34 Volks- und Bürgerschulen: III. Unterricht in der deutschen Sprache.
Schuljahres unmöglich machen, andererseits aber der sprachliche Unterricht in
derselben Weise, wie er an der Hand des Ersten Sprach- und Lesebuchs angefangen
wurde, mit den nun in die zweite Classe tretenden Kindern fortgeführt
werden muss, so hat sich das Ministerium bestimmt gefunden, die bisher bestandene
deutsche Sprachlehre für Volksschulen völlig ausser Gebrauch
zu setzen.”
Es wird angeordnet, dass die Lehrer der zweiten Classe den Stoff zu
Sprachübungen, „welche mit dem Losen zu verbinden sind” vor der Hand
lediglich aus dem Anfänge des Ersten Sprach- und Lesebuchs zu entnehmen
hätten. Die in dem Hilfsbuche von Vernaleken enthaltenen Andeutungen
seien als Richtschnur anzusehen.
Der Erlass des k. k. Ministeriums vom 25. October 1853, Z. 1121,
gibt im Hinweis auf das neue Zweite Sprach- und Lesebuch folgende Vorschriften:
„Was die Methode des sprachlichen Unterrichts betrifft, der von
den Lehrern der dritten Classe ertheilt wird (somit im Anschlüsse an den
Stoff, der in der zweiten behandelt wurde), kann nicht eindringlich genug
wiederholt werden und ist den Lehrern auf geeignete Art in Erinnerung zu
bringen, wie schon in dem vorgeschriebenen Methodenbuche S. 141 u. s. f.
das Wesen des Sprachunterrichts in das gute Verstehen, Lesen und Schreiben
gesetzt ist, und alle feinen Speculationen davon ausgeschlossen bleiben sollen,
dass der Sprachunterricht diesem Methodenbuch zufolge mehr praktisch als
nach abstracten Regeln zu ertheilen sei, und dass desshalb die Kinder vor
Allem durch zweckmässige Sprech- und Sprachübungen zum Verstehen und
Kennen der allgemeinen Schriftsprache zu bringen und hingegen alle zu gelehrten
und abstracten Erklärungen und Aneinanderreihungen zu vermeiden
seien.
Die in den neuen Sprach- und Lesebüchern mit Beseitigung einer abgesonderten
Grammatik angewendete Methode des Sprachunterrichts ist nichts
als die Durchführung obiger, in dem vorgeschriebenen Methodenbuche ausgesprochenen
Grundsätze, deren Befolgung daher dem Lehrer nicht schwer
werden kann.
Wenn der Lehrer sich mit Verständniss in das eigentliche Wesen dieser
praktischen Methode hineinfindet, und die Befolgung dieser Grundsätze sich
angelegen sein lässt, so wird er nur das Nothwendigste aus der Grammatik,
so kurz und bündig wie möglich behandeln, und dem Gedächtnisse der Kinder
zur Einprägung aufgeben; den meisten Platz seines Unterrichtes werden
dagegen einnehmen Sprachübungen, welchen die den Kindern geläufigen und
durch den Lehrer geläufig gemachten Anschauungen und Vorstellungen zu
Grunde liegen; Uebungen im Kacherzählen des Vorerzählten, überhaupt im
Wiedergeben des von dem Lehrer Mitgetheilten, ferner Uebungen im fertigen,
sinngemässen Lesen, welche auch in der dritten Classe unter dem Vorwände,
dass die Kinder schon genug lesen können, nicht vernachlässigt werden dürfen;