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Full text : Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

34  Volks-  und  Bürgerschulen:  III.  Unterricht  in  der  deutschen  Sprache.
Schuljahres  unmöglich  machen,  andererseits  aber  der  sprachliche  Unterricht  in
derselben  Weise,  wie  er  an  der  Hand  des  Ersten  Sprach-  und  Lesebuchs  angefangen ­
  wurde,  mit  den  nun  in  die  zweite  Classe  tretenden  Kindern  fortgeführt
werden  muss,  so  hat  sich  das  Ministerium  bestimmt  gefunden,  die  bisher  bestandene ­
  deutsche  Sprachlehre  für  Volksschulen  völlig  ausser  Gebrauch
zu  setzen.”
Es  wird  angeordnet,  dass  die  Lehrer  der  zweiten  Classe  den  Stoff  zu
Sprachübungen,  „welche  mit  dem  Losen  zu  verbinden  sind”  vor  der  Hand
lediglich  aus  dem  Anfänge  des  Ersten  Sprach-  und  Lesebuchs  zu  entnehmen
hätten.  Die  in  dem  Hilfsbuche  von  Vernaleken  enthaltenen  Andeutungen
seien  als  Richtschnur  anzusehen.
Der  Erlass  des  k.  k.  Ministeriums  vom  25.  October  1853,  Z.  1121,
gibt  im  Hinweis  auf  das  neue  Zweite  Sprach-  und  Lesebuch  folgende  Vorschriften: ­
  „Was  die  Methode  des  sprachlichen  Unterrichts  betrifft,  der  von
den  Lehrern  der  dritten  Classe  ertheilt  wird  (somit  im  Anschlüsse  an  den
Stoff,  der  in  der  zweiten  behandelt  wurde),  kann  nicht  eindringlich  genug
wiederholt  werden  und  ist  den  Lehrern  auf  geeignete  Art  in  Erinnerung  zu
bringen,  wie  schon  in  dem  vorgeschriebenen  Methodenbuche  S.  141  u.  s.  f.
das  Wesen  des  Sprachunterrichts  in  das  gute  Verstehen,  Lesen  und  Schreiben
gesetzt  ist,  und  alle  feinen  Speculationen  davon  ausgeschlossen  bleiben  sollen,
dass  der  Sprachunterricht  diesem  Methodenbuch  zufolge  mehr  praktisch  als
nach  abstracten  Regeln  zu  ertheilen  sei,  und  dass  desshalb  die  Kinder  vor
Allem  durch  zweckmässige  Sprech-  und  Sprachübungen  zum  Verstehen  und
Kennen  der  allgemeinen  Schriftsprache  zu  bringen  und  hingegen  alle  zu  gelehrten ­
  und  abstracten  Erklärungen  und  Aneinanderreihungen  zu  vermeiden
seien.
Die  in  den  neuen  Sprach-  und  Lesebüchern  mit  Beseitigung  einer  abgesonderten ­
  Grammatik  angewendete  Methode  des  Sprachunterrichts  ist  nichts
als  die  Durchführung  obiger,  in  dem  vorgeschriebenen  Methodenbuche  ausgesprochenen ­
  Grundsätze,  deren  Befolgung  daher  dem  Lehrer  nicht  schwer
werden  kann.
Wenn  der  Lehrer  sich  mit  Verständniss  in  das  eigentliche  Wesen  dieser
praktischen  Methode  hineinfindet,  und  die  Befolgung  dieser  Grundsätze  sich
angelegen  sein  lässt,  so  wird  er  nur  das  Nothwendigste  aus  der  Grammatik,
so  kurz  und  bündig  wie  möglich  behandeln,  und  dem  Gedächtnisse  der  Kinder
zur  Einprägung  aufgeben;  den  meisten  Platz  seines  Unterrichtes  werden
dagegen  einnehmen  Sprachübungen,  welchen  die  den  Kindern  geläufigen  und
durch  den  Lehrer  geläufig  gemachten  Anschauungen  und  Vorstellungen  zu
Grunde  liegen;  Uebungen  im  Kacherzählen  des  Vorerzählten,  überhaupt  im
Wiedergeben  des  von  dem  Lehrer  Mitgetheilten,  ferner  Uebungen  im  fertigen,
sinngemässen  Lesen,  welche  auch  in  der  dritten  Classe  unter  dem  Vorwände,
dass  die  Kinder  schon  genug  lesen  können,  nicht  vernachlässigt  werden  dürfen;
            
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