im Jahre 1856 erschien die Schrift: Katechetika von J. K. Skoda, welche
im Jahre 1864 eine zweite Auflage erlebte. Dieses Handbuch, welches sich
durch eine correcte Auffassung der Vorgänge des Seelenlebens vortheilhaft
empfiehlt, ist in Uebereinstimmung mit der üblichen psychologischen Drei-
theilung in drei Haupttheile gegliedert, die sich mit der Lehre von dem Er
kenntnis-, Gefühls- und Begehrungs-Vermögen beschäftigen. Die Behandlung
erhält jedoch durch die fortwährende Berücksichtigung der Bedürfnisse des
Katecheten (Beligionslehrers) insoferne einen eigenthümlichen Charakter, als
mit den allgemeinen Sätzen der Didaktik besondere Betrachtungen über litur
gische Dinge aufs engste verflochten sind.
Im Jahre 1860 erschien die nachmals in 2. verbesserter Auflage heraus
gegebene Schrift: Didaktiha cili navedeni ku vyucovdni skolnimu (Didaktik oder
Anleitung zum Schulunterrichte) von TornaS Vorbes. Nach einer vorausgeschick
ten Abhandlung über „Lehrerberuf’ handelt diese systematisch gehaltene Schrift
im I. Theile über den Schulunterricht in Beziehung auf den Schüler, den Lchr-
gegenstand und den Lehrer, und beschäftigt sich im II. Theile mit der körperlichen
Erziehung, der Schulzucht und den Pflichten des Lehrers. In Gemässheit des
für Pädagogien vorgezeichneten Lehrplanes, nach welchen die Erziehungs- und
Unterrichtslehre” im Zusammenhänge mit der „Geschichte der Pädagogik” zu
behandeln ist, hat derselbe Verfasser erst neuestens seine Obrazy z dejin
vychovatelstvi (Bilder aus der Geschichte der Pädagogik) veröffentlicht, welche
mehr in systematischer Anordnung, als der bescheidene Titel vermuthen Hesse, und
im engen Anschlüsse an die allgemeine Culturgeschichte eine mit grossen
und lebhaften Zügen hingeworfene Skizze der pädagogischen und Schulzustände
aller Zeiten vor uns entrollen.
Im Jahre 1863 erschien P. J. Sulc: Pädagogika vseobeend tili nave
deni k rozumnemu vychovdni ditek (Allgemeine Pädagogik, oder Anleitung zu
einer vernünftigen Erziehung der Kinder), welche Schrift mehr für die häus
liche, als für die öffentliche Erziehung berechnet ist.
Eine mit vielem Beifall aufgenommene und jedenfalls sehr beachtens-
werthe Schrift ist Jan Lepaf: 0 methoddeh a logicke jejich pribuznosti (Von
den Methoden und ihrer logischen Verwandtschaft), welche ursprünglich in der
Zeitschrift: „Skola a zivot” erschienene Abhandlung das Wesen der verschiedenen
Lehrmethoden nicht so sehr durch theoretische Begriffs-Bestimmungen, als viel
mehr durch Häufung praktischer Beispiele klar zu legen sucht. —
Nicht minder bedeutend, als diese mehr systematischen Handbücher sind
die Abhandlungen, die sich auf die methodologische Behandlung
der einzelnen Unterrichtszweige der Volksschule beziehen. Um
diese literarischen Bestrebungen würdigen zu können, muss vor Allem eines
Mannes gedacht werden, der als Bahnbrecher dieser Bestrebungen angesehen
werden kann, obwohl er die neuere Periode des Aufschwunges des Volks
schulwesens nicht mehr erlebt hat. Es ist diess der bei Lebzeiten zu wenig